Schorsch's online Journal http://schorsch.blogsport.de Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt. Die Bedingungen dieser Bewegung ergeben sich aus der jetzt bestehenden Voraussetzung. Fri, 26 Feb 2016 21:54:27 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Heiligtum und Gewalt http://schorsch.blogsport.de/2016/02/26/heiligtum-und-gewalt/ http://schorsch.blogsport.de/2016/02/26/heiligtum-und-gewalt/#comments Fri, 26 Feb 2016 21:54:27 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2016/02/26/heiligtum-und-gewalt/ „Um das Individuum heilig zu machen, muß das gesellschaftliche Regime abgeschafft werden, das dieses Individuum ans Kreuz schlägt. Diese Aufgabe aber kann nur durch Eisen und Blut erfüllt werden. Leo Trotzki, Terrorismus und Kommunismus. Anti-Kautsky

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Perversion der Reichen http://schorsch.blogsport.de/2016/01/23/perversion-der-reichen/ http://schorsch.blogsport.de/2016/01/23/perversion-der-reichen/#comments Sat, 23 Jan 2016 15:09:44 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2016/01/23/perversion-der-reichen/

„Zum ersten Mal seit seiner Erschaffung wird der Mensch vor seine wirkliche, seine beständige Aufgabe gestellt sein − wie seine Freiheit von drückenden wirtschaftlichen Sorgen zu verwenden, wie seine Freizeit auszufüllen ist, die Wissenschaft und Zinseszins für ihn gewonnen haben, damit er weise, angenehm und gut leben kann. Nach dem Verhalten und den Tätigkeiten der heutigen wohlhabenden Klasse in irgendeinem Viertel der Welt geurteilt, sind die Aussichten sehr deprimierend! Die meisten von denen, die ein eigenständiges Einkommen haben, aber ohne Anhang oder Pflichten oder Bindungen sind, haben, so scheint es mir, bei der Lösung der ihnen gestellten Aufgaben katastrophal versagt. Ich bin sicher, dass wir mit ein wenig mehr Erfahrung die neugefundenen Gaben der Natur ganz anders nutzen werden als es die Reichen heute tun, und dass wir einen Lebensplan für uns entwerfen werden, der ganz anders als der ihre ist.“ John Maynard Keynes

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Die Peripherie kommt im Zentrum an: zur Wiederholung derselben Austeritätsfehler http://schorsch.blogsport.de/2015/07/12/die-peripherie-kommt-im-zentrum-an-zur-wiederholung-derselben-austeritaetsfehler/ http://schorsch.blogsport.de/2015/07/12/die-peripherie-kommt-im-zentrum-an-zur-wiederholung-derselben-austeritaetsfehler/#comments Sat, 11 Jul 2015 23:38:08 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2015/07/12/die-peripherie-kommt-im-zentrum-an-zur-wiederholung-derselben-austeritaetsfehler/ In der Debatte um Griechenland wird gerne vergessen, dass all das, was wir gerade erleben, kein Novum ist: All das gab es schonmal, nämlich in Gestalt der neoliberalen „Strukturanpassungsprogramme“, die den Entwicklungsländern in den 80ern als Bedingung für Kredite diktiert wurden, mit denen sie ihre Schulden bezahlen sollten. Für die Wirtschaftsentwicklung waren diese Programme entweder nutzlos oder sogar schädlich. Jetzt soll derselbe Fehler wiederholt werden, nur diesmal im kapitalistischen Zentrum. – Die Hilfsorganisation „Medico International“, die Erfahrung mit der Austerität in Entwicklungsländern hat, warnt: „Es ist in diesen Regionen bis heute nicht gelungen, die verheerenden Folgen dieser Maßnahmen zurückzunehmen und funktionierende Institutionen des Gemeinwohls, rechtsstaatliche Verhältnisse, für alle zugängliche Gesundheitsfürsorge wieder aufzubauen. Einmal zerstört, kommen diese Strukturen unter den Bedingungen des globalisierten neoliberalen Kapitalismus nicht wieder.“ (Medico International)

