Kritische Notizen zum Freihandel und zur „Theorie komparativer Kostenvorteile“ (Zweiter Teil)

Fortsetzung des ersten Teils.

Die Wertschöpfungsketten1 und damit auch die diversen Produktionsschritte für die meisten Produkte sind global differenziert und relativ weiträumig verteilt. In den Hochlohnländern konzentrieren sich wirtschaftliche Aktivitäten, die hochqualifizierte (im marxschen Terminus „komplizierte“) Arbeitskraft erheischen. Vor allem diese Aktivitäten (z.B. Forschung, Design, Werbung) bleiben aus Gründen, die Marx „Ökonomie in der Anwendung der Produktionsmittel“ nannte, räumlich agglomeriert. Ihre Zerstreuung hätte, im Gegenteil zu anderen Momenten der Produktion, keine Kostenminimierung zur Folge. Die Löhne der Beschäftigten in diesen kapitalintensiven Aktivitäten befinden sich meist auf einem hohen Niveau, da ihre Arbeitskraft nicht sonderlich fungibel ist. Im Gegenteil dazu ist der Lohn der Beschäftigten in den häufig ausgelagerten Produktionsbereichen, die einfache Durchschnittsarbeit benötigen, äußerst gering.
Diese globale Aufteilung von Kapitalintensiven und Arbeitsintensiven Produktionsmethoden und der anschließende Austausch ihres Produkts wird von der Theorie der komparativen Kostenvorteile ausdrücklich empfohlen.
Unter Bedingungen kapitalistischer Warenproduktion bedeutet diese Aufteilung jedoch ungleichen Tausch.
Im Folgenden muss zwischen den Produktionsabläufen der Wertschöpfungskette einer Ware und zwischen voneinander völlig getrennten Produktionsprozessen unterschieden werden. Zunächst geht es um diese getrennten Produktionsprozesse verschiedener Waren, die sich aber auch durch die globale Aufteilung von arbeits- und kapitalintensiver Produktion auszeichnen.
Globalisierung
In der kapitalintensiveren Produktion nimmt Arbeitsproduktivität gegenüber der arbeitsintensivern Produktion viel bedeutender zu, da hoher Technisierungsgrad eine große Vielfalt der Produktivitäts- und Rationalisierungsmöglichkeiten zulässt.
Ein Beispiel kann die Folgen verdeutlichen: während in der kapitalintensiven Produktion im Norden Agrarmaschinerie produziert wird, stellt ihr Pendant im Süden Genussmittel, etwa Kaffee, her.
Eine Verdoppelung der Produktivität im ersten Bereich bedeutet also, dass Menschen in der Genussmittelproduktion für das gleiche Produkt doppelt solange arbeiten müssten, um die Tauschrelationen aufrechtzuerhalten.
Häufig wird argumentiert, dass der Produktivitätssteigerung meist ein Preisverfall folge und die Produkte billiger werden. Das stimmt zwar, allerdings (und das ist überhaupt der Grund für kapitalistische Unternehmen eine Produktivitätssteigerung durchzusetzen2) werden die erzeugten Güter nicht im Umfang der Reduktion der Arbeitszeit verbilligt. Dies läuft effektiv auf eine Verarmung der Produktionsbereiche im Süden hinaus.
Nun gilt es, die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Ebenen einer Wertschöpfungskette zu betrachten, die meist auch zwischen Norden und Süden differenziert ist. Die ausgelagerten Produktionsmomente mit niedriger Entlohnung bedeuten eine Spezialisierung wesentlicher Teile des formellen Sektors einer Volkswirtschaft auf ebendieses Produktionsmoment. Hier kann die Herstellung von Halbfertigwaren als Beispiel dienen. Diese Spezialisierung kann, dies bleibt in der Theorie der komparativen Kostenvorteile unterbelichtet, von einem anderen Betrieb oder einer produktiveren Nationalökonomie mit jedoch ähnlich niedrigen Löhnen, übernommen werden. Solche Prozesse marktvermittelter Konkurrenzentfaltung haben nicht selten die Abkopplung ganzer Landesteile vom Weltmarkt zur Folge.
Die geringere Produktivität arbeitsintensiver Produktion muss in der globalen Konkurrenzsituation also immer mit einem scharfen Intensivierungsgrad und möglichst großer Verbilligung der Arbeitskräfte kompensiert werden, um sich im Wettbewerb behaupten zu können.
Es gibt also eine Konkurrenzspirale armer Länder, die für ihren Produktionsstandort häufig mit Gewerkschaftsverboten oder paramilitärischen Verbänden werben.
Die Orientierung auf unverarbeitete Agrarprodukte führt zudem noch schnell zu einem enormen Überangebot und zu darauffolgenden Preissenkungen und damit zu einem fehlenden oder mangelhaften Auskommen für die in der Agrarproduktion beschäftigten Arbeiter.
Globalisierung
Die Spezialisierung auf bestimmte Exportgüter, eben das Ideal der komparativen Kostenvorteile führt somit eben nicht hin zu einem steigenden Reichtum, sondern vielmehr setzt es die Konkurrenzmechanismen in Gang, welche den Lebensstandart breiter Bevölkerungsschichten auf niedrigem Niveau stagnieren lassen oder sogar zusätzlich herabsenken.3
Im vergleichsweise besten Fall folgt einer konkurrenzbegleiteten Konzentration auf ein Produkt, mit anschließender Abkopplung oder extremem Pauperisierung ein erneuter Spezialisierungsversuch. Letztere sind also nie bzw. kaum an natürliche Produktionsstandorte gebunden oder Resultate komplexer Kosten-Nutzen-Abwägungen, wie sie von der Theorie der komparativen Kostenvorteile unterstellt werden, sondern immer zwanghafte Anpassungen an konkurrenzvermittelte Marktgeschehnisse.
Dies zeigt also, dass die Theorie der komparativen Vorteile praktisch nichts als den Imperativ der erfolgsadäquaten Strukturierung und Anpassung eines Landes an den Sachzwang Weltmarkt bedeutet.
Die Theorie der komparativen Vorteile kann hieran anschließend analytisch-logisch problematisiert und Gründe für ihre Problemblindheit benannt werden. Ihr liegt ein sehr vereinfachendes Modell zweier Länder und zweier Güter, die nach den genannten Prinzipien des Modells produziert und ausgetauscht werden sollen zu Grunde. Es abstrahiert von Kategorien, die konstitutiv für die kapitalistische Produktionsweise stehen, da ihre Anschauungen der Sphäre der einfachen Zirkulation entlehnt sind, in welcher die Formen der kapitalistischen Produktion noch gänzlich unentwickelt existieren. Daher ist das Modell für Erörterungen einer kapitalistischen Warenproduktion, die sich aus verschieden miteinander verflochtenen Ebenen der Zirkulation und Produktion zusammensetzt ungeeignet, da die Dimension des Produktionsprozesses ausgespart bleibt und sich auf der Ebene einfacher Gleichgewichtsvorstellungen bewegt, die schon von Marx heftigst kritisiert wurden. Das Modell geht also von falschen kategorialen Vorraussetzungen aus. Der realen Verfasstheit der kapitalistischen Ökonomie wird ein simples Muster modellhafter Betrachtungen übergestülpt. Damit gehen aber alle Spezifika der zu erklärenden Produktionsweise theoretisch abhanden. Die Produktion wird aus dieser Perspektive lediglich als technische Notwendigkeit angesehen und an-sich betrachtet ohne den Konnex zur kapitalistischen Verfasstheit derselben zu analysieren.
Das „Ansichbetrachten (…) beweise haarscharf, daß alle jene handgreiflichen Widersprüche bloßer Schein der gemeinen Wirklichkeit, aber an sich, also auch in der Theorie gar nicht vorhanden sind.“ (Marx, Das Kapital)

