Idiom Mutterschaft

Wie in der Kulturindustrie das Idiom den durchwalteten Bereich des Erlaubten darstellt, gilt auch für geschlechtsspezifisch-identitäre Zuweisungen und Mutterschaft ein Idiom. Das Ideal der Natürlichkeit, eine „gute Mutter“ zu sein, bestätigt sich in der Koinzidenz individuellen Handelns mit dem idiomatischen Regelnetzwerk.
Die Nachahmung des Idioms ist aber keine Mimesis. Das Idiom ist gesellschaftlich erzeugte Gewalt, dessen Nachahmung bloß die Macht des Faktischen und die aktuelle Minderwertigkeit des Individuellen bestätigt, nicht aber eine Imitation natürlicher Konstanten im Menschengeschlecht.
Die Gewalt, welche über die Akteure hereinbricht die sich nicht dem Idiom gemäß modellieren ist pluralistisch. Sie tritt beispielsweise in Form staatlicher Reglementierung, häuslicher Gewalttätigkeiten oder medialer Inszenierung auf. Letztere bündelt häufig verschiedene Diskurse und verquickt dadurch idiomatische Bestimmungen, die ver- oder entschärft oder neu definiert werden können. Dies verweist allerdings immer auf gesellschaftliche Konstellationen und ist nie Werk des Medialen selbst.
Wenn eine Frau ihre Triebregungen nicht gemäß gesellschaftlichen Zuschreibungen formiert und nicht instinktive Zärtlichkeit und Zuneigung gegenüber ihren Kindern ausdrückt und daran alles weitere relativiert, bemängelt die Presse die Inkongruenz zwischen dem Idiom und dem Individuellen, zwischen Besonderen und Allgemeinen.
So bemerkt Web.de:

Britney Spears hat erneut für Zweifel an ihren mütterlichen Fähigkeiten gesorgt – sie hat ihre zwei kleinen Söhne im Auto gelassen, um sich nach neuen Kronleuchtern umzusehen.
Die 25-jährige Popsängerin durfte am Sonntag ihre Söhne Sean Preston und Jayden James sehen, doch anstatt sich ein paar schöne Stunden mit den Kleinen zu machen, beschloss sie, dass sie neue Leuchter braucht, und legte einen Zwischenstopp beim Crystal Palace-Geschäft in Los Angeles ein. Ihre Kinder ließ sie bei der vom Gericht bestellten Aufsicht.


4 Antworten auf “Idiom Mutterschaft”


  1. Gravatar Icon 1 Moneymaker 15. Dezember 2007 um 12:04 Uhr

    Nachahmung des Isioms und Mimesis stellt bei dir ein gegensatzpaar. Kannst du evtl. was knackiges zum Begriff der Mimese sagen, und in wie weit der sich vom nachahmen des gesellschaftlichen Idioms unterscheidet?

    ansonsten nett. bei Männern dürfte so ein anzweifeln der „väterlichen Fähigkeiten“ tatsächlich eher selten auftauchen.

  2. Gravatar Icon 2 schorsch 15. Dezember 2007 um 21:27 Uhr

    Ich verwende Mimesis hier als eine Imitation „wirklicher“ Natur. Wenn die Nachahmung des Idioms Mimesis wäre, würde das ja implizieren, dass Mutterschaft reale Natürlichkeit ist und nicht gesellschaftlich generierte Gewalt. Aber weil diese Gewalt ja wie eine „zweite Natur“ auftritt, könnte man Mimesis in Bezug zu dieser als kritischen Begriff verwenden, wenngleich das Missverständnise hervorrufen würde.
    Also der Gegensatz beruht auf dieser Trennung von „erster“ und „weiter“ Natur, ist aber m.E. auch etwas diffus.

  1. 1 Anthropologische Argumente gegen die Utopie II - ein Ausflug in die Untiefen des Labors // Antifa Horgau Pingback am 17. Dezember 2007 um 0:25 Uhr
  2. 2 Muttertag « Schorsch’s online Journal Pingback am 10. Mai 2009 um 15:22 Uhr
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