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Syrizas Nepotismus? http://schorsch.blogsport.de/2015/07/10/syrizas-nepotismus/ http://schorsch.blogsport.de/2015/07/10/syrizas-nepotismus/#comments Thu, 09 Jul 2015 23:08:07 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2015/07/10/syrizas-nepotismus/ Zurzeit kursiert ein alter Vorwurf: Syriza, die nach der Wahl symbolpolitisch ihre Novität unterstrichen hat (Taxen statt Dienstautos, Economy statt First Class) betreibt die Vetternwirtschaft genauso exzessiv wie ihre Vorgänger: „Griechenlands neue Regierung wollte dem Filz ein Ende setzen. Nun bekommen aber auch Freunde und Verwandte von Syriza-Politikern reihenweise schöne Posten – darunter ein Cousin von Premier Tsipras.“ Spiegel online bringt zudem eine Liste von Namen, Verbindungen und Posten (Spiegel Online).

Das ist natürlich alles andere als erfreulich: Ist Syriza derselbe nepotistische Sauhaufen wie Nea Dimokratia und Pasok? Ein paar Einwände: Obwohl Spiegel online anderes suggeriert, geht Syriza tatsächlich praktisch gegen den Filz vor: Zum ersten Mal in der Geschichte Griechenlands gibt es einen Antikorruptionsminister mit weitreichenden Kompetenzen. Zudem müsste man die verdächtigten Personalien genauer prüfen: Wo handelt es sich um genuinen Nepotismus und wo liegen vielleicht auch eher zufällige Verbindungen vor? Weiterhin müsste man die Ausmaße der Vetternwirtschaft unter Syriza mit denen der Vorgängerregierung vergleichen um zu einer qualifizierten Aussage zu kommen. Macht Syriza genauso weiter wie bisher oder gibt es, trotz Kontinuitäten, auch Verbesserungen? In einem ehemals durch und durch nepotistischen System sind ein paar Faktensammlungen an sich, ohne die Relationierung, noch nicht signifikant aussagekräftig.

Natürlich hat man sich bei den Vorgängern von Syriza, die brav die Austeritätspolitik befolgt haben, keinen Deut um ihren Nepotismus geschert. Doch plötzlich kommen aus interessierter Ecke überraschend scharfe Verurteilungen, die man sich schon für die Vorgängerregierung gewünscht hätte. Tatsächlich ist aber Syriza die einzige Partei, die überhaupt den Anspruch äußert, den alten Klientelismus zu bekämpfen. Schon dadurch unterscheidet sie sich von den Vorgängern. Gerade vor dem Hintergrund dieser Ankündigung macht es Sinn, sich die schwierigen Ausgangsbedingungen der Partei zu vergegenwärtigen: geringe Erfahrung in „Regierungsverantwortung“, eventuelle Gegenwehr von den alten Mächten, gegen die Syriza ja gerade angetreten ist: Hinter dem Nepotismus könnte auch der Versuch stecken, Schlüsselpositionen, also das Rückgrat des Staates, vor Korruption zu schützen, indem man diese Positionen mit Vertrauten besetzt. Freilich nichts, worüber man jubilieren kann, was aber eingedenk der schwierigen Lage erklärbar ist. Man sollte aber auch nicht naivem Parteigängertum verfallen. Vielleicht sind das wunschgesteuerte Überlegungen, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben. Mit Sicherheit gibt es auch unter Syriza Vetternwirtschaft und fragwürdige Privilegien. Aber vielleicht darf man nicht zu schnell zu viel erwarten: Über Jahrzehnte etablierte Strukturen schafft man nicht mit einem Handstreich aus der Welt, vor allem dann nicht, wenn die verordnete Austerität effektive Restrukturierungsprogramme erschwert.

Man kann nun also entweder mit einem moralischen Maximalismus versuchen, Syriza zu blamieren, oder – und das ist die bessere Alternative – sich in kritischer Solidarität an den tatsächlichen Verbesserungen orientieren und zugleich ein Auge für die weiteren Entwicklungen haben – sofern es für Syriza überhaupt weitergeht.

