Archiv für August 2012

Vor ein paar Tagen ist Kurt Maetzig, der Regisseur u.a. von „Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse“ und „Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse“, gestorben. Beide Filme sind ein interessantes Zeitdokument und der erste stellenweise sogar gut, der zweite größtenteils grauenvoll. Kurt Maetzig selbst hat beide Filme recht treffend beschrieben: Der „erste Teil ist meiner Meinung nach in Grenzen ansehbar und hat auch künstlerische Qualitäten, während der zweite Teil mehr und mehr abfällt […]. In vielen Punkten ist er mir einfach peinlich.“ Sein erster Spielfilm ”Ehe im Schatten” von 1947 bewertet das „Lexikon des Internationalen Films“ als ein „erschütterndes, zeitgeschichtlich bedeutsames und formal anspruchsvolles Filmdrama, das auch international Anerkennung fand“: Es war der erste deutsche Spielfilm, der sich mit dem deutschen Antisemitismus auseinandersetzte und den Holocaust thematisierte.

Krisenrhetorik

Ein Essay analysiert die Rolle Deutschlands in der Finanzkrise. Daraus einige Zitate: Mit der Bewältigung der Krise gebe es in Deutschland „immer größere Schwierigkeiten“, die bisherigen Ergebnisse seien „ernüchternd“, „frustrierend“, ja „schlicht niederschmetternd“. Dies hat den „realistischen Blick auf das große Ganze vernebelt“. „Die Probleme sind vielschichtig und in einer ersten Analyse in der Tiefe nicht aufzulösen.“ „Es hilft nur schonungslose Ehrlichkeit im Umgang mit unbestreitbaren Fakten.“ „Weiter machen wie bisher, soviel steht fest, ist ganz sicher die schlechteste aller Lösungen.“ Es sind „schleunigst einschneidende Veränderungen nötig“, „Realisten haben nichts anderes erwartet.“

Allerdings wurde „wenigstens gekämpft“ und es gab „bewegende Emotionen“. Trotzdem kämpfen die Deutschen zu wenig: „Es ist unbestreitbar, das im Ausland härter, mehr und ausdauernder trainiert wird als in Deutschland.“ Es gibt zu „wenig Bereitschaft bei Eltern, Kindern und Jugendlichen, schon sehr früh viel zu trainieren.“ Was? Ist etwa gar nicht von der Finanzkrise die Rede? Keineswegs, der Notfalljargon meine eine viel gewichtigere Krise: Obwohl die „Faszination des Schwimmsports weltweit ungebrochen“ ist, lautet die furchtbare Wahrheit: “Deutschland ist schon lange keine grosse Schwimmnation mehr.“ „Deutschland hat keine Ausnahmeschwimmer mehr“. Trotzdem: „Erfolg ist sicher aber auch möglich, wenn in Deutschland trainiert wird.“ „Und darum lautet von jetzt ab die Parole: Nun, Volk, steh auf, und Sturm, brich los!“

Außer dem letzten Zitat stammen alle Zitate aus diesem Kommentar.