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Über „gleichgültige Diktatoren“ und „defätistische Afrikaner“

Über „gleichgültige Diktatoren“ und „defätistische Afrikaner“ und gegen die finanzielle Unterstützung korrupter Regimes schreibt Robert Calderisi in einem Artikel in der Zeitschrift „Der Überblick“.
Für ihn erscheint es vielversprechender, Gruppen und Initiativen zu fördern, die für Demokratie und Pluralismus kämpfen und somit Diktatoren stürzen können, als „korrupten Regimes“ Schulden zu erlassen. Die Diktatoren in Afrika, so seine Kernthese, würden finanzielle Mittel aufsaugen und das private Unternehmertum abwürgen.
Allerdings hakt es nach Calderisi auch hier: den Afrikanern mangele es häufig an Kompetenz und Unternehmergeist. Fast zynisch wirkt sein Geschreibsel, wenn er eine Bananenverkäuferin, die um ihr Überleben kämpft, pathetisch mit „gutem Mut im Angesicht von Schwierigkeiten“ vergleicht.
Warum übrigens eine demokratisch legitimierte Regierung nicht korrupt sein sollte, bleibt im ganzen Artikel diffus.
Neben all solchen Zumutungen liegt der Schwerpunkt jedoch woanders: Mehr Demokratie und Markt für Afrika würden diesem Kontinent Wohlstand bescheren.
Solche Empfehlungen tätigt der Autor, obwohl er selber die Problematik dieser darlegt:

Afrikas Anteil am Weltmarkt ist nicht durch Subventionen an reiche Bauern in Europa, sondern durch wachsende Effizienz anderer Entwicklungsländer gesunken.

Die Konkurrenz, die er als Heilmittel für die Probleme Afrikas empfiehlt, produziert den Missstand, den er selber anklagt. Wie so oft werden die Folgen und Grundlagen der Konkurrenz in liberaler Argumentation ausgeblendet. Ist („faire“) Konkurrenz erstmal hergestellt, würde sich der Reichtum wie von Geisterhand selber erzeugen.
Eine ähnliche Argumentation konnte man vor einigen Wochen vom Nobelpreisträger 2006 hören. (siehe „Kapitalismus gegen Armut und Krieg?“)

Es ist außerdem interessant, dass die Mittel, welche von „westlichen Staaten“ angewendet wurden um ökonomische, militärische und politische Macht zu erlangen, von liberaler Seite für „Entwicklungsländer“ (ein wirklich zynischer Begriff) nicht vorgesehen, sogar explizit abgeraten werden, nämlich Abschottungs- und Staatsinterventionspolitik.

Kapitalismus gegen Armut und Krieg?

Nie wieder schreibe ich ein Text in dem Eingabefeld vom Weblog. Grade bin ich mit einem Text zu Mikrozinsen und zum Friedensnobelpreis 2006 fertig geworden, da drücke ich auf den falschen Button und der Text ist weg.
Deshalb gibt es ein nur sehr kurzes Textchen in dem etwas unvermittelt die wichtigesten Punkte erwähnt werden.

Objektive Ursachen scheinen für die Befürworter von Mikrozinsen nicht zu existieren, oder aber diese werden im Zins oder in der Höhe der Zinssätze situiert. Was an dieser Vorstellung falsch ist, beschreibe ich hier.
Ins Auge springen sonst vor allem zwei Dinge: Mikrozinsen „ändern“ nicht viel, sondern verleihen den pauperisierten Massen lediglich die Möglichkeit erhöhter geschäftlicher Potenz. Diese soll dann als Mittel auf dem Markt fungieren. Dass dies, in Anbetracht einer entwickelten kapitalistischen Produktionsweise, nahezu nicht erfolgreich sein kann ist offensichtlich. Selbst wenn jemand Erfolg haben sollte, setzt sich der Erfolg gegen die ökonomischen „Mitstreiter“ durch. Konkurrenz soll also als Mittel für Armutslinderung eingesetzt werden.
Beachtenswert ist außerdem die Idiotie, den Menschen in Armutsländern fehle es an Idealen und dieser vermeintliche Mangel sei Grund für ihre Armut: So wird das Projekt des Friedensnobelpreisträgers auch gelobt, weil es „Eigeninitiative“ und „Risikobereitschaft“ fordert. Wenn aber solche Werte proklamiert werden, ist das als Drohung zu verstehen.
Als Lösung für das Problem soll dies funktionieren, was das Problem überhaupt erst produziert hat: Kapitalismus!

Zwei Blognachbarn haben übrigens auch schon etwas zum Friedensnobelpreis 2006 verfasst: MPunkt und ascetonym. Walgesang hat einen Text zur Thematik hochgeladen.