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Kritik am „Wirtschaftsweisen“ Lars Feld: Europa geht nur noch mit links! http://schorsch.blogsport.de/2015/07/06/kritik-am-wirtschaftsweisen-lars-feld-europa-geht-nur-noch-mit-links/ http://schorsch.blogsport.de/2015/07/06/kritik-am-wirtschaftsweisen-lars-feld-europa-geht-nur-noch-mit-links/#comments Mon, 06 Jul 2015 15:12:20 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2015/07/06/kritik-am-wirtschaftsweisen-lars-feld-europa-geht-nur-noch-mit-links/ Auf tagesschau.de ist ein völlig unsägliches Interview mit dem „Wirtschaftsweisen“ Lars Feld veröffentlicht worden. Ich kommentiere hier ein paar der besonders abgefahrenen Sätze:

Syriza hat ihre Wähler hinters Licht geführt

Die Medienschlacht gegen Syriza hat in den letzten Tagen die billigsten Ressentiments des Antikommunismus aus der Mottenkiste gezogen. Dieser Satz gehört dazu. Nicht die Bevölkerung hat in einem Akt politischer Selbstbestimmung gegen die Vorschläge der Gläubiger gestimmt (denn insgeheim will sie die natürlich angeborene Freiheit des Marktes), sondern eine kleine ideologische Elite hat in geschickter Manipulation den Volkswillen umprogrammiert. So lügt sich Lars Feld die Wirklichkeit zurecht.

Folglich müsste man über ein drittes Hilfspaket unter schärferen Auflagen verhandeln, weil es die Griechen bisher an Glaubwürdigkeit haben fehlen lassen.

Dieser Satz ist in vielerlei Hinsicht nicht zu fassen! „Glaubwürdigkeit“ ist der neuste Technokraten-Euphemismus. „Glaubwürdigkeit“ kann hier mit „Unterwürfigkeit“ übersetzt werden. Weil es die Griechen gewagt haben, ein wenig Unzufriedenheit mit dem ideologischen Diktat der Sachzwänge zu äußern, müssen sie jetzt so richtig die Knute spüren! Scharfe Auflagen: noch mehr Elend, noch mehr persönliches Leid, noch mehr Tote, noch mehr gesellschaftliche Verwahrlosung. – Hier wird die „unsichtbare Hand“ zur harten Faust und der Marktliberalismus zeigt seinen versteckten Autoritarismus.

Die Währungsunion kann sich aber auch nicht leisten, einen Partner zu haben, der sich offensichtlich nicht an die Regeln hält.

Die Währungsunion und die EU werden zum großen Teil von einem Administrationsapparat gesteuert, in dem Verwaltungsbeamte das Geschäft der Politik übernommen haben. Die für jede Demokratie essentiellen politischen Grundsatzdiskussionen werden in angeblich neutralem Expertenwissen erstickt, für „Ideologie“ ist kein Platz. Aber eben dieser postideologische Verwaltungspragmatismus ist die größte Ideologie überhaupt! Was den Griechen hier vorgeworfen wird ist, dass sie wagen, gegen diese unsichtbare Ideologie das Feld politisch rationaler Diskussion zurückgewinnen zu wollen. Wer das tut verletzt notgedrungen die Regeln, weil er sie auf ihren geheimen politischen Grund befragt und damit über sie hinausgeht.
Lars Feld zeigt hier die kalte Fratze des Rechtspositivismus, die Regel um der Regel, das Recht um des Rechts willen. Aber auch das Recht beruht auf Bedingungen, die es selbst nicht garantieren kann. Es ist eine Lehre aus dem Nationalsozialismus, diese politische Seite des Rechts nicht aus der politischen Diskussion auszusparen. Den Herrschenden ist es natürlich lieber, wenn die versteckte politische und kontingente Seite ihrer Regeln unhinterfragt akzeptiert wird. Feld wirft hier den Griechen also im Kern nichts anderes vor, als dass sie die Verdrängung des Politischen nicht mehr mitmachen wollen.

Und schließlich der letzte Satz des Interviews:

Außerdem würde im Falle einer rein europäischen Regelung über den ESM der Druck auf Deutschland und auf Finanzminister Schäuble erheblich zunehmen. Das kann nicht in unserem Sinne sein.

