Archiv für November 2007

Zeit für einen schlechten Witz:

Koksen, Kotzen, Kommunismus? Nein, das ist nicht der Kommunismus!
Hmm…ist das jetzt nur ein schlechter Witz oder Hedonismuskritik in a nutshell?

Bürgerliche Rebellion: Konsumkritik

Elser reflektiert über die Methodologie der Kritik der Konsumkritik und Juli von EmanzipationoderBarbarei überdenkt die Parole „Luxus für alle!“.
Das soll Anlass genug sein, ein paar Gedankenfetzen zur Konsumkritik bzw. zum „bewußten Konsumieren“ loszuwerden.

Wenn man von den beschränkten Wirkungen eines fairen oder nachhaltigen Konsumverhaltens absieht, ist der implizite Hinweis auf die angebliche Gestaltungsmacht des Einzelnen bedeutend, der in der Betonung einer „Macht des Konsumenten“ immer mitschwingt.
Kritisches Nachdenken des Einzelnen wird durch sie nämlich in den marktkonformen Habitus des Verbrauchers übersetzt. Kritische Reflexion wird in dieser zur Frage der individuellen Ausrichtung privater Angelegenheiten. Damit geht dann jeder Überlegung der politische Anspruch auf gesellschaftliche Transformation verloren, da politische Intervention sich zur Form privaten Lifestyles verengt. Die warenproduzierende Gesellschaft steht in diesem Konzept oft nicht mehr im Bezug zu Ausbeutungsverhältnissen, sondern diese scheinen erst durch fehlende Moralität und disziplinlose Konsumfreudigkeit des Einzelnen verursacht.
Damit bleibt Konsumkritik eng mit dem bürgerlichen Gerede von „Partizipation“ und „Empowerment“ des Konsumenten verbunden. Auch sonst bleibt Konsumkritik auf dem Boden einer staatsbürgerlichen Vorstellungswelt stehen.

Die gesellschaftliche Dimension mischt sich einem solchen Verständnis nämlich häufig in Form eines elitären Kulturkonservativismus bei. Dieser behauptet einen Widerspruch zwischen Kultur und Markt und denunziert elitär die moderne Kultur als Massenkultur. Echte Kultur und Kunst scheint dann von billigen Produkten oder proletarischen Massen beschmutzt. „Die Reinheit der bürgerlichen Kunst, die sich als Reich der Freiheit im Gegensatz zur materiellen Praxis hypostasierte, war (aber) von Anbeginn mit dem Ausschluss der Unterklasse erkauft“ (Adorno/Horkheimer) und ist damit nicht Gegenpol, sondern Teil des falschen Ganzen.
Adorno schreibt von der Kulturindustrie, sie hebe die Spaltung der Kunst in ernste und leichte in einer ästhetischen Synthetisierung oder einem ästhetischen Eklektizismus auf, anstatt über gesellschaftliche Revolutionierung die Vorraussetzungen der Spaltung anzugreifen. Konsumkritik hingegen geht ideell über die Addierung der Kunsttypen im ästhetischen und daher begrenzten Raum hinaus, indem letzterer praktisch entgrenzt wird und sich damit totaler entfaltet: dem konsumistisch und dekadent empfundenem Lebensstil, wird Verzichtslogik, Askese oder „bewußtes Einkaufen“ gegenübergestellt, um so – auf das „Eigentliche“ konzentriert – authentisch Leben zu können. So wird eine Ästhetisierung des Privaten vollzogen.

