Theorie und Praxis

Praxis ist virtuell immer schon Mord und Totschlag, Theorie je Propaganda und Schreibischtäterei. Die Frage nach ihrer Vermittlung fragt dementsprechend immer danach, wie Praxis und Theorie ohne Bruch zueinander finden. Es soll kein Bewusstsein über Disharmonien, Lücken und Brüche mehr sein, das diese kritischem Denken als Male des Einsetzens darbietet. Theorie und Praxis sollen also zu einem glatten System werden, an dem jedes Denken abrutscht – das soll den Schein bestätigen, fundiert zu sein. Dieses System ist eine spontane Maschine, die den Mord tut, weil er legitimiert ist und ihn legitimiert, weil er getan wird und in ihrem Lauf alle Hindernisse ihn sich hineinfressen kann, um sich an ihnen zu stärken.
Theorie und Praxis sind Wunden, die dem kritischen Denken angetan werden. Sie sollten verheilen und nicht so weit aufgerissen werden, dass der Körper zu einer einzigen klaffenden Wunde wird. In dem Bild von diesem Ziel kommt dem Denken die Aufgabe zu, den Körper in ein Licht zu setzen, das diese Wunden erst als Wunden erkennen lässt. Es ist dies die Bedingung für die Genese des Körpers, für die erlöste Schmerzlosigkeit des leiblich Verschiedenen.


10 Antworten auf “Theorie und Praxis”


  1. Gravatar Icon 1 Stanislaw Hirschfeld 02. November 2010 um 19:18 Uhr

    Keine Neuigkeit, aber doch schön, das man so kompakt und offenherzig vorgesetzt zu bekommen: Kritiker sind unfähig und unwillig, Theorie und Praxis zu betreiben. Hätten sie sich den Irrsinn nicht selbst angetan, ihr Bewußtsein so brutal und vollständig wie möglich zu verstümmeln, sie könnten einem glatt leid tun. Aber wer unbedingt „zu einer einzigen klaffenden Wunde“ werden will, der soll das tun. Das Gejammere über Mord und Totschlag könnten sie aber folgerichtig an sich selbst senden.

  2. Gravatar Icon 2 schorsch 02. November 2010 um 20:35 Uhr

    „Kritiker sind unfähig und unwillig, Theorie und Praxis zu betreiben.“

    Ja, hoffenlich, richtig erkannt – auch wenn das „unfähig“ völlig an der Sache vorbeigeht, fähig sind sie meißtens wahrscheinlich schon. Du mogelst diese Dimension herein, wohl der Polemik willen, die dadurch aber total danebenschießt.

    „Aber wer unbedingt „zu einer einzigen klaffenden Wunde“ werden will, der soll das tun.“

    Ich glaube hier hast du etwas missverstanden, woran vielleicht auch der eilig verfasste Text schuld war. Ein paar Änderungen tun wohl.

  3. Gravatar Icon 3 LW 02. November 2010 um 22:09 Uhr

    „…fähig sind sie meißtens wahrscheinlich schon.“

    Nope. Das mag für Praxis gelten (aber auch nur die falsche: grüne Politik, okay, die kann wirklich jeder, selbst der Kritiker), aber zur Theorie ist der Kritiker ja schon qua Selbstverständnis unfähig: wer Kritik will, will eben rein negativ sein; Theorie, die man als solche noch ernst nehmen könnte, hieße aber, dialektisch vorzugehen.

    Da hätte ich einfach mal gerne BELEGE, wo jemals irgendeiner der Adorniten, deren Zombie-Geraune du hier mal wieder völlig bewusstlos seine Reverenz erweist, eine der Realität angemessene objektive Theorie hatte (und nicht bloß als solche verkleidetes undialektisch-negativistisches Studentengejammer).

    Noch grundsätzlicher lässt sich vielmehr Hirschfelds Satz formulieren:
    Kritiker sind unfähig und unwillig. Punkt.

