Tag-Archiv für 'liberalismus'

Der Glaube ist was für Liberale

Glaube, Verve der Tat und der nach ihr drängende nationalistische Gedanke gepaart mit der unbelehrbaren Dummheit, würde jeder „in die Hände spucken und Anpacken“ und der anschließenden Affirmation, Deutschlands als einen Körper, wessen Organe nur durch Selbstsubsumtion funktionieren und miteinander gegen vermeintliche äußere und innere Gefahren wirken müsse, bieten keine Basis für emanzipatorische Entwicklungen.
Die stupid-bornierte und immer widerkehrende Hoffnung auf Änderung ohne Berührungspunkte mit einer radikal-emanzipatorischen Analyse des Bestehenden, führen zur Hoffnung auf immanente Veränderung, also einer Perpetuierung der Barbarei, konformistischem Nonkonformismus oder hin zu Glaubenssätzen, welche durchaus die Hoffnung auch auf eine metaphysische Existenz im Jenseits richten.
Ein, Friedrich August von Hayek zugeschriebenes, Zitat reiht sich problemlos in diese Zusammenhänge ein:

Den meisten Argumenten gegen den freien Markt liegt ein Mangel an Glaube in die Freiheit zugrunde.

Auch wenn Adorno die Schwierigkeit erkannt hat, in Relation zur omnipräsenten Macht und stetig erfahrenen eigenen Ohmacht kritisches Denken zu erhalten und eine Resistenz gegen sich klug dünkende Dummheit und Barbarei zu entwickeln, besteht darin doch die Ursache und Grundlage für Kritik. Die Resistenz muss immer überdacht werden, um nicht totalitär und einseitig die Welt gedanklich zu erschließen.
Nur so kann das Projekt der Aufklärung fortgeführt werden.
Kritik darf sich in diesem Sinne nicht in positivistischer Registriererei und erst recht nicht in Glaubenssätzen verlaufen. Wird Kritik, nach Hayeks Vorbild, mangelnder Glaube an vermeintliche „kommunistische Ideale“ vorgeworfen, wird, eine notwendigerweise ultrarealistische, linke Kritik, nicht nur der christlichen Predigt für Nächstenliebe gleichgesetzt, sondern zusätzlich ignoriert, dass die Kritik der Religion und Glaubenssätze die Voraussetzung aller Kritik ist.

Gesinnungsbrüder

In einem Artikel des liberalen Wirtschaftsmagazin „brand eins“ stellt der Autor Wolf Lotter einen vermeintlichen Unterschied zwischen Kapital und Geld her und unterscheidet zwischen einer „Geld-Geld-Wirtschaft“ und „Warenproduktion“.
Der Artikel beginnt mit liberaler Vergleicherei und außerdem mit schwerwiegenden Fehlern, wie etwa der Naturalisierung des kapitalistischen Produktionsprozesses, die hier jedoch im Einzelnen nicht näher erläutert werden sollen. Wer Aufklärung sucht, lese diesen Text, oder doch besser das „Kapital“.
Genaugenommen war die Bezeichnung der „Naturalisierung des kapitalistischen Produktionsprozesses“ falsch, denn in dem Artikel wird das warenproduzierende System konsequent auf die Zirkulationsspähre heruntergebrochen, womit eine Verkürzung eingeleitet wird, die nicht nur in einer falschen Erklärung des Gegenstandes resultiert, sondern sogar höchst bedenkliche Gedanken zu Tage fördert. Zum Beispiel deckt sich Lotters Erklärung des Geldes mit Ansichten von Silvio Gesell, die Gesell jedoch gegen das Geld einwendet. Lotter schreibt:

Der Handel beschränkte sich hauptsächlich auf Waren, die man sofort verbrauchen musste – Nahrungsmittel vor allem. (…) In der einen Variante, in der Geld das Mittel zum Zweck und ein universelles Werkzeug zum Austausch von Bedürfnissen ist, dient es zur Verbesserung eines Systems, das wir Wirtschaft nennen.