Ein ungeheuerlicher Schlusssatz! Wenigstens legt er hier die Karten auf den Tisch! Innereuropäische Solidarität: Fehlanzeige. Druck auf Deutschland? Nicht in unserem Sinne! Hier wird ganz gelassen nationaler Egoismus empfohlen! Und hier zeigt sich, dass die europäischen Gläubiger und ihre Ideologen die wahren Anti-Europäer sind.
Hauptsache wir können in Deutschland weiterhin unsere Bäuche befüllen und uns der falschen Lüge unserer deutschen Wohlstandsinsel hingeben: Krisengeschädigte, wie Griechen und Asylsuchende bitte draußen bleiben. – Bestimmte Teile des Bürgertums sind mittlerweile gnadenlos verroht. Genauso steht es auch um Europa, das seine humanistische Substanz fast ganz verloren hat. Das offizielle Europa ist gescheitert. Es lebe das Europa von links!

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Europas Mächte gegen ein linkes Europa von unten: Der Putsch gegen SYRIZA http://schorsch.blogsport.de/2015/07/05/europas-maechte-gegen-ein-linkes-europa-von-unten-der-putsch-gegen-syriza/ http://schorsch.blogsport.de/2015/07/05/europas-maechte-gegen-ein-linkes-europa-von-unten-der-putsch-gegen-syriza/#comments Sun, 05 Jul 2015 21:54:59 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2015/07/05/europas-maechte-gegen-ein-linkes-europa-von-unten-der-putsch-gegen-syriza/ Sigmar Gabriel hetzte vor einigen Wochen in der Bild die „deutschen Arbeitnehmer und ihre Familien“ gegen die „zum Teil kommunistische Regierung“ in Athen auf und Martin Schulz macht im ARD-Morgenmagazin den „Spaßhansel“ Varoufakis lächerlich.

An anderer Stelle untermauern beide, Schulz und Gabriel, ihre ostentativ vorgetragene Empörung über den angeblichen Starrsinn der griechischen Regierung mit handfesten Lügen (ARD-Monitor, nachdenkseiten). Ein echter Skandal, der in der politischen Diskussion kaum als solcher wahrgenommen wird.

Auch andere europäische Spitzenpolitiker stellen völlig schamlos Falschbehauptungen über die Verhandlungen auf. Während Griechenland in den Verhandlungen tatsächlich zu Konzessionen bereit ist, machen zudem die „Institutionen“ ihre eigenen Zugeständnisse plötzlich wieder umfangreich rückgängig und streichen die griechischen Vorschläge fast komplett zusammen (New York Times). Und mehr noch: Euro-Länder versuchten einen IWF-Bericht zu blockieren, der auch für die Zukunft das längst offensichtliche Scheitern der Austeritätspolitik prognostiziert – und damit die Position der griechischen Regierung unterstützt (Reuters)

Worum es bei Stimmungsmache und Blockade gegen Griechenland eigentlich geht, spricht Martin Schulz ziemlich unverblümt im ARD-Morgenmagazin aus: „Wir werden dem griechischen Volk helfen, ganz sicher nicht der Regierung“. Die Hilfe für das griechische Volk ist wieder so eine SPD-Schulz-Lüge. Wahr ist, dass es schlicht darum geht, den Präzedenzfall einer erfolgreichen linken Regierung im neoliberalen Austeritätseuropa zu verhindern. Wenn eine Linksregierung in Griechenland Erfolg hätte, wäre das ein deutliches Signal an alle euopäischen Linksparteien und -bewegungen, vor allem an Podemos in Spanien (und ggf. auch an die Coalizione Sociale in Italien). Gegen ein Europa, in dem die neoliberalen Verarmungsprogramme durch die postdemokratische Herrschaft von Technokratentum und Exekutive abgesichert werden, würde sich damit eine wirkliche politische Alternative konturieren.

Leider gehört mittlerweile auch die SPD in der Gestalt von Gabriel zu den üblichen Verdächtigen, die eine solche Alternative besonders dringend bekämpfen wollen. Wenn aber die linken Alternativen von oben abgedrängt werden, steigt die Gefahr, dass noch mehr Frust nach rechts geht. Dafür steht beispielhaft die Lega Nord in Renzis neoliberalen Italien, die bei den diesjährigen Kommunalwahlen bis zu 20% der Stimmen erhalten hat. Der Erfolg der rechten Parteien in Frankreich, Großbritannien, Dänemark und Deutschland sollte eigentlich extrem vorsichtig stimmen, andere Alternativen abzuwürgen. Aber politische Apathie und rechte Zugewinne scheinen den europäischen Machthabern ein billiger Preis ihrer Machtdemonstration.

