Schorsch's online Journal http://schorsch.blogsport.de Tue, 09 Mar 2010 22:28:28 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en http://schorsch.blogsport.de/2010/03/09/175/ http://schorsch.blogsport.de/2010/03/09/175/#comments Tue, 09 Mar 2010 22:28:28 +0000 schorsch Kurznotizen http://schorsch.blogsport.de/2010/03/09/175/ Weltfrauentag: Der 8. März 2010 im Iran.

]]>
http://schorsch.blogsport.de/2010/03/09/175/feed/
Gegensatz und Zusammenhang von Kritik und Theologie http://schorsch.blogsport.de/2010/02/28/gegensatz-und-zusammenhang-von-kritik-und-theologie/ http://schorsch.blogsport.de/2010/02/28/gegensatz-und-zusammenhang-von-kritik-und-theologie/#comments Sun, 28 Feb 2010 01:24:25 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2010/02/28/gegensatz-und-zusammenhang-von-kritik-und-theologie/

Die fünfzigste Pforte

Ein Schüler Rabbi Baruchs hatte, ohne seinem Lehrer davon zu sagen, der Wesenheit Gottes nachgeforscht und war im Gedanken immer weiter vorgedrungen, bis er in ein Wirrsal von Zweifeln geriet und das bisher Gewisseste ihm unsicher wurde. Als Rabbi Baruch merkte, daß der Jüngling nicht mehr wie gewohnt zu ihm kam, fuhr er nach dessen Stadt, trat unversehens in seine Stube und sprach ihn an: »Ich weiß, was in deinem Herzen verborgen ist. Du bist durch die fünfzig Pforten der Vernunft gegangen. Man beginnt mit einer Frage, man grübelt, ergrübelt ihr die Antwort, die erste Pforte öffnet sich: in eine neue Frage. Und wieder ergründest du sie, findest ihre Lösung, stößest die zweite Pforte auf – und schaust in eine neue Frage. So oft und fort, so tiefer und tiefer hinein. Bis du die fünfzigste Pforte aufgesprengt hast. Da starrst du die Frage an, die kein Mensch erreicht; denn kennte sie einer, dann gäbe es nicht mehr die Wahl. Vermissest du dich aber, weiter vorzudringen, stürzest du in den Abgrund.« »So müßte ich also den Weg zurück an den Anfang?« rief der Schüler. »Nicht zurück kehrst du«, sprach Rabbi Baruch, »wenn du umkehrst; jenseits der letzten Pforte stehst du dann, und stehst im Glauben.«

Martin Buber

Sie [die kritische Theorie] will vielmehr zeigen, in welchen bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen es gründete, wenn die Philosophie an eine weitertragende Problemstellung nicht herankommen konnte, und daß eine andere Lösung außerhalb der Reichweite dieser Philosophie lag.

Herbert Marcuse

Bekanntlich soll es einen Automaten gegeben haben, der so konstruiert gewesen sei, daß er jeden Zug eines Schachspielers mit einem Gegenzuge erwidert habe, der ihm den Gewinn der Partie sicherte. Eine Puppe in türkischer Tracht, eine Wasserpfeife im Munde, saß vor dem Brett, das auf einem geräumigen Tisch aufruhte. Durch ein System von Spiegeln wurde die Illusion erweckt, dieser Tisch sei von allen Seiten durchsichtig. In Wahrheit saß ein buckliger Zwerg darin, der ein Meister im
Schachspiel war und die Hand der Puppe an Schnüren lenkte. Zu dieser Apparatur kann man sich ein Gegenstück in der Philosophie vorstellen. Gewinnen soll immer
die Puppe, die man >historischen Materialismus< nennt. Sie kann es ohne weiteres mit jedem aufnehmen, wenn sie die Theologie in ihren Dienst nimmt, die heute
bekanntlich klein und häßlich ist und sich ohnehin nicht darf blicken lassen.

Walter Benjamin

]]>
http://schorsch.blogsport.de/2010/02/28/gegensatz-und-zusammenhang-von-kritik-und-theologie/feed/
Über die Verbetriebswirtschaftlichung linker Kritik oder: Hamburg sucht die Super-Linken http://schorsch.blogsport.de/2010/01/31/ueber-die-verbetriebswirtschaftlichung-linker-kritik-oder-hamburg-sucht-die-super-linken/ http://schorsch.blogsport.de/2010/01/31/ueber-die-verbetriebswirtschaftlichung-linker-kritik-oder-hamburg-sucht-die-super-linken/#comments Sun, 31 Jan 2010 17:05:23 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2010/01/31/ueber-die-verbetriebswirtschaftlichung-linker-kritik-oder-hamburg-sucht-die-super-linken/ Es ist im Prinzip keine neue Erscheinung und nicht der langen Rede wert: linke Politgruppen entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Disziplinierungsagenturen und nützliche Zwischeninstitutionen auf dem Leidensweg zur Selbstverhärtung und -anpassung des bürgerlichen Individuums.
In so hohem Maße bizarr zeigt sich in dieser Hinsicht aber die Kommunistische Assoziation Hamburg (KAH), dass hier ein paar Worte über sie verloren werden sollen; denn besonders entlarvend ist ihr widerlich selbstgerechter Jargon, der sich fast in keiner Hinsicht vom unternehmerischen Vorbild unterscheidet und durch den sie sich betriebswirtschaftlicher Bewerbungsrationalität angleicht.
So ist die KAH ihrem Selbstverständnis zwar prinzipiell ein offener Zusammenschluss, aber das hindert sie nicht daran, ein elitäres Gehabe zu demonstrieren, dass zu einer linken Burschenschaft passen würde, wenn es sie denn gäbe. Die KAH schreibt:
Aber offen bedeutet eben nicht öffentlich. Die KAH ist keine Gruppe, in die jeder unverbindlich reinschauen und ab und zu mal mitmachen kann.

Also: Verpflichtung, Bindung, Disziplin! Ihrem Selbstverständnis hat die KAH sich nämlich mit Mühe in die edlen Sphären fundierter Kritik hinaufgeschwungen – und das soll die plebejische Masse nicht kaputt machen:

Die Mitglieder der KAH haben sich in den vergangenen Monaten nach langen Diskussionen ein Selbstverständnis erarbeitet; alle verfügen über ein solides Grundwissen über den historischen Materialismus und die Kritik der politischen Ökonomie. Hinter diesen Stand wollen wir nicht zurückfallen.