Dieser Schritt wird meist auch als selbsttherapeutische Individualbefreiung vollzogen. Die Ware wird nicht als Produkt der Einheit von Produktion und Konsumtion verstanden, sondern geht als begriffliche Differenzierung selber verloren. Dies geschieht, indem auf phänomenologischer Ebene der Warenfetisch als individuelle Markenfixierung und Überhöhung von Konsumgütern verstanden wird und verschiedene Produkte als Ausdruck konsumistischer Kaufsucht erscheinen. Ein bestimmtes Konsumverhalten wird gedanklich von konstituierenden Faktoren abgekoppelt und als „Konsum-Ideologie“ idealistisch als Krankheitsbild oder Wahnvorstellung des Einzelnen gebrandmarkt.
Diese Abspaltung und Dekontextualisierung sozialer Phänomen verbindet Konsumkritik strukturell mit verschiedenen Spielarten verkürzter Kapitalismuskritik und bildet ein vielseitiges Feld ideologischer Beliebigkeit.
Konsumkritik bildet daher die Grundlage einer breite Palette unvermittelt-vermittelt politisch-ideologischer Überzeugungen.
Neben kulturalistischen Relativisten, spießbürgerlichen Genussfeinden, Attac-Linken und Ökologiebewegten verstehen sich ebenso anti-amerikanische Ideologen und Anhänger des nationalen Sozialismus als Wächter der reinen Gemeinschaft.
Während es den einen um den Schutz kultureller Hoheit oder volkskörperlicher Gesundheit geht, wollen die anderen in der Beschränkung auf das Individuelle die letzte Artikulationsmöglichkeit politischer Ideen entdeckt haben. Meistens sind diese beiden Stränge aber miteinander ergänzt und in verschiedener Weise ausformuliert.

Die Auflösung gesellschaftlich erzeugter Problemlagen soll im besten Fall also individuell gebündelt werden. Der Kauf von Fair-Trade Produkten und Bio-Waren ist aber bloß eine nachholende und partikulare Verbesserung. In einem solchen immerwiederkehrenden Prozess kann individuelle Emanzipation aber kaum erfolgen. Auswirkungen der Kapitalakkumulation können – wenn überhaupt – nur beschränkt gemildert werden. Diese Milderung vollzieht sich aber immer nur als spiegelbildliche Korrektur kapitalistischer Produktion immanenter, sich ständig wiederholender Prozesse. Bedürfnisorientierung ist unter solchen Umständen also im besten Fall die auf die zermürbende Permanenz von Gegengewalt fixiert.

Idiom Mutterschaft

Wie in der Kulturindustrie das Idiom den durchwalteten Bereich des Erlaubten darstellt, gilt auch für geschlechtsspezifisch-identitäre Zuweisungen und Mutterschaft ein Idiom. Das Ideal der Natürlichkeit, eine „gute Mutter“ zu sein, bestätigt sich in der Koinzidenz individuellen Handelns mit dem idiomatischen Regelnetzwerk.
Die Nachahmung des Idioms ist aber keine Mimesis. Das Idiom ist gesellschaftlich erzeugte Gewalt, dessen Nachahmung bloß die Macht des Faktischen und die aktuelle Minderwertigkeit des Individuellen bestätigt, nicht aber eine Imitation natürlicher Konstanten im Menschengeschlecht.
Die Gewalt, welche über die Akteure hereinbricht die sich nicht dem Idiom gemäß modellieren ist pluralistisch. Sie tritt beispielsweise in Form staatlicher Reglementierung, häuslicher Gewalttätigkeiten oder medialer Inszenierung auf. Letztere bündelt häufig verschiedene Diskurse und verquickt dadurch idiomatische Bestimmungen, die ver- oder entschärft oder neu definiert werden können. Dies verweist allerdings immer auf gesellschaftliche Konstellationen und ist nie Werk des Medialen selbst.
Wenn eine Frau ihre Triebregungen nicht gemäß gesellschaftlichen Zuschreibungen formiert und nicht instinktive Zärtlichkeit und Zuneigung gegenüber ihren Kindern ausdrückt und daran alles weitere relativiert, bemängelt die Presse die Inkongruenz zwischen dem Idiom und dem Individuellen, zwischen Besonderen und Allgemeinen.
So bemerkt Web.de:

Britney Spears hat erneut für Zweifel an ihren mütterlichen Fähigkeiten gesorgt – sie hat ihre zwei kleinen Söhne im Auto gelassen, um sich nach neuen Kronleuchtern umzusehen.
Die 25-jährige Popsängerin durfte am Sonntag ihre Söhne Sean Preston und Jayden James sehen, doch anstatt sich ein paar schöne Stunden mit den Kleinen zu machen, beschloss sie, dass sie neue Leuchter braucht, und legte einen Zwischenstopp beim Crystal Palace-Geschäft in Los Angeles ein. Ihre Kinder ließ sie bei der vom Gericht bestellten Aufsicht.