Es ist übrigens ein großer Erfolg dieser Machthaber, dass sie es geschafft haben, ein Nein zur Austeritätspolitik als ein Nein zu Europa umzudeuten. Europaweite Solidaritätsdemonstrationen mit Griechenland zeigen, dass es genau umgekehrt ist: Nur ein solidarisches und soziales Europa kann die oft beschworene humanistische Substanz der europäischen Idee einlösen. In der Griechenlandkrise, aber auch der Flüchtlingskrise zeigt sich deutlich, dass die EU humanistisch entkernt und moralisch bankrott ist. Im gegenwärtigen Europa ist Europa auf einen professionalisierten Technokraten-Apparat geschrumpft, der Politik auf Administration reduziert und so angeblich alternativlose Entscheidungen an der politischen Debatte vorbei lenkt. Es ist genau dieses verkürzte Europa, dass zum Erstarken des anti-europäischen Ressentiments von rechts beiträgt. Das OXI könnte demgegenüber ein erster Schritt für eine linke und politische Wiederaneignung Europas von unten sein.

Es ist übrigens ein großer Erfolg dieser Machthaber, dass sie es geschafft haben, ein Nein zur Austeritätspolitik als ein Nein zu Europa umzudeuten. Europaweite Solidaritätsdemonstrationen mit Griechenland zeigen, dass es genau umgekehrt ist: Nur ein solidarisches und soziales Europa kann die oft beschworene humanistische Substanz der europäischen Idee einlösen. In der Griechenlandkrise, aber auch der Flüchtlingskrise zeigt sich deutlich, dass die EU humanistisch entkernt und moralisch bankrott ist. Im gegenwärtigen Europa ist Europa auf einen professionalisierten Technokraten-Apparat geschrumpft, der Politik auf Administration reduziert und so angeblich alternativlose Entscheidungen an der politischen Debatte vorbei lenkt. Es ist genau dieses verkürzte Europa, dass zum Erstarken des anti-europäischen Ressentiments von rechts beiträgt. Das OXI könnte demgegenüber ein erster Schritt für eine linke und politische Wiederaneignung Europas von unten sein.

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Herr K. und die deutsche Politik http://schorsch.blogsport.de/2014/06/21/herr-k-und-die-deutsche-politik/ http://schorsch.blogsport.de/2014/06/21/herr-k-und-die-deutsche-politik/#comments Sat, 21 Jun 2014 07:05:11 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2014/06/21/herr-k-und-die-deutsche-politik/

„Ich bin für den Polizeistaat“, sagte Herr K. „Was“, rief ein Hörer, „haben wir nicht zwölf Jahre einen Polizeistaat gehabt?“ Herr K. antwortete: „Zwölf Jahre lang haben Verbrecher als Polizei gegen die anständigen Menschen gestanden. Sie sind abgesetzt, aber nicht verschwunden. Wenn sich jetzt die anständigen Menschen weigern, als Polizei gegen diese Verbrecher Dienst zu tun, was werden diese tun?“ „Aber wo bleibt die Freiheit?“ sagte der Hörer. „Das ist sie“, sagte Herr K. traurig.

Aus: Bertold Brecht: Geschichten von Herrn Keuner. Zürcher Fassung.

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10 kurze Thesen gegen Adorno http://schorsch.blogsport.de/2014/02/16/10-kurze-thesen-zu-adorno/ http://schorsch.blogsport.de/2014/02/16/10-kurze-thesen-zu-adorno/#comments Sun, 16 Feb 2014 17:47:39 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2014/02/16/10-kurze-thesen-zu-adorno/ 1. Adornos Philosophie will eine Verschränkung von Philosophie und dem Politischen sein.