Wie über ein Besitztum „verfügen“ (sic!) die Mitglieder also über ein solides Grundwissen. Man könnte hier darüber spekulieren, inwiefern die Gruppe ihr „solides Grundwissen“ dem „soliden Handwerk“ ähnlich sieht, das die deutsche Arbeit ehrlich geschaffen hat und nun durch gruppenferne Elemente eine gefährliche Entwertung dieser Gemeinschaftstat ansteht. Unzweifelhaft ist aber die Transformation von Kritik in ein Gut, über das man eben „verfügen“ kann, das selbstgenügsam zum ideellen Wert wird, der sich wiederrum in tollen Texten oder Wissensbeständen der Gruppe verwerten lassen soll und so schließlich zur Kultur vergeistigt und mit völliger Ohnmacht geschlagen ist.
Wirklich ekelhaft wird es, wenn die Gruppe wie eine exklusive Geheimgesellschaft ihren Stand auf der Fortschrittstreppe – analog zum akkumulierten Wissensschatz – durch Menschen, die mit weniger Wissensreichtum ausgestattet sind, gefährdet sieht:

Hinter diesen [solides Grundwissen und so…] Stand wollen wir nicht zurückfallen. D.h. Leute, die an einer Mitarbeit interessiert sind, können zwar einsteigen, uns ist aber sehr wichtig, dass sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Sie sollen unsere politische Agenda teilen, Erfahrungen in linken Organisationen oder Parteien vorweisen können, Das Kapital und möglichst noch andere MEW gelesen haben …

„Voraussetzungen erfüllen“, „Erfahrungen vorweisen können“; man könnte meinen das Arbeitsamt führe in radikalen Kreisen kleine Subunternehmen: Ganz offensiv beschreibt sich die KAH als Kontroll-, Prüf- und Selektionsinstanz von Wissen und Erfahrungen in einem Milieu, dessen Ideal einmal Spontaneität, (relative) Autonomie und Selbstorganisation war.
All das wird ersetzt durch spontane Kontrolle, autonomes Aussortieren und selbstorganisierte Bewerbungsverfahren, also Herrschaftsmechanismen von unten, die schon mal an die Verwaltungsapparate von oben gewöhnen. Das einzige, was die Gruppe hier wirklich vortrefflich leistet ist die schamlose Darstellung oft unterschwelliger Bildungs- und Wissenschauvinismen linker Kreise, in denen man um akzeptiert zu werden eben „Das Kapital und möglichst noch andere MEW gelesen haben“ muss.
Dieses ganze Elend kumuliert bei der KAH dann in der Aufforderung an InteressentInnen, ein kleines Bewerbungsschreiben zu verfassen:

Für alle, die von diesen Bedingungen nicht abgeschreckt sind [sprich: Für alle die also hart genug für die KAH sind und die vorselektive Abschreckung meistern konnten:] Wenn Ihr Euch in der KAH organisieren wollt, schreibt uns, wer Ihr seid, in welchen politischen Bereichen Ihr bisher tätig seid/wart, an welchen Themen und Projekten Ihr zurzeit arbeitet, warum Ihr Euch der KAH anschließen wollt und welche Erwartungen und Bedingungen Ihr an ein Mitwirken bei uns knüpft.

Alle, die diese Vorrunde des grotesken Polit-Castings bestanden haben werden dann zum Geheimtreff in Hamburg eingeweiht:

Wir werden uns bei allen melden, die sich ernsthaft interessiert zeigen, und Euch Ort und Zeit für ein Informationstreffen der KAH in Hamburg mitteilen.

Politsekte ick hör dir trapsen; es ist einfach lächerlich.
Jenseits der Polemik und abgesehen von der erheiternden unfreiwilligen Komik der pseudorevolutionären Speerspitze KAH gibt es aber eine doch recht ernste Ebene. Die realitätsgerechte Selbstformierung ist nicht nur ein Manko von diesem bescheuerten Linkskarrierismus der KAH. Vielmehr drückt sich in der Mimesis der Kritik ans Kritisierte ein machtvoller Inklusionsmechanismus der bürgerlichen Gesellschaft aus: Dem Spektakel der Wirklichkeit ist in der Kritik offenbar nur beizukommen durch eine ungebrochene Angleichung an eben diese Wirklichkeit.

]]>
http://schorsch.blogsport.de/2010/01/31/ueber-die-verbetriebswirtschaftlichung-linker-kritik-oder-hamburg-sucht-die-super-linken/feed/
Über den Film „2012″ http://schorsch.blogsport.de/2009/12/17/ueber-den-film-2012/ http://schorsch.blogsport.de/2009/12/17/ueber-den-film-2012/#comments Thu, 17 Dec 2009 00:46:05 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2009/12/17/ueber-den-film-2012/

Die Menschheit, die einst bei Homer ein Schauobjekt für die Olympischen Götter war, ist es nun für sich selbst geworden. Ihre Selbstentfremdung hat jenen Grad erreicht, der sie ihre eigene Vernichtung als ästhetischen Genuß ersten Ranges erleben läßt. Walter Benjamin

Diese Sätze von Walter Benjamin zum „Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ lesen sich wie eine Kritik an der „Mutter aller Katastrophenfilme“ in nuce. Was Walter Benjamin als Ästhetisierung der Politik begreift ist aber vielleicht nicht mehr aktuell. Es wäre interessant zu prüfen, ob nicht heute selbst die Ästhetisierung der Politik überholt wird. Die Politik im weitesten Sinne schleicht sich auf kaum beschreibbare Weise wieder in die Ästhetisierung ein. Allerdings nicht als eine Rücknahme der Ästhetisierung und Politisierung der Kunst, die Benjamin in der kommunistischen Antwort auf den Faschismus sah. Die Politisierung der Kunst gestaltet sich heute als eine problematische Belebung des ästhetischen Materials, durch eine Amalgamierung von Politik und Kunst, ohne dass ihre Trennung überwindet wird. Die Kunst reproduziert als solches Amalgam den Common Sense und bestätigt Stereotypen und Erwartungen. Sie ist blind für die innerästhetischen Konsequenzen, die sie – auch als Ästhetisierung der Politik – ziehen müsste. Vielleicht weil die Gesamtheit der Kunst nicht mehr die Gänze des Politischen durchdringen und verdecken kann. Weder Politik noch Kunst können in völlige Deckung gebracht werden, sie sind zueinander inäquivalent. Möglicherweise ist die Bedingung der Möglichkeit einer Ästhetisierung von Politik nicht mehr erfüllt, weil Kunst (und Politik) heute in einem Maße selbstreferentiell ist, dass ihr Anderes – die Politik – zwar mit der für es fremden Maßgabe des Ästhetischen überzogen werden kann. Darüber hinaus entwickelt die Kunst allerdings unmittelbar als Ästhetisierung der Politik Formen der Reflexivität, die nicht in Ästhetisierung der Politik aufgehen, sondern Innerästhetisch sind. Dieses in diesem Überschuss vielleicht subversive Potential wird wiederrum beschnitten; die Blindheit für die innerästhetische Konsequenz – nämlich ihre Reflexivität – wird durch die höchst difizile Entwicklung von Stereotypen, Klischees usw. verhindert. Allerdings glaube ich, dass nicht einfach die Reflexivität von Kunst durch Reglements eingedämmt wird. Vielmehr ist das, was heute im Kino zu sehen ist, eigentlich gar keine Kunst mehr, sondern ist gänzlich und irreversibel darin aufgegangen Herrschaftsinstrument und Verwaltungsmittel zu sein. Es wäre zu fragen, ob das, was mit einem traditionell Behafteten Schleier noch dem Bereich des Ästhetischen und der Kunst eingeordnet wird, eigentlich nicht mehr dort hineinpasst, sondern als neue Form von Herrschaft zu begreifen ist – jenseits von Kunst und vielleicht auch jenseits von Politik. Wenn das der Fall wäre, dann passt der Begriff der Kunst und Kunstkritik nicht mehr auf diese neue Erscheinung – die vielleicht nicht mal mehr ein Amalgam von Politik und Kunst ist, die sich in diesem Amalgam wechselseitig beschneiden, sondern in sich Kunst und Politik als eigenständige Formen vernichtet hat. Dann wäre auch die Kulturindustriethese durch die Geschichte überholt. Ihre Prämisse, nämlich der „objektiv den Produkten innwohnender Anspruch, ästhetische Gebilde und damit gestaltete Wahrheit zu sein“ (DDA, Vorrede), wäre überholt – und eben vielleicht nicht als billige Ausrede der Kulturindustrie, sondern als realer Vorgang. Was in „2012“ gezeigt wird, etwa die plumpe Apologie der Familie – eigentlich ist der Film nur eine Verkettung des Gängigen – , ist Ausdruck der Entwicklung von Herrschaft, die meines Dafürhaltens tatsächlich idealistisch aufgeladen wird, wenn ihr noch die kunstgebundene Kategorie der Kulturindustrie zugewiesen wird.
Wenn dem so wäre, dann wäre es sozusagen umso schlechter für die Wirklichkeit, dass die Kulturindustriekritik nicht mehr aktuell ist.

