Ihr wollt ja lieber dichten!

Die Gültigkeit der treffenden Kritik von Marx Freund am Konformismus der Arbeitertümelei, des Arbeitsfetischismus und seinen ideologischen Implikationen (Religion, Ehe, Privatheit, Fortschritt usw.) macht den rasenden Stillstand der bürgerlichen Gesellschaft evident:

Georg Weerth

Arbeite

Du Mann im schlechten blauen Kittel,
Arbeite! Schaffe Salz und Brot!
Arbeite! Arbeit ist ein Mittel,
Probat für Pestilenz und Not.

Arbeite! Rühre deine Arme!
Arbeite sechzehn Stunden so!
Arbeite! Nachts ja lacht das warme,
Das Lager dir von faulem Stroh.

Arbeite! Hast ja straffe Sehnen.
Arbeite! Denk, mit schwangerem Leib
Harrt in der Hütte dein mit Tränen
Ein schönes leichenbleiches Weib.

Arbeite! Gleich der Stirn der Rinder
Ist ja die deine breit und dick.
Arbeite! Deine nackten Kinder,
Die küssen dich, kehrst du zurück.

Arbeite bis die Adern klopfen!
Arbeite bis die Rippe kracht!
Arbeite bis die Schläfen tropfen -
Du bist zur Arbeit ja gemacht!

Arbeite bis die Sinne schwinden!
Arbeite bis die Kraft versiegt!
Arbeite! – Wirst ja Ruhe finden,
Wenn dein Gebein im Grabe liegt.


6 Antworten auf “Ihr wollt ja lieber dichten!”


  1. Gravatar Icon 1 blöder arbeiter 04. April 2011 um 19:00 Uhr

    hallo schorch,

    ich lese mich gerade durch deinen bloc. bei diesem beitrag würde ich dir gerne ein paar fragen stellen.

    was bedeuten in diesem text „arbeitertümelei“ und „arbeitsfetischismus“?

    willst du damit zum ausdruck bringen, dass georg weerths gedicht sich gegen die organisierung der arbeiter richtet?

    interpretierst du sein gedicht als aufruf die lohnarbeit einzustellen, oder kannst du dir vorstellen, dass weerth weniger den „arbeitsfetischismus“ kritisiert, sondern vielmehr die lebensbedingungen des doppelt freien lohnarbeiters, mitte des neunzehnten jahrhunderts?

    mit solidarischen grüßen

  2. Gravatar Icon 2 schorsch 04. April 2011 um 19:39 Uhr

    Kurz zu den Begriffen, die der Sache gemäß eng zusammenhängen:
    Arbeitsfetischismus: Arbeit per se toll finden, verherrlichen, als eminentes Lebensmoment verklären usw.

    Arbeitertümelei mach(t)en sich vor allem linke Gruppen schuldig, die in Arbeitern und Arbeiterinnen per se das revolutionäre Subjekt sehen, völlig distanz- und kritiklos alle Werktätigen gleichsam für bessere Menschen halten.

    Ich schreibe ja von dem Konformismus der Arbeitertümelei und des Arbeitsfetischismus. Ich denke, dass beide ideologische Formen – entgegen dem Selbstverständnis derer, die diese gedanklich Formen produzieren – überhaupt nicht im Widerspruch zur bürgerlichen Gesellschaft und zum Kapitalismus stehen. Hier führe ich das am Beispiel von Arbeiterliedern aus: http://schorsch.blogsport.de/2009/05/03/1-mai-tag-des-konformismus-und-der-reaktion/

    Natürlich habe ich das Gedicht nicht historisch-kritisch verortet und etwas gewaltvoll auf heutige Debatten bezogen. Wie du auch schreibst, wird der Schwerpunkt von Weerth wohl darin gelegen haben, die Lebensumstände von Arbeitern zu kritisieren. Ich finde jedoch auch, dass durch seine Zeilen eine Skepsis gegenüber der Arbeit überhaupt spricht, eine Abscheu gegen das sich kraftvoll, potent und energiegeladene Kitschbild der „Schaffenskraft“ von Arbeit überhaupt richtet.
    Deutlich wird das vor allem in diesem Absatz:

    „Arbeite bis die Adern klopfen!
    Arbeite bis die Rippe kracht!
    Arbeite bis die Schläfen tropfen -
    Du bist zur Arbeit ja gemacht!“

    Hier wird ja – bis auf die krachende Rippe – nicht nur eine Extremform von Arbeitsbelastung kritisiert, sondern klopfende Adern und (schweiß)tropfende Schläfen hat man bei körperlicher Anstrengung ja recht schnell. Auch das „Du bist zur Arbeit ja gemacht“ scheint eine Utopie eher in einer vom Arbeitszwang befreiten Gesellschaft auszumachen – im Gegensatz zu der historischen Arbeitsverherrlichung seitens der Sozialdemokraten beispielsweise.
    Diesen Umschlag der Kritik von Ausbeutungsbedingungen im neunzehnten Jahrhundert in eine weitsichtige (und damals sehr seltene) Skepsis gegenüber Arbeitslöblichkeiten und körperliche Anstrengung finde ich sehr überraschend, weil sie erkennt, dass eben ein Abfeiern von Arbeit, dem „Produktiv-sein“ usw. in Komplizenschaft mit gesellschaftlicher Herrschaft des Kapitalismus steht und eben keine vorsoziale Konstante ist – was ja selbst heute von vielen Linken nicht gesehen wird. Sie erlaubt zudem auch einzusehen, dass Arbeitsfetischismus kein historisches Schicksal war – Weerth wusste es besser als viele seiner ZeitgenossInnen.

    Viele Grüße,

    Schorsch

  3. Gravatar Icon 3 blöder arbeiter 04. April 2011 um 20:45 Uhr

    „Natürlich habe ich das Gedicht nicht historisch-kritisch verortet und etwas gewaltvoll auf heutige Debatten bezogen. Wie du auch schreibst, wird der Schwerpunkt von Weerth wohl darin gelegen haben, die Lebensumstände von Arbeitern zu kritisieren.“

    das ist schade und sollte dir selbst zu denken geben. ähnlich wie bei vielen „linken“ nimmst du jedes beliebige zitat, um deine position in einem innerlinken diskurs zu untermauern.

    dabei erwähnst du am rande, dass du das gedicht nicht hiostorisch eingeordnet hast. gerade das aber ist entscheidend. du kannst doch nicht einen prosaischen text, der zu einem bestimmten zeitpunkt, an einem bestimmten ort, unter konkreten bedingungen verfasst wurde, als beleg für etwas nehmen, dass dem autor nicht einmal in den sinn gekommen ist.

    weerth war darum bemüht die arbeiterklasse zu organisieren. seine publizistische arbeit bei der neuen rheinischen zeitung und seine gedichte und anderen texte geben dir darüber aufschluss. du kannst sie im internet lesen oder käuflich erwerben. du wirst erstaunt feststellen, dass weerth mit vergnügen gedichte und lieder auf die größe des proletariats verfasste.

    1845-1850 war der arbeiter natürlich das revolutionäre subjekt für marx, engels und auch weerth. die organisation der arbeiter war in deutschland noch am anfang, es gab noch nicht einmal die spd. alle politische arbeit der genannten, war komplett darauf gerichtet eine kommunistische partei in deutschland zu gründen. kannst du auch überall nachlesen.

    eins verstehst du übrigens falsch. niemand sagt, dass die arbeiterinnen schlechte, gute, dumme, schöne oder sonst wie geartete menschen sind.

    vielleicht sind wir uns einig das der widerspruch zwischen kapital und arbeit ein antagonistischer ist in kapitalistischen systemen.
    wenn das so ist, wovon ich ausgehe, sind diejenigen das revolutionäre subjekt, die in diesen verhältnissen ausgebeutet werden. das ist alles.

    allerdings muss dieses bewußtsein auf irgend eine weise auch bei den betroffenen ankommen. deshalb ist es nicht verwerflich sich eine eigene kultur schaffen zu wollen. mit eigenen liedern, texten und treffpunkten. das zu kritisieren halte ich für verschwendete zeit.