  1. Die Abfolge der Tätigkeiten die zur Produktion eines fertigen Produkts nötig sind [zurück]
  2. Nach der Produktivitätssteigerung verteilt sich gleicher Wert über mehr Produkte. Der Wert der Ware ist jedoch nicht ihr individueller, sondern immer ihr gesellschaftlicher. Hat sich die neue Produktivität noch nicht verallgemeinert, kann der Kapitalist die Ware über ihrem individuellen Wert, aber unter ihrem gesellschaftlichen Wert verkaufen und dadurch einen Extramehrwert realisieren. [zurück]
  3. China, oft Musterbeispiel für die angeblich segensreichen Wirkungen liberalisierter Handelssituationen, setzte eben nicht auf die empfohlenen Mittel. Vielmehr wurde die Binnenwirtschaft von der Exportwirtschaft abgegrenzt und durch ein eigensinniges und protektionistisches Entwicklungskonzept der chinesischen Regierung eine Absage an die üblichen Liberalisierungsparadigmen erteilt [zurück]

8 Antworten auf “Kritische Notizen zum Freihandel und zur „Theorie komparativer Kostenvorteile“ (Zweiter Teil)”


  1. Gravatar Icon 1 Dieter 18. Oktober 2007 um 23:41 Uhr

    Was für ein Quark! Den hauptsächlichen Nonsens lasse ich mal unberücksichtigt und greife nur einen Bruchteil der eindeutig falschen Behauptungen heraus.

