Krisenrhetorik

Ein Essay analysiert die Rolle Deutschlands in der Finanzkrise. Daraus einige Zitate: Mit der Bewältigung der Krise gebe es in Deutschland „immer größere Schwierigkeiten“, die bisherigen Ergebnisse seien „ernüchternd“, „frustrierend“, ja „schlicht niederschmetternd“. Dies hat den „realistischen Blick auf das große Ganze vernebelt“. „Die Probleme sind vielschichtig und in einer ersten Analyse in der Tiefe nicht aufzulösen.“ „Es hilft nur schonungslose Ehrlichkeit im Umgang mit unbestreitbaren Fakten.“ „Weiter machen wie bisher, soviel steht fest, ist ganz sicher die schlechteste aller Lösungen.“ Es sind „schleunigst einschneidende Veränderungen nötig“, „Realisten haben nichts anderes erwartet.“

Allerdings wurde „wenigstens gekämpft“ und es gab „bewegende Emotionen“. Trotzdem kämpfen die Deutschen zu wenig: „Es ist unbestreitbar, das im Ausland härter, mehr und ausdauernder trainiert wird als in Deutschland.“ Es gibt zu „wenig Bereitschaft bei Eltern, Kindern und Jugendlichen, schon sehr früh viel zu trainieren.“ Was? Ist etwa gar nicht von der Finanzkrise die Rede? Keineswegs, der Notfalljargon meine eine viel gewichtigere Krise: Obwohl die „Faszination des Schwimmsports weltweit ungebrochen“ ist, lautet die furchtbare Wahrheit: “Deutschland ist schon lange keine grosse Schwimmnation mehr.“ „Deutschland hat keine Ausnahmeschwimmer mehr“. Trotzdem: „Erfolg ist sicher aber auch möglich, wenn in Deutschland trainiert wird.“ „Und darum lautet von jetzt ab die Parole: Nun, Volk, steh auf, und Sturm, brich los!“

Außer dem letzten Zitat stammen alle Zitate aus diesem Kommentar.


2 Antworten auf “Krisenrhetorik”


  1. Gravatar Icon 1 ceilidh 11. August 2012 um 19:06 Uhr

    ^^
    hier in Österreich gehts ja ähnlich zu, nachdem man als einziger europäischer Nicht-Zwergstaat wohl ohne Medaille bleiben wird; sinngemäß: „Wir Österreicher sind zu selbstgefällig, haben uns auf alten Erfolgen ausgeruht, zu wenig in die Zukunft investiert, verkrustete Strukturen…“ lol

  2. Gravatar Icon 2 schorsch 11. August 2012 um 22:33 Uhr

    Ja, sehr eigenartig; ich kann den immanent rationalen Kern dieser Aufregungen auch noch nicht so richtig greifen; das ist alles so offensiv absurd…

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