Archiv für November 2010

Theorie und Praxis

Praxis ist virtuell immer schon Mord und Totschlag, Theorie je Propaganda und Schreibischtäterei. Die Frage nach ihrer Vermittlung fragt dementsprechend immer danach, wie Praxis und Theorie ohne Bruch zueinander finden. Es soll kein Bewusstsein über Disharmonien, Lücken und Brüche mehr sein, das diese kritischem Denken als Male des Einsetzens darbietet. Theorie und Praxis sollen also zu einem glatten System werden, an dem jedes Denken abrutscht – das soll den Schein bestätigen, fundiert zu sein. Dieses System ist eine spontane Maschine, die den Mord tut, weil er legitimiert ist und ihn legitimiert, weil er getan wird und in ihrem Lauf alle Hindernisse ihn sich hineinfressen kann, um sich an ihnen zu stärken.
Theorie und Praxis sind Wunden, die dem kritischen Denken angetan werden. Sie sollten verheilen und nicht so weit aufgerissen werden, dass der Körper zu einer einzigen klaffenden Wunde wird. In dem Bild von diesem Ziel kommt dem Denken die Aufgabe zu, den Körper in ein Licht zu setzen, das diese Wunden erst als Wunden erkennen lässt. Es ist dies die Bedingung für die Genese des Körpers, für die erlöste Schmerzlosigkeit des leiblich Verschiedenen.