]]>
http://schorsch.blogsport.de/2009/12/17/ueber-den-film-2012/feed/
Zur Kritik an den Studierendenprotesten http://schorsch.blogsport.de/2009/11/29/zur-kritik-an-den-studierendenprotesten/ http://schorsch.blogsport.de/2009/11/29/zur-kritik-an-den-studierendenprotesten/#comments Sun, 29 Nov 2009 12:56:28 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2009/11/29/zur-kritik-an-den-studierendenprotesten/ Hier ein etwas länger gewordenes Flugblatt zur Kritik der Proteste der Studierenden.

I. Prolog

II. Die Bedeutung der Besetzung: die gesellschaftliche Artikulation des Unmuts

III. Die falsche Beschränkung der Kritik auf den bildungspolitischen Rahmen

IV. Die Bildungsreformen haben ihren Grund in der kapitalistischen Struktur dieser Gesellschaft

V. Die einzige Chance der Studienproteste liegt in einer gesellschaftskritischen Perspektive

VI. Konkrete Forderungen flankieren den Protest nicht, sondern sind ein Instrument seiner Normierung

VII. Zum Begriff der Bildung: von Bildung zu reden ist gegen die Bildung. Eine radikale und revolutionäre Perspektive

I. Prolog

Ein Onlineartikel der „Bild“-Zeitung widmet sich der Frage, „ob die Proteste (der Studierenden) berechtigt sind.“ Anhand eines kurzen und oberflächlichen Frage-Antwortkataloges werden in dem Artikel die zentralen Forderungen der Studierenden erläutert und die Gründe für und gegen die Reformen abgewogen. Der Duktus des Artikels ist bildtypisch der eines deutschen Spießbürgers und passt sich dadurch dem Gebärden seiner Leserschaft an. Die „Bild“ ist dafür bekannt, gegen „Sozialschmarotzer“, „Chaoten“ und sonstige „Asoziale“ zu hetzen. Wie gewohnt wägt die „Bild“ auch diesmal stellvertretend für ihre Leserschaft ab, ob sie ihr ressentimentgeladenes und enges Weltbild mit den Studienprotesten vereinbaren kann, oder den Studierenden mit der geballten Wut des Spießers gegen „Unruhestifter“ antworten soll. Diese Abwägungen untersuchen, ob bei den Protesten „alles seine Ordnung hat“, der Protest wird auf seine Konformität hin geprüft. Eine Kernfrage der Überlegung, ob die Proteste der Studierenden legitim seien, ist die Folgende – mit entsprechender Antwort:

Sind die Studenten von heute so radikal wie die 68er? Nein. Damals gingen die Studenten auf die Straße, weil sie mit den politischen Verhältnissen im Allgemeinen unzufrieden waren – etwa mit der mangelnden Aufarbeitung des Nazi-Regimes. Die heutigen Proteste richten sich nicht gegen die Gesellschaft insgesamt. Die Forderungen der Studenten beschränken sich auf die Bildungspolitik. Bild.de

Eine solche mediale Reaktion sollte Verdacht erregen. Die „Bild“ kann Entwarnung geben: alles geht seinen gewohnten Gang und nichts weicht von seiner vorhergesehenen Funktion ab. Die Proteste rufen keine Irritationen oder Wut bei denen hervor, die Hass gegen jegliche Abweichung von der Normalität verspüren und auch unumwunden ausdrücken. Vielmehr braucht sich niemand wegen der Proteste aufzuregen. Der konstruktive Charakter ihrer Forderungen drückt die prinzipielle Übereinstimmung mit den Bildungseinrichtungen aus. Die Forderungen der Protestierenden sind bloße Angelegenheit von Bildungspolitik und erklären ihr Einverständnis mit dem tagespolitischen Verhandlungsprocedere. Die Grundlagen auf denen ein konstruktives Miteinander von Studierenden und Land oder Hochschulleitung, das – bei allem Verbalradikalismus – letztlich von fast allen Protestierenden gewünscht wird, gelten unhinterfragt; die Studierenden stellen keine Unvereinbarkeit von ihren Interessen mit den bildungspolitischen Reformbemühungen der letzten Jahre fest – sie versuchen sie größtenteils bloß zu verbessern. In der Angst vor jeglicher Konfrontation legen sich die Studierenden in fast vorauseilendem Gehorsam die Mäßigung und Beschränkung auf Bildungspolitik auf. Sie anerkennen damit die realpolitischen Grenzen und die normative Kraft des Faktischen. Deshalb bleibt eine Zeitung wie die „Bild“ auch so entspannt angesichts von Großdemonstrationen und Besetzungen: hinter allem aktionistischen Bedeutungswirbel steckt der prinzipielle Wille zu Übereinstimmung und Konformität. Damit sind die Studienproteste bedeutungslos, ein bloßer Tagesordungspunkt auf der Liste politischen Geschehens.

II. Die Bedeutung der Besetzung: die gesellschaftliche Artikulation des Unmuts

Die Audimax Besetzung zeugt davon, dass wir uns mit den Ergebnissen der Restrukturierung des universitären Bildungswesens nicht abfinden wollen. Wir widersetzen uns einer Rationalisierung der Universität, die an ökonomischen Maßstäben orientiert ist. Stärker denn je sind die Studierenden in einen bürokratischen Kontrollapparat eingebunden, der uns dazu zwingt unsere individuellen Erkenntnisinteressen an Vorgaben, Fristen, Ordnungen anzupassen. Eine selbstbestimmte Auswahl von Themen, die uns interessieren und sich aus unserem Lernprozess für uns sinnvoll ergeben wird verhindert. Dazu passt auch die offensichtliche Warenwerdung von Bildung. Bildung ist nicht das Ergebnis eines gemeinschaftlichen Lernens, sondern deutlich wie noch nie ein marktfähiges Produkt für das nun auch die entsprechende Bezahlung – 500€ pro Semester – fällig wird.