2. Nicht diese Verschränkung von Politik und Philosophie ist zu kritisieren, sondern die Entschränkung von Philosophie und Politik in ihrem Grenzverlust, provoziert durch die Marginalisierung der Immanenz.

3. Durch den Grenzverlust von Philosophie und Politik, täuscht Adornos Philosophie eine wechselseitige Aufhebung von Politik und Philosophie vor, verfälscht in Wahrheit jedoch beide durcheinander.

4. Philosophie wird der zu interpretierenden Wirklichkeit beraubt und auf die interpretierte Wirklichkeit eines formalen Nichtidentischen verpflichtet: Philosophie wird trivialisiert.

5. Der politische Begriff der zu verändernden Wirklichkeit, sowie der politische Begriff einer veränderten Wirklichkeit werden verfälscht; Politik wird überlastet.

6. Die zu verändernde Wirklichkeit wird nämlich zu einer Hypothese falscher Totalität hochgestochen, der analog die veränderte Wirklichkeit als ein überspreiztes Ideal wahrer Totalität entgegengestellt wird.

7. Der Kommunismus ist so aber keine politische Möglichkeit mehr, sondern eine leere Utopie unendlicher Freiheit, die von ihren endlichen Bedingungen abstrahiert ist.

8. Dem ist mit Hegel zu erwidern: „Wer gegen das Endliche zu ekel ist, der kommt zu gar keiner Wirklichkeit, sondern er verbleibt im Abstrakten und verglimmt in sich selbst.“

9. So versteht sich auch Marx anti-utopische Volte, dass der Kommunismus kein abstraktes Ideal unendlicher Freiheit ist, sondern „die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.“

10. „Die Bedingungen dieser Bewegung ergeben sich aus der jetzt bestehenden Voraussetzung.“

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Die Befreiung der Sexualität in der DDR http://schorsch.blogsport.de/2013/12/12/die-befreiung-der-sexualitaet-in-der-ddr/ http://schorsch.blogsport.de/2013/12/12/die-befreiung-der-sexualitaet-in-der-ddr/#comments Thu, 12 Dec 2013 01:08:15 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2013/12/12/die-befreiung-der-sexualitaet-in-der-ddr/ „Ein milder Glanz geht, eine stille Pracht
Unwiderstehlich aus von diesem Paar.
Die Liebe und die Sowjetmacht
Sind nur mitsammen darstellbar.“

