Archiv für März 2008

Deutscher Wochen-Dschungel?

Der Text in der Jungle World über die dritte Islamkonferenz ist vor allem eine journalistische Nachricht, die mit dem medialen Echo und sicherlich auch mit dessen nationalistischen „Wir“-Jargon und Implikationen zusammenfällt, aber eben keine theoretische Abhandlung, als welche sie die Kritik fälschlicherweise kategorisiert.
Leider geht in der wortreichen Anklage der nationalistischen Umtriebe einzelner Texte der Jungle World ein interessanter Konfliktgegenstand linker Theorie verloren.
Die praktisch-realpolitische und moralische Basis des Textes ist ziemlich deutlich. Einwände gesellschaftskritischer Theorie sind deshalb zwar nicht falsch. Sie bleiben in ihrer selbstbezogenen Insistenz allerdings deutlich hinter einem Denken zurück, welches sich nicht mit Isolierung begnügt, sondern empirische Prozesse einschließt. Damit laufen sie aber ebenso Gefahr begriffslos zu werden wie der Jungle-World Text.
Dessen Begriffslosigkeit wird offensichtlich, wenn etwas hilflos-idealistisch „die zivilisatorische Errungenschaft der Trennung von Kirche und Staat“ gegen aktuelle Geschehnisse im politischen Alltag der Demokratie hochgehalten wird. Diese Begriffslosigkeit tritt auch in der elitären Ablehnung des fruchtlosen Ringens um selbstverständliche Binsenweisheiten hervor. Anscheinend werden die defizitären Resultate der Islamkonferenz angeprangert. Der Text tendiert damit allerdings in eine Richtung, welche Kritik einschlägt, wenn sie nichts mehr zu sagen weiß: „Bringt ja sowieso nichts, ist alles Palaver“. Man fühlt sich hier an ziemlich verkürzte Bezichtigungen Marx’ erinnert; der Reichtstag sei in erster Linie eine (unproduktive) „Quasselbude“. Spätestens an solcher Stelle schlägt Kritik fast immer in Affirmation um oder wird reaktionär.
Es wäre falsch linke Kritik auf die unaufhörliche Repetition prinzipieller Theorieeinwände zu reduzieren. Zwar ist theoretische Beharrlichkeit notwendig, vermittelnde Reflexion deshalb aber nicht schlechter. Mir scheint es, als bedürfe das Spannungsfeld negatorischer Kritik und realpolitischer Perspektive eine inhaltliche Reflexion und theoretisch-dialektische Fassung, auch damit sich linke Gesellschaftskritik nicht in der Polarisierung orthodoxer Theorieeigentlichkeit und aktualitätsbezogenem Empiriepositivismus entschärft.
Ob die Jungle World in ihrem realpolitischen Gespür für das Praktische den Konnex zur kritischen Theorie der Gesellschaft verloren hat wird sich zeigen, scheint mir aber eher unwahrscheinlich.

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