Ist Geld hier eine Vereinfachung des Tausches, die dem Menschen hilft, weil er mit der Konsumtion von Waren warten und flexibler handeln könne, sieht Gesell darin eine besondere Grausamkeit des Geldes versteckt. Er schreibt, da Geld angehäuft werden kann, weil die Gefahr nicht besteht, dass es verschimmelt, wie etwa Weizen, könne der Geldbesitzer dem Markt Geld „vorenthalten“, also einen „Riegel vorschieben“. Beides gleichsam falsche Erklärungen. Der „Springpunkt um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht“ (MEW 23) wird nicht erfasst.
Im Folgenden schlägt diese falsche Ansicht in eine gefährliche Anschuldigung um. So schreibt Lotter:

Lumpenkapitalisten sind Menschen, die keine Idee haben. Sie denken nur ans Geld und sind genau deshalb, nun ja, das Gegenteil von Kapitalisten, nämlich asozial.

Diese Auffassung kommt den vermeintlichen „Einsichten“ einer „verkürzten Kapitalismuskritik“ gleich und sind in einer solch krassen Ausprägung mit strukturellem Antisemitismus angemessen umschrieben.

Worin genau die Fehler einer solchen, in einigen Kreisen sogar sehr populären, „Kritik“ bestehen, wird hier morgen näher erläutert und eine Übersicht über die verschiedenen Ausformungen verkürzter oder anscheinender Kapitalismuskritik erstellt.

(Hinweis auf diesen Text via emanzipationoderbarbarei)

Fragmente der Kritik: (Neo-)Liberalismus

Hier sollen nur einige Aspekte oder Gedanken der (neo-)liberalen Theorie kritisiert, jedoch kein kritischer Überblick über diese verschafft werden. Ein Überblick verschafft z.B. der Text von Systemtranszendenz, „(Neo)liberalismus“.

Ein großer Unterschied zwischen Marx und Hayek besteht in der Konzeption menschlichen Handelns: Marx fordert im Sinne der Aufklärung Erkenntnis der Realität und folglich bewusste (Um-)Gestaltung dieser durch den Mensch. Er fordert eine Emanzipation des Menschen über scheinbare Natürlichkeiten hinaus und zeigt folgerichtig, dass der Markt, das kapitalistische Wirtschaftswesen abschaffbar ist.
Hayek hingegen fasst den Markt als hohes, gar höchstes Produkt menschlicher Entwicklung und Zivilisation auf, welcher nicht durch Eingriffe des Menschen gesteuert werden soll.
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Fragmente der Kritik: VWL

Im Folgenden sollen einige wenige kritische Anmerkungen zur Volkswirtschaftslehre gemacht werden:

Ein Marxisten bekanntes „Problem“ der VWL besteht darin, dass diese nichtmal ansatzweise zu ergründen sucht, was der Wert der Ware ist. In dem Buch „Im Kreislauf der Wirtschaft-Einführung in die Volkswirtschaftslehre“, herausgegeben vom Bundesverband deutscher Banken e.V. heißt es in dem Kapitel „Der Wert des Geldes“:

„Da wir mit Geld Werte (z.B. ein Brot,…) erwerben können, muss es selbst Wert haben.“

Zu Beginn direkt der erste Fehler. (mehr…)

Fragmente der Kritik: Popper

Sir Karl Raimund Popper sprach einmal:

„Wers nicht einfach und klar sagen kann, soll schweigen und weiterarbeiten bis ers klar sagen kann.“

Er favourisiert einen nüchternen Intellektuellen, der ohne „große Worte“, allgemeinverständlich schreibt, also seiner Position und Aufgabe gerecht wird, indem er den Austausch zwischen Intellektuellen und dem „Volke“ forciert und nicht durch kryptische Schreibweise behindert.
Was aus edlen Absichten entsprungen zu sein scheint, und den zweifelhaften Glanz einer vermeintlich intellektuell höchst redlichen Person zu spiegeln vermag, offenbart doch schließlich den affirmativen Gehalt dieser Aussage.
Poppers Aussage impliziert nämlich eine strikte Trennung von Intellektuellen und Nicht-Intellektuellen und zementiert die Teilung von geistiger und körperlicher Arbeit und gleichzeitig auch die Macht, die Intellektuellen nur in einer Gesellschaft zukommt, in der kapitalistische Produktionsweise und genannte Trennung der Arbeit herrscht.
Ebenfalls schließt Popper aus, dass sich das „gemeine Volk“ das Begründungs- und Argumentationsniveau der Experten erschließt und somit auch einen wirklichen Austausch der genannten Personengruppen, oder gar ihre Aufhebung.