  4. Gravatar Icon 4 schorsch 04. April 2011 um 21:47 Uhr

    Man kann mit einem Gedicht historisch-kritisch verfahren – was bei diesem Gedicht rauskommen würde ist ja ziemlich offensichtlich. Mir ging es – wie ich ja offen schreibe – bei dem Zitieren von diesem Gedicht darum auch überhaupt nicht und zwar aus guten Gründen. Zu meinen, wie du es glaube ich tust, durch eine fehlende historische Einordnung wäre sogleich eine inadäquate Rezeption von diesem Gedicht angeschlagen, halte ich für falsch. Ich schreibe ja ausdrücklich, dass Weerth in dem Gedicht etwas erkannt hat, das es erlaubt, dieses Gedicht auf heutige Debatten zu beziehen, weil es in ihnen prinzipiell um das gleiche geht, was auch Weerth behandelt. Wenn dem so ist, also der Text von Weerth auch heute einen Wahrheitsgehalt hat und er nicht gänzlich in historisierenden Relativierungen verloren gegangen ist, dann ist für diesen Gehalt eine historisch-kritische Einordnung schlicht überflüssig. Das belege ich auch am Text. Darauf gehst du leider nicht ein und schreibst:

    „du kannst doch nicht einen prosaischen text, der zu einem bestimmten zeitpunkt, an einem bestimmten ort, unter konkreten bedingungen verfasst wurde, als beleg für etwas nehmen, dass dem autor nicht einmal in den sinn gekommen ist.“

    Doch, ich zeige ja nach, das dem Autor wohl sicherlich eben dies in den Sinn gekommen ist, worauf mein Zitat von dem Gedicht abzweckt:

    „Deutlich wird das vor allem in diesem Absatz:

    „Arbeite bis die Adern klopfen!
    Arbeite bis die Rippe kracht!
    Arbeite bis die Schläfen tropfen -
    Du bist zur Arbeit ja gemacht!“

    Hier wird ja – bis auf die krachende Rippe – nicht nur eine Extremform von Arbeitsbelastung kritisiert, sondern klopfende Adern und (schweiß)tropfende Schläfen hat man bei körperlicher Anstrengung ja recht schnell. [Die Kritik ist also durchaus radikaler.] Auch das „Du bist zur Arbeit ja gemacht“ scheint eine Utopie eher in einer vom Arbeitszwang befreiten Gesellschaft auszumachen – im Gegensatz zu der historischen Arbeitsverherrlichung seitens der Sozialdemokraten beispielsweise.
    Diesen Umschlag der Kritik von Ausbeutungsbedingungen im neunzehnten Jahrhundert in eine weitsichtige (und damals sehr seltene) Skepsis gegenüber Arbeitslöblichkeiten und körperliche Anstrengung finde ich sehr überraschend, weil sie erkennt, dass eben ein Abfeiern von Arbeit, dem „Produktiv-sein“ usw. in Komplizenschaft mit gesellschaftlicher Herrschaft des Kapitalismus steht und eben keine vorsoziale Konstante ist – was ja selbst heute von vielen Linken nicht gesehen wird. Sie erlaubt zudem auch einzusehen, dass Arbeitsfetischismus kein historisches Schicksal war – Weerth wusste es besser als viele seiner ZeitgenossInnen.“

    „niemand sagt, dass die arbeiterinnen schlechte, gute, dumme, schöne oder sonst wie geartete menschen sind.“

    Doch, genau diese Latenz liegt in vielen Argumentationen unter einigen Schichten verborgen – zumal Arbeitertümelei auch mehr bedeuten kann. Ich finde es z.B. durchaus strittig, ob „das Proletariat“ wirklich dieses einheitliche revolutionäre Subjekt ist, das es gemäß bestimmter Marx-Lesarten sein soll – aber das ist ein weites theoretisches Feld.