Es ist richtig, wenn wir uns dieser drastischen Beschneidung eines bisher noch relativ freien Bildungsbetriebs wiedersetzen. Endlich verpufft der Ärger über die Zumutungen nicht mehr im alltäglichen Smalltalk – in dem ohnehin die Härten des Unialltags als individuelle Verfehlungen und Schwächen des und der Einzelnen erschienen: wer nicht gut mit den neuen Verordnungen und Festlegungen zurechtkommt ist eben selbst schuld. Diese brutale Ausrede wird den Sachverwaltern der Bildungsbeschneidung nun vermiest, denn der Unmut artikuliert sich seit der Besetzung politisch. Anstatt die Ursachen für unseren Unmut in uns selbst zu suchen, wird durch die Besetzung auch einer breiteren Öffentlichkeit die Problematik der universitären Strukturreformen vorgestellt. Durch die Ummodellierung des Studiums wird vielen Studierenden durch überfüllte Stundenpläne soviel Stress bereitet, dass sie kaum Zeit finden, sich in einem gesellschaftlich-politischen Raum kritisch mit ebendieser Überfüllung ihrer Zeit mit Veranstaltungen, dem gesteigerten Leistungs- und Konkurrenzdruck und den Studiengebühren zu widmen. Der Alltagszwang ist also mit Entpolitisierung verbunden, weil aus der isolierten Einzelperspektive nur noch die Hürden des eigenen Fortkommens registriert werden – die Sicht auf eine strukturelle und damit alle betreffende Dimension geht dadurch aber verloren und damit auch der Blick für gesellschaftliche Zusammenhänge. Die Besetzung repolitisiert teilweise und zerstört dadurch den blinden Fatalismus, zu dem jede/r neigt, deren/dessen Horizont sich in den engen Grenzen der eigenen Laufbahn, in der Reproduktion des ohnehin Bestehenden erschöpft. Es wird nun durch die Besetzung gesellschaftlich kommuniziert, dass das Problem nicht wir, sondern die Reformen sind, die uns Stress bereiten, Geld kosten und Bildung radikal in die Welt bloßer Marktvernunft entlassen.

III. Die falsche Beschränkung der Kritik auf den bildungspolitischen Rahmen

Wenn wir zu der Frage nach den Gründen von Uni-Reform und Studiengebühren nicht bloß ein instrumentelles Verhältnis einnehmen wollen, dann müssen wir auch unsere gesellschaftliche Position als Studierende hinterfragen. In den Protesten drückt sich häufig eine Kritik an den Uni-Restrukturierungen aus, die nur noch aus der Einzelperspektive des besseren Fortkommens im Uni-Alltag heraus gestellt ist. Diese Perspektive ist freilich völlig legitim. Wir alle wollen studieren, ohne dabei von beengenden Abgabefristen, Anwesenheitspflichten usw. diszipliniert zu werden. Eine Kritik, die sich auch auf dieser alltagspraktischen Ebene bewegt ist unproblematisch. Problematisch wird diese Kritik allerdings dann, wenn sie neben dieser Alltagsperspektive keine weitere mehr kennt. Wenn neben der nötigen Kritik der konkreten Missstände der Grund für diese Missstände nicht begriffen und hinterfragt wird, dann nimmt sich auch die konkrete Kritik, die etwas Erreichbares anstrebt, ihre Kraft. Die Gründe für die Restrukturierung des universitären Alltags sind nicht aus ihm selbst, sondern nur aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive heraus erklärbar.
Wenn die derzeitigen Proteste sich einer solchen Perspektive verweigern, verlaufen sie im Sand. Es sollte zu denken geben, wenn Politik und Hochschule, die die Bildungsreformen erst lanciert haben, in den Protest einzustimmen scheinen. An ihrem Applaus lässt sich Wichtiges ablesen. Es lässt sich ablesen, dass viele Forderungen der Studierenden verhältnismäßig gut mit der Vorstellung von Universität übereinstimmen, wie sie vom politischen Establishment gehegt werden. Das sollte zu denken geben. Keineswegs haben die Befürworter der Bildungsreformen ein vergessenes Bildungsideal wiederentdeckt. Vielmehr überschreiten viele Forderungen der Studierenden den grundlegenden Geist der Reformen nicht und können ihn daher auch nicht wirksam bekämpfen. Das liegt zum einen an Forderungen, die letztlich nur dann Sinn machen, wenn mensch akzeptiert, dass die Bildungsreformen alternativlos sind – etwa die Forderung nach gerechter Anerkennung von Studienleistungen oder die Forderung bezüglich eines besseren Lehramtsstudienganges. Zum anderen bleiben alle etwas weiterführenden Forderungen hilfloser Idealismus, wenn die Protestierenden nicht erkennen, dass es strukturelle Gründe für die Reformen gibt, die in der kapitalistischen Funktionslogik der herrschenden Ökonomie liegen.