  4. Gravatar Icon 4 schorsch 04. November 2010 um 23:25 Uhr

    Füll mal die Worthülle: „Theorie, die man als solche noch ernst nehmen könnte, hieße aber, dialektisch vorzugehen.“ Dialektisch im Bezug auf was, Positives und Negatives?

    „Kritiker sind unfähig und unwillig.“ Auch damit habe ich erstmal kein Problem. Die Kritik wird also aus der Darstellung nicht schon selbst evident.

  5. Gravatar Icon 5 LW 05. November 2010 um 1:17 Uhr

    „Dialektisch im Bezug auf was, Positives und Negatives?“

    Natürlich, was denn sonst. Nichts anderes heisst ja Dialektik.
    Aber ok, is halt Kindergarten hier.

    „Die Kritik wird also aus der Darstellung nicht schon selbst evident.“

    Doch. (Ausserdem kommt hier mal wieder dein idealistischer Begriff von Kritik zum Vorschein, der natürlich jede sachliche Auseinandersetzung zum Scheitern verurteilt. Wer Kritik schon von vorne herein der Darstellung bevorzugt, was soll man dem noch sagen?)

    Und wo bleiben die Belege (wenigstens EINER!) für die Theoriebildungs- (und nicht bloß: „Kritik“-)fähigkeit von Adorniten und sonstigen Idealisten wie dir? Wahrscheinlich siehst Du das fehlen solcher belege sogar noch als positiv an, weil man sich damit so schön gegen die böse Empirie, den Positivismus usw. stellen kann.

  6. Gravatar Icon 6 schorsch 06. November 2010 um 18:58 Uhr

    „Nichts anderes heisst ja Dialektik.“ Man hätte auch etwa die Dialektik von Theorie und Praxis meinen können.

    Dein zweiter Einwand ist mal wieder (fast) für die Katz: dass ich Kritik der Darstellung bevorzuge ist wieder deine Dichterei. Natürlich ist die Darstellung wichtig, aber die habe ich ja schon geleistet und du hast einfach nur wiederholt, was ich ohnehin schon gesagt hatte. Das war völlig redundant, wir hatten keinen Dissens. Relevant wäre Kritik an dieser Darstellung gewesen, die den Widerspruch angezeigt hätte, die aber ja grade nicht gekommen ist. Sie mag für dich (und deine Gemeinde) evident gewesen sein, aber es ist Esoterik, ohne diese Kritik zu explizieren, zu wiederholen, was ohnehin bereits dargestellt wurde und wäre eines Kommentares nicht würdig gewesen. Was soll das also?

    Der Belegekram ist ganz überflüssig, ein Stellvertreterkrieg, der entscheiden soll, was hier zur Debatte steht und mir irgendeinen Nachweiszwang aufdrängen soll – darauf lasse ich mich selbstverständlich nicht ein.

  7. Gravatar Icon 7 LW 07. November 2010 um 17:50 Uhr

    „Der Belegekram ist ganz überflüssig, ein Stellvertreterkrieg, der entscheiden soll, was hier zur Debatte steht und mir irgendeinen Nachweiszwang aufdrängen soll – darauf lasse ich mich selbstverständlich nicht ein.“

    Erbärmlicher kann man ja kaum einknicken.

  8. Gravatar Icon 8 schorsch 07. November 2010 um 22:43 Uhr

    „Erbärmlicher kann man ja kaum einknicken.“

    Dito – an deine adresse.

    Du verkennst offenbar ganz den Grund dafür, dass ich dein seltsames Belegspiel nicht mitspiele. Und zu der Sache kommt von dir gar nichts mehr.
    alles weitere, was hier zu sagen wäre, kann daher anscheinend nur noch über dich bzw. deine Diskursstrategie diskutiert werden, nicht mehr mit dir. Jedes weitere Kommentar ist an dieser Stelle daher überflüssig.

  9. Gravatar Icon 9 Stanislaw Hirschfeld 22. November 2010 um 15:43 Uhr

    Raus mit der Sprache! Ich möchte alles über LW und seine Diskursstrategie wissen.

  1. 1 #3 « Generelle Pingback am 02. November 2010 um 19:19 Uhr
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