    „vielleicht sind wir uns einig das der widerspruch zwischen kapital und arbeit ein antagonistischer ist in kapitalistischen systemen.
    wenn das so ist, wovon ich ausgehe, sind diejenigen das revolutionäre subjekt, die in diesen verhältnissen ausgebeutet werden. das ist alles.“

    Prinzipiell sind wir uns einig, aber ich denke die Sachlage wird schnell komplizierter. Hier ist glaube ich nicht der richtige Ort, um sie eingehender zu diskutieren. Nur zwei Stichwörter: Ich finde das sich darin ankündigende Paradigma von Neben- und Hauptwiderspruch problematisch, es gibt eine Ambivalenz der Klasse (Integration von Menschen in der Funktion „ArbeiterInnen“ zu sein und ihren womöglich revolutionärem Potential) und ich finde es sehr fragwürdig, diese Ambivalenz einfach mit „Klasse an sich“ und „Klasse für sich“ zu übersetzen.

    „allerdings muss dieses bewußtsein auf irgend eine weise auch bei den betroffenen ankommen. deshalb ist es nicht verwerflich sich eine eigene kultur schaffen zu wollen. mit eigenen liedern, texten und treffpunkten. das zu kritisieren halte ich für verschwendete zeit.“

    So eine Eigenkultur hypostasiert doch nur, was die Ausgebeuteten als Ausgebeutete sind. Alles revolutionäre Potential wird integriert und kampfunfähig gemacht. So eine Kultur ist m.E. eminenter Bestandteil der notwendigen Reproduktion von Arbeitskraft, sie kann nicht einfach mit „Kampfform“ übersetzt werden. Ich halte es für eine Verewigung der Unterdrückung und Entmündigung der Beherrschten, wenn ihr Bewusstsein erst noch durch eine „Kultur“ abgesichert werden muss. Sie führt eher dazu, dass die Menschen abhängig bleiben.

  5. Gravatar Icon 5 blöder arbeiter 05. April 2011 um 16:17 Uhr

    „Doch, genau diese Latenz liegt in vielen Argumentationen unter einigen Schichten verborgen – zumal Arbeitertümelei auch mehr bedeuten kann. Ich finde es z.B. durchaus strittig, ob „das Proletariat“ wirklich dieses einheitliche revolutionäre Subjekt ist, das es gemäß bestimmter Marx-
    nun es ist absolut in ordnung wenn du einen teil des wissenschaftlichen sozialismus ablehnst.

    das proletariat ist sowohl in den schriften von marx als auch in seinem politischen handeln revolutionäres subjekt. das ist beim besten willen keine, „bestimmte marx-leseart“.

    dazu einige belege:

    1847 im elend der philosopie kannst du im letzten absatz genau nachlesen wer für marx das revolutionäre subjekt ist;

    1848 das großartige kommunistische manifest in dem auch du erkennen kannst wer für marx das revolutionäre subjekt ist; forderungen der kommunistischen partei widerum so deutlich das es nicht auf zwei arten zu interpretieren ist

    1864 provisorische statuten der internationalen arbeiter-assoziation, diese statuten verfasste marx selbst.

    du solltest marx dafür kritisieren, wenn du nicht seine auffassung vertrittst, aber nicht so tun als seie es eine interpretationsfrage in seinen texten. dafür benennt er in seinem gesamten werk das revolutionäre subjekt zu präziese.

    „Deutlich wird das vor allem in diesem Absatz:
    „Arbeite bis die Adern klopfen!
    Arbeite bis die Rippe kracht!
    Arbeite bis die Schläfen tropfen -
    Du bist zur Arbeit ja gemacht!“
    Hier wird ja – bis auf die krachende Rippe..“

    ich gehe natürlich auf deine argumentation ein. ich bin nur nicht deiner meinung. bezeichnender weise sparst du die gebrochene rippe aus und deutest die passagen mit adern klopfen und schläfen tropfen als prinzipielle kritik an körperlicher arbeit oder wie du es bezeichnest am arbeitsfetischismus.

    neben dem genannten kontext in dem sich der autor befand, zeigt auch gerade die gebrochene rippe, dass es um konkrete arbeitsbedingungen der arbeiter mitte des 19 jahrhunderts ging.
    niemand redete zu dieser zeit vom arbeitsfetisch.