IV. Die Bildungsreformen haben ihren Grund in der kapitalistischen Struktur dieser Gesellschaft

Die Bildungsreformen sind kein Irrweg des politischen Establishments, der sich durch gutes Zureden und beeindruckende und pressewirksame Forderungen seitens der Studierenden korrigieren ließe. Die Reformen verfolgen vielmehr den Weg, den der Kapitalismus aus innerer Notwendigkeit heraus vorgibt. Innerhalb des bestehenden Systems ist dieser Weg – von leichten Nuancen abgesehen – alternativlos und die frommen Wünsche nach Besserung der Uni innerhalb des Systems hoffnungslos. Es ist an der Zeit zu begreifen, dass die Reformen der inneren Notwendigkeit des Kapitalismus entsprechen, immer billiger, rationaler, schneller, besser zu arbeiten, zu lernen, zu konkurrieren – und zwar nicht mit dem Ergebnis weitreichender Bedürfnisbefriedigung, sondern zum Zwecke der Selbsterhaltung im anarchischen Marktkampf aller gegen alle.
Eine solche Perspektive, die die Bildungsreformen im Kontext des Kapitalismus begreift und kritisiert scheint aber vielen zu weit zu führen. Es gehe ja schließlich um konkrete Forderungen an das Land und Rektorat, damit endlich etwas erreicht und geändert wird. Allerdings ist die Verwandlung von Bildung in die Warenform kein bloß baden-württembergisches Phänomen, nichteinmal ein rein bundesrepublikanisches. Die Bologna-Reform zielt vielmehr darauf ab, die EU in den weltweit größten wissensgestützten Markt zu verwandeln. Sie ist ein Instrument europäischer Selbstbehauptung in der internationalen Konkurrenz. Der Handel mit Wissenswaren ist schließlich seit dem „allgemeinen Übereinkommen über den Handeln mit Dienstleistungen“ (GATS) ein globales Phänomen. Der Welthandel bedeutet globale Konkurrenz gemäß der nichtrationalen Marktlogik. Im globalen Konkurrenzkampf reproduziert sich grade nicht ein ständig und allgemein steigendes Wohlstandsniveau, sondern Unternehmen, Branchen und ganze Länder werden dauerhaft von der Produktion und Konsumtion ausgeschlossen, wenn sie in der globalen Konkurrenz nicht mehr mithalten können. Bedürfnisse werden dauerhaft von ihrer Befriedigung abgeschnitten – und das, obwohl die technischen Produktionsmöglichkeiten reif sind wie noch nie (was nicht zuletzt daran merklich wird, dass beispielsweise in Deutschland unzählige Menschen ohne Arbeit sind, dennoch versorgt werden können, ja zusätzlich Branchen mit Absatzproblemen und Überproduktion zu kämpfen haben, durch Pleiten Produktionspotentiale brach liegen und die Kapazitäten im verarbeitenden Gewerbe nur zu 80% ausgelastet sind). Die Erfordernisse des Marktes verlangen nun von den Menschen absolute Anpassung und vorauseilenden Gehorsam um im Hauen und Stechen der Konkurrenz möglichst weit vorne zu stehen. Die industrielle Wertschöpfung ist angesichts des enormen Niveaus von Technisierung und Maschineneinsatzes heute kaum mehr lohnenswert; zumindest nach Maßstäben des kapitalistischen Profitmotivs – im Jargon der Volkswirtschaftslehre: der „Grenzgewinn“ ist zu gering. Außerdem ist Deutschland in vielen Bereichen nicht mehr – wie es der mediale Kauderwelsch ausdrückt – „konkurrenzfähig“: im Ausland wird eben vieles billiger produziert. Daher konzentriert sich beispielsweise grade Deutschland (und neben Deutschland alle strukturähnlichen Inseln des Wohlstandes) auf das Wissen – eine Ware mit der noch ordentliche Gewinne eingefahren werden können. Damit die Wissensträger – nämlich die Studierenden mit Abschluss – nicht Deutschlands Wettbewerbsvorteil im Dauerstudium vertrödeln, sollen ihnen die Studiengebühren Beine machen. Die harte Strukturierung des Lehr- und Lernbetriebs soll die „Produktion“ der Ware Wissen zudem marktrationaler gestalten. Alle (Lern-)Bedürfnisse, die nicht den Anforderungen des Marktes entsprechen, werden systematisch ausgegrenzt – daher die Marginalisierung der geisteswissenschaftlichen Fächer. Es wird Selbstverstümmelung betrieben, um nicht vollständig verstümmelt zu werden.

V. Die einzige Chance der Studienproteste liegt in einer gesellschaftskritischen Perspektive

Angesichts dieser Bedeutung, die die Produktion von Wissen im kapitalistischen Globalsystem hat ist es also keineswegs naiv diese Bedeutung in den Studienprotesten hervorzuheben und ein Bruch mit dem System zu fordern, dass dazu zwingt Wissen – und alles andere auch – zum bloßen Mittel in der Konkurrenz werden zu lassen. Vielmehr ist es naiv zu meinen, durch kleine Schritte – also durch bescheidenere Forderungen – etwas erreichen zu können. Sie berühren die Säulen der bestehenden Ordnung nicht einmal im Ansatz – und sollten sie es doch tun, haben sie gegen den Konkurrenzdruck der kapitalistischen Wirtschaft keine Chance. Im Kapitalismus gibt es nämlich nur die Alternative zwischen devoter Anpassung an die Anforderungen des Marktes oder dem Untergang.
Wenn also die polit-ökonomischen Gründe für Rationalisierung und Ökonomisierung der Bildung nicht betont werden, ist jede Chance auf Änderung der herrschenden Tendenzen im Bildungswesen, in deren Kritik sich viele Studierende einig sind, vertan. Bleibt es aus, zu erkennen, dass innerhalb des bestehenden Wirtschaftssystems Bildung niemals etwas anderes sein kann als Mittel zur Konkurrenz, dann wird mit den Forderungen der Studierenden folgendes passieren: Forderungen die mit dem herrschenden System nicht kompatibel sind – etwa die Forderung nach selbstbestimmten und konkurrenzfreien Lernen – bleiben bestenfalls als „gutes Gewissen“ der Studierenden im Hinterkopf, aber werden niemals Wirklichkeit. Und die Forderungen, die ganz gut zum Charakter dieses Wirtschaftssystems passen werden von den Agenten dieser Ordnung dankbar als Ausdruck „konstruktiver“ Betätigung der Studierenden integriert und der Protest erstickt – in etwa so wie es der Prorektor vergangene Woche im Audimax vorgemacht hat. Dass er jeglichem Widerstand der Studierenden mit wenigen Worten die Zähne nehmen konnte ist nicht nur Verdienst seines polit-phraseologischen Geschicks, sondern auch eines Studierendenprotestes, der völlig bewusstlos idealistische Forderungen stellt und Blind für die Zwänge des kapitalistischen Normalbetriebes dieser Gesellschaft ist.
Eine Änderung der Universität, die Chance auf Verwirklichung hätte, müsste die Einbettung von Uni und Bildung in die Gesamtheit der kapitalistischen Wirtschaftsordnung begreifen. Das bedeutet, dass wir uns nicht nur aus unserer Rolle als Studierende heraus mit den Bildungsreformen kritisch beschäftigen sollten, sondern grade diese studentische Beengung des Blickes aufsprengen müssen. Denn erst dann lässt sich der Blick – neben Unialltag und mit diesem zusammenhängende Forderungen – auf eine gesamtgesellschaftliche Dimension richten, durch die die Bildungsreformen erst verständlich werden. Das würde auch bedeuten, dass nicht mehr hilflos das Humboldtsche Bildungsideal gegen die Realverfasstheit der Bildung beschworen wird. Vielmehr müsste begriffen werden, dass das Humboldtsche Bildungsideal heute eine Ideologie ist, die darüber hinwegtäuscht, dass ein emphatischer Bildungsbegriff nicht mit der bestehenden Gesellschaft vereinbar ist.