    „Ihre Zerstreuung (z.B. Forschung, Design, Werbung) hätte, im Gegenteil zu anderen Momenten der Produktion, keine Kostenminimierung zur Folge.“ – Und weshalb verlagern dann Konzerne ihre Softwareforschung z.B. nach Indien? Forschung, Design, Werbung sind nicht weniger profitabel auszulagern wie jeder andere Industriezweig auch.

    „Die Löhne der Beschäftigten in diesen kapitalintensiven Aktivitäten befinden sich meist auf einem hohen Niveau, da ihre Arbeitskraft nicht sonderlich fungibel (ähh?? Sprich doch endlich mal vernünftiges Deutsch!!! Oder bist du wirklich so aufgeblasen wie deine Sprache?)“ – Völliger Blödsinn! Kapitalintensiv sind z.B. automatische Produktionsstraßen in der Automobilindustrie, während ein Designerbüro kaum Kosten verursacht – außer den Lohn. Es ist also genau umgedreht: die kapitalintensiven Arbeitsplätze verursachen geringe Lohnkosten und umgedreht.

    „Unter Bedingungen kapitalistischer Warenproduktion bedeutet diese Aufteilung (in kapitalintensive und arbeitsintensive Produktionsmethoden und deren Austausch) jedoch ungleichen Tausch.“ – Absoluter Unsinn! Auf dem kapitalistischen Warenmarkt werden prinzipiell Waren gleicher Wertmengen getauscht, egal ob sie „kapitalintensiv und arbeitsintensiv“ entstanden sind. Denn das Kapital von heute ist die Arbeit von gestern, so daß sich letztlich immer Arbeit austauscht. Aber wer sich nicht im Geringsten um das Wesen und die Definition des Wertes schert, muß aus jedem gleichen Austausch eben einen „ungleichen Tausch“ machen, damit er sich hier ausschweifig produzieren kann.

    „In der kapitalintensiveren Produktion nimmt Arbeitsproduktivität gegenüber der arbeitsintensivern Produktion viel bedeutender zu, da hoher Technisierungsgrad eine große Vielfalt der Produktivitäts- und Rationalisierungsmöglichkeiten zulässt.“ – Nur leeres Geschwätz. Wenn ich 50 Arbeiter an einer neuen Maschine arbeiten lasse wo zuvor 100 gearbeitet haben, steigt die Produktivität genauso, als wenn ich einen neuen Automaten kaufe, der einen Arbeiter von den beiden freisetzt, die den alten Automaten bedienten. Die Produktivitätssteigerung am Technisierungsgrad messen zu wollen, heißt eine Längenmessung mit der Uhr vorzunehmen. – Schorschi, du spinnst dir hier vielleicht etwas zusammen. Hättest du für deine famosen Erkenntnisse vielleicht auch noch ein Beispiel?

    „Ein Beispiel kann die Folgen verdeutlichen: während in der kapitalintensiven Produktion im Norden Agrarmaschinerie produziert wird, stellt ihr Pendant im Süden Genussmittel, etwa Kaffee, her. Eine Verdoppelung der Produktivität im ersten Bereich bedeutet also, dass Menschen in der Genussmittelproduktion für das gleiche Produkt doppelt solange arbeiten müssten, um die Tauschrelationen aufrechtzuerhalten.“ – Zur Herstellung einer Kaffee-Erntemaschine werden im Norden z.B. 8 Stunden benötigt. Die Kaffebauern im Süden zahlen also den Gegenwert ihrer 8-stündigen Arbeit für eine solche Maschine. Wenn die Maschine jetzt in 4 Stunden produziert wird, zahlen die Kaffeebauern also 16 Stunden Kaffee für diese Maschine? … Schorschi, du verdeutlichst mit diesem Beispiel nur, daß du nicht für eine einzige Kaffeebohne Verstand hast und uns hier nur dummes Zeug auftischst. Deine „Verarmung der Produktionsbereiche im Süden“ kann nun jeder 5-Klässler selber beurteilen.