    haupt- und nebenwidersprüche sind ein wirklich schwieriges thema.

    wenn ich einen marxistischen standpunkt einnehmen will, muss ich feststellen, solange der widerspruch zwischen kapital und arbeit nicht aufgehoben ist, solange wird es keine „freien menschen“ geben. es kann also auch keine „freie“ frau geben.

    trotzdem lohnt es sich auf allen feldern auch in der bürgerlichen gesellschaft für die volle gleichheit der frau zu kämpfen. allerdings wird die frau auch bei voller gleichheit genauso wie der mann ein geknechtetes usw. wesen bleiben, solange die welt unter kapitalistischen produktionsverhältnissen und einem kapitalistischen überbau existiert.

    nun zu deinem letzten absatz. jede menschliche gesellschaft braucht eine eigene kultur. tatsächlich muss sie auch abgesichert werden.

    selbst in einer assoziation freier menschen (was bereits einige stufen voraus gedacht ist), muss es eine organisationsform geben, die jedem ermöglicht frei zu leben.
    es muss ausgehandelte abläufe, normen usw. geben. das bewußtsein muss hoch entwickelt sein, wissen muss reproduziert werden und auch die freie gesellschaft muss reproduziert werden.

    der mensch ist ein soziales, lernendes wesen. in einer epoche
    in der das kapital alle lebensverhältnisse bestimmt, in der annähernd zweihundert jahre entfremdung und kapitalistischer überbau in jedem lebensbereich vorherrschend sind, macht es natürlich sinn sich gegen diesen wahnsinn zu organisieren.

    wo ich dir uneingeschränkt recht gebe, ist das beispielsweise die organisation in der linkspartei oder der gewerkschaft viel revolutionäres potential bindet, da beides sozialdemokratische machtapparate sind, und damit ausschließlich den zweck erfüllen die verhältnisse zu reproduzieren.

  6. Gravatar Icon 6 schorsch 13. April 2011 um 18:51 Uhr

    „du solltest marx dafür kritisieren, wenn du nicht seine auffassung vertrittst, aber nicht so tun als seie es eine interpretationsfrage in seinen texten. dafür benennt er in seinem gesamten werk das revolutionäre subjekt zu präziese.“

    Okay, das sei zugegeben. Es stellt sich aber die Frage, ob darin eine innere Notwendigkeit der Marxschen Theorie liegt, oder ob die Marxsche Konzeption im Kapital – weitergedacht – nicht vielmehr auf eine andere Klassentheorie hinausläuft.

    Ich glaube bzgl. der Gedichtauslegung kommen wir auf keinen gemeinsamen grünen Zweig.

    „wenn ich einen marxistischen standpunkt einnehmen will, muss ich feststellen, solange der widerspruch zwischen kapital und arbeit nicht aufgehoben ist, solange wird es keine „freien menschen“ geben. es kann also auch keine „freie“ frau geben.“

    und damit ist halt wieder ein haupt- und nebenwiderspruch gesetzt. er lässt sich nur auflösen, wenn gesagt wird: die befreiung vom kapital ist zwar die notwendige bedingung der möglichkeit der befreiung der frau bzw. der befreiung der menschen vom geschlecht. umgekehrt müsste dann aber auch gesagt werden – um das haupt- u. nebenwiderspruchsparadigma zu verlassen: die befreiung der frau/vom geschlecht ist die bedingung der möglichkeit der befreiung vom kapital.

    zum kulturpunkt: da würde ich glaube ich stärker zwischen organisation und kultur differenzieren. und zu organisation, die dann sozusagen als notwendigkeit auch der befreiten gesellschaft übig bleibt: da habe ich stark den eindruck, dass organisation per se revolutionäres potential bindet bzw. die menschen in repressiven verhältnissen einbindet. eine befreite gesellschaft wäre damit per se organisationsfrei. die abstimmungsmechanismen, die es auch in ihr gibt, wären ganz anders zu bestimmen als organisation, die ja immer ein gegensatz von individuum und organisation konstituiert – also das unheil einer sich selbst nicht mächtigen gesellschaft die über ihre individuen herrscht.

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