VI. Konkrete Forderungen flankieren den Protest nicht, sondern sind ein Instrument seiner Normierung

Die Beschränkung des Protestes auf Forderungen, die bloß auf den Uni- oder Bildungsbereich bezogen sind, affirmiert die gesellschaftliche Konstruktion eines solchen angeblich isolierten Bereichs. Der Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge wird politisch-praktisch ohnehin schon unterlaufen. Durch die Aufspaltung des gesellschaftlichen Gesamtzusammenhanges in verschiedene „Politikfelder“ mit eigenen „Problembereichen“ wird die Illusion erzeugt, die Gesellschaft lasse sich in Spezialgebiete mit eigener Dynamik und Logik aufteilen. Diese Bereiche seien unabhängig von einer Grundtendenz – nämlich der des ökonomischen globalen Wettbewerbs und seinen verschiedenen Erscheinungsformen. Die reale Interdependenz dieser Segmente und ihr unbedingter Zusammenhang werden verneint, wenn sich die Protestierenden in ihrem Protest auf „bildungspolitische“ Forderungen und Fragen beschränken und dadurch die gesellschaftliche Parzellierung affirmativ nachzeichnen, anstatt eben solche Grenzziehungen zu hinterfragen. Durch eine solche Selbstbeschränkung sind die Studierenden in ihrem Protest hilflos auf das im Sonderbereich Bildung Machbare eingeschränkt. Dadurch werden aber die basalen Strukturen des Bildungsbereich, der Status von Bildung in dieser Gesellschaft überhaupt und die gesellschaftliche Rolle der Studentin/des Studenten einer kritischen Grundlagenreflexion entzogen. Die bloße Entscheidung zur Formulierung spezieller und realpolitischer Forderungen trägt also auch implizit eine Entscheidung über die inhaltliche Grundausrichtung des Protestes in sich.
In den konkreten Forderungen steckt weiterhin eine Bejahung der verwalteten Kommunikationsmechanismen, die subversives Potential auf das Machbare und Realpolitische festlegen. Ein wichtiges Argument für die Formulierung konkreter Forderungen war nicht zuletzt die Erwartung der Medien, des Rektorats und des Landes. Wenn sich Protest aber unter dem Vorzeichnen gesellschaftlicher Erwartungen entwickelt, dann verliert er ein wesentliches Moment des Aufbegehrens. Er ist nämlich durch die Erwartungen präformiert und schneidet sich, um breit akzeptiert zu werden, auf die Bedingungen seiner Akzeptanz zu. Der Protest reproduziert dann das Erlaubte – mit der Illusion eigener Wirkmächtigkeit. Die Absurdität der Forderungen besteht auch darin, dass sie einen unmittelbaren Einfluss auf die Politik suggerieren. Viel eher ist es aber plausibel, dass allgemein und grundlegende gehaltende Forderungen oder Gedanken zum wirklichen Gegenstand politischer aber auch gesellschaftlicher Debatten werden. Sie wären mit den Regeln politischer Artikulation nicht direkt vereinbar und widersetzten sich daher aus sich heraus den standardisierten und standardisierenden Regeln politischen Protests, sie böten eine tatsächliche Möglichkeit der Resistenz. Wie es derzeit aber ist, erscheinen die Forderungen eher wie an die gängigen Erwartungen und Regeln angepasste Bitten, die im besten Falle bloß eine erneute Verwaltungsreform von oben zur Folge haben, die aus der kapitalistischen Logik dieser Gesellschaft heraus keineswegs die Konkurrenz- und Anpassungsmechanismen unterlaufen wird. Selbstbestimmung und freie Bildung für alle sind auf einer solchen Ebene aber eine Sache der Unmöglichkeit.

VII. Zum Begriff der Bildung: von Bildung zu reden ist gegen die Bildung. Eine radikale und revolutionäre Perspektive

Kritik ihrem Namen gerecht wird und nicht in ein vorauseilendes Einverständnis mit den politischen Eliten verläuft, müsste die Einbettung des universitären Raumes in den kapitalistischen Zusammenhang dieser Gesellschaft reflektieren. Zudem sollte auch der Begriff der Bildung überdacht werden. Schon die Vorstellung universitärer Bildung ist gegen Bildung. Bildung, die in einem exklusiven Raum zum Besitztum weniger – nämlich derer, die als GymnasiastInnen Zugang zu diesem universitären Raum haben – wird schneidet sich von der Gestaltung der realen Lebensbedingungen ab. In einer Gesellschaft, in der jeder Mensch durch Verkauf seiner Arbeitskraft überleben muss, wird Bildung notwendigerweise zum Eigentum, zur Ware. Als Mittel zum beruflichen Zweck wird Bildung immer zum Eigentum – egal wie sich die/der BildungsträgerInn diesen Zweck schönzureden vermag. Wirkliche Bildung, die Aufklärung ist, vermieft nicht in der geschlossenen Diskursgemeinschaft der Universität, sondern wird unmittelbar öffentlich und dialogisch: sie lebt von der Beteiligung aller und erstickt, wenn sie von wenigen ausgeübt wird. Sie hebt also Bildung als isolierten Sonderbereich auf und verwirklicht sie gesellschaftlich.
Die Beschwörung von Bildung und ihren Idealen zeigt, dass das gesellschaftliche Leben – von dem sich die Bildung als exklusive abschneidet – von realer Unfreiheit, Ungleichheit und Unaufgeklärtheit geprägt ist. Da wo die Bildung und Selbstaufklärung des Einzelnen als Ziel vor Augen steht, geht es nicht mehr um die Bildung und Selbstaufklärung der Gesellschaft – also aller. Bildung als Bereich abseits von gesellschaftlicher Praxis, ist Resultat einer elenden Gesellschaft, in der Freiheit und Gleichheit nur noch als Ideale der Bildung und nicht mehr als Ziele der Gesellschaft existieren können und somit der Praxis entzogen werden. Es gilt, diesen Bildungsbegriff zu zerstören, indem er gesellschaftlich verwirklicht wird und nicht mehr seine fade Existenz als Eigentum weniger Gebildeter führt. Es gilt insbesondere einen studentischen Elitarismus zu kritisieren; wenn sich einzelne Studierende noch etwas darauf einbilden, zu der gebildeten Elite zu gehören und womöglich auf die herabschauen, die nicht dazugehören, dann ist damit der progressive Gehalt der Bildung endgültig verloren. Sie ist in der Ideologie der Eliten ein Vorrecht der Intelligenz gegenüber der arbeitenden Klasse und nicht mehr potentiell eine Idee der Befreiung aller Menschen.
Wirkliche Bildung hieße nämlich nicht, dass Bildung unbekümmert um das von ihr Getrennte sich selbst atmet, sondern bedeutete vielmehr die vernünftige Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens, der Lebensumstände aller. Sie richtet sich nämlich aufklärerisch gegen die Vormacht unbekannter Mächte und hat das Ziel, die Menschen von Herrschaft zu befreien. In Zeiten der Herrschaft des ökonomischen Profitmotivs, demgemäß alle Bereiche – auch die Uni –, strukturiert werden, und die Bedürfnisse der Menschen dieser Profitlogik angepasst werden, bedeutet Aufklärung Kritik dieser Gesellschaft. Sie bedeutet Erkenntnis des Ganzen, und damit Kritik eines uneinsehbaren irrationalen Motivs, das als „invisible hand“ ohne bewusste Beteiligung der gesellschaftlichen Akteure diese, gleichsam hinter ihrem Rücken, vor vollendete Tatsachen und unter anonyme Marktzwänge setzt. Bildung ist als Aufklärung Selbstzweck. Heute bedeutet Aufklärung aber nicht ein auswendiges Lernen von Fakten, das Pauken von Theorie. Gegen die Vorherrschaft der Marktmacht ist theoretisches Wissen machtlos und wird als Mittel – nicht mehr Zweck – in die Marktmechanismen integriert. Aufklärung bedeutet Kritik dieser Verhältnisse – nicht nur theoretische, sondern auch praktische Kritik:

Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. (Marx)

Wird Bildung nicht mehr als Aufklärung der Gesellschaft verstanden, sondern demgegenüber expliziet die Selbstbeschränkung der Proteste auf Unipolitik gefordert, dann ist Bildung zurechtgestutzt auf die Perspektive der/s vereinzelten Studierende/n und ihrem/seinem Fortkommen im Wettbewerb. Sie harmoniert dann – trotz der relativ harmlosen Einsprüche der Protestierenden – mit den Zielen der Bologna Reform, die auch in diversen EU-Verträgen festgelegt sind: die Deregulierung sämtlicher Lebensbereiche – eben auch aller Bildungseinrichtungen, in denen alle Studierende zu Marktsubjekten werden, die als Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands Position innerhalb der internationalen Staatenkonkurrenz verbessern sollen. Bildung ist dann ein partikularer Besitz von Wenigen, mit dem diese Wenigen sich elitär besser fühlen können als der „ungebildete Rest“ und mit dem diese „gebildeten“ Wenigen ihren Marktwert verbessern. Dieses Schicksal der Bildung im Kapitalismus ist prinzipieller Natur, von der Bologna & Co bloß Radikalisierungen sind. Bestehen die Protestierenden auf die Beschränkung des Protests auf die Universität verewigen sie den Zustand der Bildung, Mittel von Konkurrenzsubjekten auf dem Marktkampfplatz zu sein. Die Aufhebung dieses Zustandes bedeutet die Aufhebung von Bildung durch ihre Verwirklichung, sie bedeutet radikale Gesellschaftskritik – theoretisch wie praktisch.

]]>
http://schorsch.blogsport.de/2009/11/29/zur-kritik-an-den-studierendenprotesten/feed/
Militarismus von Links http://schorsch.blogsport.de/2009/09/14/militarismus-von-links/ http://schorsch.blogsport.de/2009/09/14/militarismus-von-links/#comments Mon, 14 Sep 2009 14:21:21 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2009/09/14/militarismus-von-links/ Über die realitätstüchtige Brutalität von Henryk M. Broder, „Junger Welt“ und insbesondere der „Bahamas“.

In der aktuellen Bahamas stellt ein Thomas Becker einige Gedanken über das „Piratenproblem“ an. Die Unmöglichkeit der „Lösung“ des „Piratenproblems“ sei bei der derzeitigen fehlender militärischen Härte derjenigen aussichtslos, für die Piraterie ein zu bekämpfendes Problem darstellt. Eben jener Autor schreibt in der Bahamas Nr. 57 über die „Koalition der Unwilligen“ in Afghanistan und stellt militärstrategischen Überlegungen vor, die er sicherlich noch als ideologiekritische Reflexion verkaufen würde. In aller Armut an Hintergrundinformationen wird die Bedeutung us-amerikanischer „Provincial Reconstruction Teams“ als nutzloser Ballast verworfen und die Politik der Regierung Obama als „Kuschelkurs am Hindukusch“ diffamiert. Die Intensität der Arbeit solcher Aufbauhilfen ist natürlich lächerlich gering. Allein schon deshalb ist ihr relativer Nutzen für den Frieden eher klein. Zudem führen sie aber schon ihre vorgebliche Aufgabe, die Bedürfnisbefriedigung von Zivilisten, als Ideologie mit, der Becker anscheinend aufsitzt: der Aufbau, der tatsächlich in größerem Maße forciert wird, dient nämlich in erster Linie der militärischen Infrastruktur.

Um das Ziel seiner Überlegungen, der Beweis einer Notwendigkeit eines Militärschlages, noch weiter zu plausibilisieren führt Becker ein Charakteristikum ein, das die Taliban ebenso wie die nationalsozialistische Ideologie beschreibe. Becker entdeckt dies in einem „Nimubs der Unbesiegbarkeit“. Er schreibt: „Von dem Wahn der Weltherrschaft motiviert und beseelt von einer Ideologie der Siegesgewissheit durch gottgegebene Überlegenheit, fallen militärischer Erfolg und ideologische Stärke zusammen.“ Becker denkt offenbar tatsächlich, er hätte damit die Verwandtschaft des Jihad mit der nationalsozialistischen Ideologie adäquat bezeichnet; auch wenn man vielmehr meinen könnte, der Autor habe eigentlich eher den Geist der US-amerikanischen Außenpolitik – polemisch vielleicht etwa überspitzt aber doch treffend – beschrieben.
Jede Diplomatie, die natürlich im Zeichen westlicher Interessen steht, erhält angesichts der Brutalität und Grausamkeit des Krieges in Afghanistan mehr Recht, als ihr an sich gebührt. Doch durch die Krude Identifikation der islamischen Idee des Jihad mit einer bestimmten kriegerischen Formulierung des Jihad, die wiederrum mit der nationalsozialistischen Ideologie gleichgesetzt wird, erscheint dem Autor alles Verhandeln und Reden als ein westlicher Schwächeanfall und Ausdruck einer „Lust am Einknicken“, die Broder unheilvoll als Menetekel beschwört. Der damit verbundenen Propaganda der Härte und Intoleranz, die sich realistisch, aufgeklärt, sogar noch freiheitlich gibt, erscheint der Geist des Pazifismus nur noch als sinnloses Geplapper, das – so suggeriert diese gefährliche Ideologie – besser früh als spät ausgebrannt gehöre, wenn der Westen nicht in die Hand des jeweiligen Feindbildes geraten will. Es ist erschreckend, wie sich solche Mahnung der Selbsterhaltung ans eigene Kollektiv gegen aufklärerische Friedensideale richtet. Die Bestialität und Härte, die sie dem Feindbild zuschreibt, um sich in Abgrenzung dazu zu konstituieren, nimmt eine solche Mahnung schließlich selber an und merkt das nicht mehr einmal. In solcher Verähnlichung werden alle vermeintlichen Unterschiede zwischen einem als fremd identifizierten Aggressor und der als eigenen vorgestellte „Kultursphäre“ irrational. Der behauptete Universalismus verkommt zu einer exklusiven Partikularität, welche nur noch die Identität eines Kollektivs und dessen Abgrenzungsbedürfnisse halbwegs rationalisieren soll: so sagt Broder einmal, wenn Mädchen in Riad mit einem Augenschlitz herumlaufen habe er damit kein Problem, aber hier wolle er das nicht sehen (Broder bei Radio Bremen).