Bezüglich der sexuellen Liberalisierung im Kapitalismus ließe sich die These vertreten, dass diese Liberalisierung einseitig verläuft. Es werden die biologischen, die mechanischen Aspekte der Sexualität sichtbar gemacht, aber diese Seite des bloßen Faktums ist für den Mensch eigentlich bedeutungslos und „leer“. Sexualität in diesem biologisch-mechanischen Sinne zu liberalisieren bedeutet daher zugleich auch, Sexualität zu marginalisieren – die Sexualität zu verdrängen, die reizvoll und sinnhaft aufgeladen ist, die mit einem tieferen Interesse verbunden ist. Verschlagwortet gesagt: Die Pornographisierung verdrängt das Erotische. Brüste und Penisse kann man gerne mal zeigen, aber über wirkliche Bedürfnisse, über das Wesen von Sexualität darf nicht gesprochen werden. (Der Aufklärungsunterricht wurde in der Schule bezeichnenderweise im Fach Biologie erledigt, dabei ist das viel mehr ein Thema für „Gemeinschaftskunde“, Geschichte, Philosophie. Über Samen und Eier hat man gesprochen, kein Wort aber über Homosexualität, Beziehungsformen usw.) Diese leere Befreiung der Sexualität stiftet keine wirkliche Befriedigung und muss deshalb um einer kurzfristigen Befriedigung willen immer weiter getrieben werden: größer, länger, härter, brutaler. Darin nähert sich diese Befreiung der Sexualität dem stupiden Expansionsdrang des Marktes an und in der Sexualität entstehen wie im Marktwettbewerb kompetitive Verhaltensmuster. Ein Ausdruck dieser verfehlten Befreiung ist z.B. auch die Sexualisierung von trivialen Alltagsgegenständen (Werbung etc.) bei gleichzeitiger sexueller Unmündigkeit dort, wo Sexualität für die Menschen eine wirkliche Bedeutung hat. Es gibt eine eigenartige Gleichzeitigkeit sexueller Offenheit und sexueller Verschlossenheit. Anhand einer sehenswerten Doku über den Sex in der DDR lässt sich diese These ziemlich gut aufrechterhalten. In der DDR waren auf Konsumartikeln keine Brüste zu sehen, dafür wurde im Vergleich zum Westen viel offener und häufiger über Sexualität gesprochen. Im Westen – das ist allgemein bekannt und in der Doku auch gezeigt – herrschte zunächst eine viel größere Prüderie. Die spätere sexuelle Liberalisierung des Westens, die man wie oben beschrieben, als einseitige Liberalisierung verstehen könnte, in der Sexualität in der Befreiung zugleich auch verdrängt wird, lässt sich damit auch als heimliche Fortführung der Prüderie verstehen. Das scheint zunächst kontraintuitiv, denn es gibt im Zuge der Liberalisierung einen fixierten Zwang auf das Sexuelle, eine einzige Zurschaustellung, einen gebannt-infantilen Blick auf das Tabu, koitale Reduktion, gerade weil die sinnhaft-bedeutsamen Seiten nicht befreit sind. In diesem Zwang wird, wie beschrieben, Sexualität aber gerade unterdrückt, obwohl er auf Befreiung abzielt: ein endloser und maßloser Zirkel, genau wie die Kapitalakkumulation. In beiden geht es eigentlich nicht um Lust. Auch die Hippiebewegung und Co. sind teilweise in dieser Form schlechter Unendlichkeit einseitiger Liberalisierung befangen. In der DDR hingegen, in der Frauen gesellschaftlich eine bessere Position hatten als im Westen, wurde viel früher ein prüdes Sexualverständnis abgeschafft und der sozialistische Staat organisierte gesellschaftliche Aufklärung (leider strikt heteronormativ). Unter dieser Voraussetzung konnte viel lockerer, freier, entspannter und gelassener mit Sexualität umgegangen werden, während der Westen zwanghaft auf Sexualität fixiert war, was Ausdruck einer extremen Verklemmtheit war. Kurzum: Die Liberalisierung der Sexualität in der DDR war gegenüber der im Westen nicht einseitig. Sexualität wurde nicht individualistisch verstanden, sondern als gesellschaftliche Angelegenheit, ohne damit den Individuen Intimität zu stehlen. Das ist eine wahre Vergesellschaftung oder Veröffentlichung der Sexualität, während im Westen Sexualität pseudo-veröffentlicht wird, weil sie im Kern als individuell-private Angelegenheit verstanden ist, die dann einfach den Augen eines Publikums feilgeboten wird.

Dokumentation: Liebte der Osten anders?

Ein Text auf diesem Blog zu einem ähnlichen Thema: Herrschaft sagt: Dein Leib bleibe dir vom Leib!

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Reflexionen zu Ästhetik und Metaphysik der Stalinallee http://schorsch.blogsport.de/2013/10/24/reflexionen-zu-aesthetik-und-metaphysik-der-stalinallee/ http://schorsch.blogsport.de/2013/10/24/reflexionen-zu-aesthetik-und-metaphysik-der-stalinallee/#comments Thu, 24 Oct 2013 13:03:56 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2013/10/24/reflexionen-zu-aesthetik-und-metaphysik-der-stalinallee/

In der ästhetisch-metaphysischen Tiefe der Stalinallee kann man noch heute das ferne Ringen um eine befriedete Menschheit schallen hören. Deshalb ist sie bei aller Verfremdung aufregend und weckt und befähigt das humane Interesse der Interpretation auch über die Distanz ihrer gelegentlich abweisenden Selbstsicherheit hinweg. Anders wäre die Allee so kühl und langweilig wie die sterile Bedeutungslosigkeit vieler zeitgenössischer Großbauten, deren nichtssagende Opulenz ihre metaphysische Leere verdecken soll und deren Glasfassaden notdürftig kaschieren, dass in ihnen kein Fenster zu einer anderen Welt offen steht.

Die Stalinallee. Ein Bauwerk des realen Sozialismus

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