Der ideelle Gesamtburschenschafter nimmt Stellung

Nach dem Video soll hier noch ein fiktiver Teilnehmer des Balls zu Wort kommen, der die Äußerungen im Video zu einem Gesamtstatement kompiliert (und leicht ergänzt):

Wir nennen uns zwar freiheitliche Akademiker aber mit unserer Halbverblödung und unserem Zwangscharakter können die meisten hier leider nur technische Chemie studieren, weil bei der Chore…Choreo…ähm… Uraufführung! Weltaufführung! Weltherrschaft! Blitzkrieg! Tradition! Aufrecht! Stolz! Ja, ich bin seit 1933 regelmäßiger Besucher dieses Balls auf der Hofburg und bin jedes Mal nach 20 Minuten sternhagelvoll. Umso schader (sic!) ist es, dass ich den Mob draußen nicht wie damals niederschießen lassen darf. Das Gesindel hat die Demokratie ja seit 1945 mit Füßen getreten und jetzt darf ich nicht mehr ran ans Gewehr. Das richtet sich aber bald von selbst (grins). Wenn Sie verstehen was ich meine. Warten Sie nur ab. Die Eröffnung war nur der Anfang.

Eine Stimme ertönt: „Dame einhängen beim Herrn und vor und zurück.“

Da sehen’s doch! Sehen Sie die Welt mit der Bierflasche in der Hand da draußen und sehen Sie die Herrenmenschen hier drinnen, da haben Sie den Kontrast! Draußen würden uns die Frauen einfach sitzen lassen. Hier hängen sie sich bei den Leistungsträgern ein. Sie tragen uns den Arsch nach, den sie sehenswert und nett finden, obwohl er hässlich und fett ist, sie halten unsere dümmlich-frühverfetteten und durch Bier aufgedunsenen Milchgesichter für stilvoll und die Hand, die uns gerne einmal ausrutscht, für gut erzogen. Ich bin schon sehr zufrieden, das muss ich echt sagen. Dieser Ball ist auch ein Zeichen dafür, dass wir uns von der modernen Welt draußen vor der Tür nicht abschrecken lassen. Wir bleiben im Vorgestern und wir werden weiter dafür kämpfen, dass die Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Bildung hier in Österreich für uns unteilbar sind: Die gehören uns und nicht den unanständigen Leuten auf der Straße, die eigentlich nichts zur Weiterentwicklung unseres Reichtums beitragen! Immerhin reicht es noch für diesen schönen Ball. Ich war mit Freude schon als junger Student ein brutales und selbstgerechtes Arschloch – genauso wie Opa, der hatte ja noch ganz andere Organisationskomitees als wir. Die Leute hier im Saal fühlen eine große Verbundenheit zu seiner Tradition: Sie haben es ja schon gesehen, eben wurde Wiener Blut gesungen und nun werden zwei alte Kameraden von mir den Abend weiterhin mit ihren Liedern begleiten.

Gesang setzt ein: „Tausend kleine Engel singen, man muss den Pöbel ins Lager bringen.“ Applaus ertönt.


1 Antwort auf “Der ideelle Gesamtburschenschafter nimmt Stellung”


  1. Gravatar Icon 1 Falco oder Andre Rieu 08. Februar 2013 um 23:37 Uhr

    Wiener Blut, /Wiener Blut! /Eig’ner Saft, /Voller Kraft, /Voller Glut. /Wiener Blut, /selt‘nes Gut, /Du erhebst, /Du belebst /Unser‘n Mut!

    Wiener Blut, /Wiener Blut! /Was die Stadt /Schönes hat, /In dir ruht! /Wiener Blut, /Heiße Flut! /Allerort /Gilt das Wort: /Wiener Blut!

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