Diese Ideologie, die sich kritisch und ungemütlich gibt, hat sich eigentlich völlig realitätsgerecht zurechtgemacht. Sie unterfüttert den „War on Terror“ mit einer Ideologie, die zu der von Sittenwächtern und Bürgerwehlern passt, die das Andere ausgrenzt, weil es mit dem Allgemeinen nicht identisch ist. Diese Übernahme der Grausamkeit der Realität drückt sich auch in dem brutalen Jargon des Bahamas-Autors aus, dem offenbar das Vermögen abhanden gekommen ist, über die eigene Unerbittlichkeit zu erschrecken. So schreibt er abfällig über einen „europäischen Versöhnungsjargon“, der sich in der Halluzination des Autors in Gestalt Barack Obamas des amerikanischen Geistes bemächtigt hätte. Es ist dabei überhaupt nicht problematisch, dass der Autor Europa denunziert, sondern dass sich Europa für ihn durch pazifistische Versöhnungsumtriebe auszeichne. Erstens widerspricht das völlig der europäischen Wirklichkeit, zweitens bedeutet damit seine Kritik an dem, was für ihn Europa darstellt, die Schmähung der Utopie des Friedens.
Folgerichtig fürchtet er auf US-amerikanischer Seite, dass sich die „Unwilligen (sic!) ihrer Überzeugung bestärkt fühlen, dass der Krieg falsch ist und so schnell wie möglich beendet werden muss“. Weiterhin gibt er über die Wirkung des „Kuschelkurses“ zu bedenken: „Die stärkste Wirkung wird man vielleicht bei den Jihadisten beobachten können, die sich darin bestätigt fühlen können, dass ihr Gegner keinen Durchhaltewillen hat.“ In solcher Formulierung gleicht er sich dann wirklich vollends der Ideologie der Brutalität und Härte an, der Skrupel als Schwäche erscheint.

In dem jargonhaften Texttypus, in dem der Autor von polit-ökonomischen Interessen, die einen wirklichen Friedensprozess behindern, gar nichts wissen will, sondern lieber devot irgendwelche Militärs zitiert, um ihren realpolitischen Gestus der Härte zu imitieren und in der islamistischen Ideologie Nationalsozialismus zu erkennen meint, erscheint dem Autor alles verweichlicht, was nicht unerbittliche Kriegsführung fordert. Eine solche Verstrickung in realpolitische Konstellationen, die nicht mehr zu einem negatorischen „Weder-Noch“ fähig ist, findet sich auch beim Erzfeind der Bahamas. In einer ähnlich dümmlichen Parteinahme für irgendwelche Akteure auf dem Interessensparkett internationaler Staatenkonkurrenz sprachen Redner auf einer Palästina-Solidaritätsveranstaltung in Berlin im Januar dieses Jahres, die von der Jungen Welt wohlwollend zitiert wurden. Eine linke Bewegung solle etwa laut Domenico Losurdo (angeblich Philosoph) „auch Ländern wie China und Rußland“ internationale Solidarität zollen, weil diese „dem ‚wahnwitzigen Plan Washingtons‘ Widerstand leisten, die US-Herrschaft weltweit durchzusetzen“ (Losurdo). Weiterhin hieße „Antiimperialismus und Gegenwehr“ heute, „alles zu unterstützen, was die USA und die NATO schwächt“ (Sara Flounders vom International Action Center in New York).
Das ist das gleiche reaktionäre Politikgeschwafel, zu dem auch Bahamas Autoren fähig sind, nur dass sich die beiden Antagonisten – Bahamas und Junge Welt –für je ein anderes Souverän entschieden haben. Sowas kommt wohl dabei heraus, wenn sich ein linkes und kritisches Verständnis von der eigenen Ohnmacht und der Macht der anderen dumm machen lässt.

Einen völlig unkritischen Bericht über die Palästina-Solidaritätsveranstaltung findet sich hier: „Recht auf Widerstand“. Dort lassen sich auch die antisemitischen Ausfälle der zitierten Rednerin nachlesen, die von dem Publikum beklatscht wurden.

Der Text von Thomas Becker über „Die Koalition der Unwilligen“ findet sich in der Bahamas Nr. 57.

]]>
http://schorsch.blogsport.de/2009/09/14/militarismus-von-links/feed/
In eigener Sache http://schorsch.blogsport.de/2009/09/12/in-eigener-sache-2/ http://schorsch.blogsport.de/2009/09/12/in-eigener-sache-2/#comments Sat, 12 Sep 2009 22:13:10 +0000 schorsch Kurznotizen http://schorsch.blogsport.de/2009/09/12/in-eigener-sache-2/ In eigener Sache: Ich suche eine Quelle. Irgendwo schreibt Adorno ungefähr, die Marxsche Wertformanalyse sei das Wichtigste oder Wertvollste, was kritische Gesellschaftstheorie habe. Meiner Erinnerung zufolge, findet sich das Zitat in Helmut Reichelt: „Neue Marx-Lektüre. Zur Kritik sozialwissenschaftlicher Logik.“ Dort finde ich es allerdings nicht mehr. Wer kann mir weiterhelfen und mir das genaue Zitat und die Quelle verraten?

]]>
http://schorsch.blogsport.de/2009/09/12/in-eigener-sache-2/feed/
Fürs Poesiealbum der Revolutionärin und des Revolutionärs http://schorsch.blogsport.de/2009/09/11/fuers-poesiealbum-der-revolutionaerin-und-des-revolutionaers/ http://schorsch.blogsport.de/2009/09/11/fuers-poesiealbum-der-revolutionaerin-und-des-revolutionaers/#comments Fri, 11 Sep 2009 13:04:23 +0000 schorsch Kurznotizen http://schorsch.blogsport.de/2009/09/11/fuers-poesiealbum-der-revolutionaerin-und-des-revolutionaers/ „Nur wer das Neueste als Gleiches erkennt, dient dem, was verschieden wäre.“ Theodor W. Adorno

]]>
http://schorsch.blogsport.de/2009/09/11/fuers-poesiealbum-der-revolutionaerin-und-des-revolutionaers/feed/
Ruhm und Ehre http://schorsch.blogsport.de/2009/09/10/ruhm-und-ehre/ http://schorsch.blogsport.de/2009/09/10/ruhm-und-ehre/#comments Thu, 10 Sep 2009 12:46:38 +0000 schorsch Kurznotizen http://schorsch.blogsport.de/2009/09/10/ruhm-und-ehre/ Deutsches Heldentum: letzten Dienstag ist in Berlin das Ehrenmal der Bundeswehr eingeweiht worden.

]]>
http://schorsch.blogsport.de/2009/09/10/ruhm-und-ehre/feed/
Bullshit http://schorsch.blogsport.de/2009/09/01/bullshit/ http://schorsch.blogsport.de/2009/09/01/bullshit/#comments Tue, 01 Sep 2009 21:13:49 +0000 schorsch Allgemein http://schorsch.blogsport.de/2009/09/01/bullshit/ Für die ideologiekritische Konferenz grenzte sich die Bahamas mit ihrem ideologiekritischen Geltungsanspruch von ihrer antideutschen Genesis ab. An bestimmen Formen des antideutschen Proamerikanismus kritisiert sie daher, dass er „zwischen dem, was die amerikanische Gesellschaft in Rudimenten noch verspricht und jenen durchaus orientalischen Zügen (sic!), die auch dort um sich greifen, nicht mehr unterscheiden (willl)“ (Justus Wertmüller: Ideologiekritisch und sonst nichts.
Drei notwendige Vorankündigungen zur Konferenz.)

]]>
http://schorsch.blogsport.de/2009/09/01/bullshit/feed/