Archiv für April 2013

„My name’s Alien.“

Eine Filmempfehlung: Harmony Korines’ „Spring Breakers“! Der Film zeigt Solidarität mit einem Freiheitsverlangen, auch da noch, wo es unter den gegebenen Bedingungen, konsequent zu Ende gedacht, als nihilistischer Hedonismus zu roher Herrschaft über Menschen führt. Laut, überbunt, repetetiv, voll empathischer Verkünstlichung, feiert er die orgiastischen Explosionen in der Blase popkultureller Plastikbilderwelten als das überschäumende Leben des Glücks und nimmt gleichzeitig dessen Abgrund wahr, der ebenso dunkel ist, wie der ständige Tod im alltäglichen Grau. Das graue und das bunte Leben sind identisch und zugleich doch verschieden. Dieses Paradox liefert der Film weder an eine pseudokritische und niederträchtige Denunziation solcher Glücksversuche aus, noch an ihr naives Fürwahrhalten. Er wirft einen Blick auf die Dinge, der jenseits von Negation und Affirmation liegt. Er unternimmt das Wagnis, die Dinge ernst zu nehmen, indem er ihnen ihren von Widersprüchen gesättigten und daher gefahrvollen Lauf lässt, der so permanent changiert und pendelt und damit alle Zugänge irritiert und abstraft, die sich ihm billig abgesichert jenseits des Widerspruchs annähern wollen. Ohne jedes Bedürfnis, Widersprüche aufzulösen, schwebt er, durch sie angetrieben und sie ständig fortschreibend, luftig und dröhnend zugleich über die Leinwand, frei von einem Tieferen, das ihm Halt geben soll. In seiner Schwebe entzieht sich der Film dem konventionellen Verständnis von Inhalt und Verstehen. Der Film umspielt sich selbst mit einer Peripherie, die nicht verstanden werden kann und die keinen Inhalt hat. Nur Filme, denen dieses Kunststück gelingt, verdienen es, Filme genannt zu werden.