Archiv für Dezember 2011

Weihnachtsszenen des bundesdeutschen Rassismus: „Neger-Nikoläuse, die sich ins deutsche Herz einschleichen, indem sie so wunderbar mit dem Rot ihrer Umhänge kontrastieren.

Die Philosophie verrät…

Wie lässt sich einer Selbstverneinung und Todessehnsucht entgegentreten, wenn nicht durch einen lustvollen Zuspruch zum guten Leben? Da es zwischen Leben und Tod kein Drittes gibt, ist das Leben offenbar die beste Antwort auf den Tod. Diese Antwort ist aber gegenwärtig in einen verstellten Schein seiner selbst verkehrt, der die Selbstverneinung vitalistisch wiederholt. Das Leben steht als Antwort auf den Tod also nicht frei.

Wenn also nicht nur der Tod, sondern auch das Leben den Tod meint, scheint die einzige Lösung darin zu bestehen, dass das Leben zum Grenzbegriff wird. Indem man über das Leben gar nicht spricht, verrät man es nicht an seine gegenwärtige Bedeutung, den Tod. Das „bunte Leben“ (ebd.) wird zur negativen Utopie.

Reine Verzweiflung könnte sich aber nicht durch diese Figur einer Stellvertretung des guten Lebens durch eine leere Utopie retten. Daher muss es im Negativen, im umfassenden Tod, der auch das Leben besetzt, das Positive, einen Rest an lebendigem Leben geben: Also den berühmten „Begriff von einer verschiedenen Farbe, deren versprengte Spur im negativen Ganzen nicht fehlt.“ (Adorno)

Bei Adorno gibt es nun die Tendenz diese Spur der anderen Farbe in der farblosen Grenzfigur einer insgeheim theologischen Utopie der Erlösung zu absorbieren. Diese Utopie ist zur Leiche erstarrt, weil der Mensch nicht zu dem Gott werden kann, der diese Erlösung bringen könnte. Der Begriff der Nichtidentität ist in dieser Tendenz insgeheim mit Gott identifiziert. In dieser Tendenz verliert sich das Residuum des Lebens in einer pervertierten Transzendenz, die über Gebühr säkularisiert wurde und sich so einer naiven Jenseitigkeit annähert, die Affinitäten zur Todessehnsucht hat: Das Leben wird dem Versprechen auf Erlösung geopfert. Diese Jenseitigkeit bietet daher ebensowenig einen Ausweg, wie eine naive Diesseitigkeit, die den Tod zum Leben umlügt und darüber die Spuren des lebendigen Lebens verdrängt.

Vielleicht besteht eine Lösung darin, dass Jenseitigkeit und Diesseitigkeit durcheinander gebrochen werden. Diese Möglichkeit löst gegen die theologische Tendenz die hermeneutisch-philosophische Tendenz in Adornos Philosophie ein, in der das Nichtidentische nicht mehr Gott sondern eher das Ding an sich meint. Sie versucht die Spuren des lebendigen Lebens als Transzendenz in der Immanenz, als Jenseitigkeit in der Diesseitigkeit zu entfalten und dadurch der Diesseitigkeit neue Spuren der Jenseitigkeit zu entlocken. Diese philosophische Tendenz verweigert sich der letzten Konsequenz des Materialismus. Sie gibt die radikale Reduktion von Jenseitigkeit auf Diesseitigkeit auf.

Indem eine Jenseitigkeit in Diesseitigkeit gebrochen wird, verändert sich nicht nur die Diesseitigkeit, sondern auch die Jenseitigkeit. Die Jenseitigkeit verliert sich an Diesseitigkeit, weil aber ihre konstitutive Grenze bestehen bleibt, bleibt auch jenseits von dieser Grenze eine Jenseitigkeit, die sich durch ihre Brechung im Diesseitigen verändert hat. Indem das zur Bestimmung gebrachte Bekannte mit der Alterität der Jenseitigkeit konfrontiert wird, erscheint es durch deren Zauber in einem Licht, dass neue Perspektiven eröffnet. Auch diese Perspektiven erstarren bald und erfordern daher eine neue Belebung durch die Transzendenz, die durch ihren Lichtwurf in Immanenz auch verändert ist. In dieser fortwährenden Belebungspraxis wird weder das noch ungelebte Leben an den Tod verraten, noch wird das lebendige Leben dem ungelebten Leben versprochen. Die Immanenz wird nicht von Transzendenz isoliert, aber die Transzendenz behält sich gegenüber der Immanenz Irreduzibilität.

Ich kenne keine bessere Gestalt einer produktiven Verkreuzung von Jenseitigkeit und Diesseitigkeit als die Philosophie.