    … Den restlichen Schwachsinn erspare ich mir. Was für ein unnützes Geschwätz !!!

  2. Gravatar Icon 2 schorsch 19. Oktober 2007 um 17:20 Uhr

    „ Und weshalb verlagern dann Konzerne ihre Softwareforschung z.B. nach Indien?“
    Das ist kein Phänomen, was flächendeckend auftritt. Weiterhin ist Indien z.B. auch einer der wenigen Standorte, die diesbezüglich in Betracht kommen. So frei wie die Produktion kann es nicht ausgelagert werden.

    „Sprich doch endlich mal vernünftiges Deutsch!!!“
    Ja, das Kraut sehnt sich nach urtümlich-deutscher Sprache.
    „ Kapitalintensiv sind z.B. automatische Produktionsstraßen in der Automobilindustrie, während ein Designerbüro kaum Kosten verursacht – außer den Lohn.“
    Eine Differenzierung in dieser Frage wäre sicherlich nicht falsch, letztendlich aber nicht soo relevant gewesen, denn es ging ja um das Verhältnis von Forschung usw. und Produktion. Allerdings fällt mir grade auf, dass ich ein wesentliches Element vergessen habe explizit zu erwähnen, es lässt sich aber schon ablesen. Dabei ist zu bemerken, dass eine automatische Produktionsstraße kapitalintensiv ist und vor allem Lohnkosten minimiert, da hast du recht. Allerdings ist Forschung ja nicht kapitalfrei. Man benötigt eben nicht bloß ein Büro und ein „kreativen Kopf“, sondern vor allem im chemischen Bereich erhebliche Vorschüsse, während das Produkt dann woanders billig produziert werden kann. Es gibt eine Tendenz, das weiß auch Marx, den Produktionsprozess enorm zu maschinisieren und hochqualifizierte Arbeitskräfte zu verwenden, die dann hohe Löhne erhalten. Über das Wort „kapitalintensiv“ in dem Satz („Die Löhne der Beschäftigten in diesen kapitalintensiven Aktivitäten befinden sich meist auf einem hohen Niveau, da ihre Arbeitskraft nicht sonderlich fungibel ist.“) kann man sicherlich streiten, aber ich denke im Grunde wird doch klar, was gemeint ist, auch wenn eine differenzierende Formulierungen sicherlich gelungener gewesen wäre)

    „ Auf dem kapitalistischen Warenmarkt werden prinzipiell Waren gleicher Wertmengen getauscht, egal ob sie „kapitalintensiv und arbeitsintensiv“ entstanden sind.“
    Das stimmt, dazu schreibe ich ja auch zu Beginn des Textes (was du da ja irgendwie als total blöd empfunden hast) aber grade weil das so ist gibt es die Problematiken, die man eben ungleichen Tausch nennen kann. Grade weil es z.b. im Norden billige Produktion vorherrscht, ist, um diese Produkte zu kaufen in den Ländern des Südens enorme (Selbst-)Ausbeutung nötig, um weltmarktvermittelt die Geldmenge zu erarbeiten (es zählt ja eben nicht individueller Arbeitsaufwand, sondern durchschnittlicher).
    „In der kapitalintensiveren Produktion nimmt Arbeitsproduktivität gegenüber der arbeitsintensivern Produktion viel bedeutender zu, da hoher Technisierungsgrad eine große Vielfalt der Produktivitäts- und Rationalisierungsmöglichkeiten zulässt.“ – Nur leeres Geschwätz. Wenn ich 50 Arbeiter an einer neuen Maschine arbeiten lasse wo zuvor 100 gearbeitet haben, steigt die Produktivität genauso, als wenn ich einen neuen Automaten kaufe, der einen Arbeiter von den beiden freisetzt, die den alten Automaten bedienten. Die Produktivitätssteigerung am Technisierungsgrad messen zu wollen, heißt eine Längenmessung mit der Uhr vorzunehmen. – Schorschi, du spinnst dir hier vielleicht etwas zusammen. Hättest du für deine famosen Erkenntnisse vielleicht auch noch ein Beispiel?
    „ Wenn die Maschine jetzt in 4 Stunden produziert wird, zahlen die Kaffeebauern also 16 Stunden Kaffee für diese Maschine? … Schorschi, du verdeutlichst mit diesem Beispiel nur, daß du nicht für eine einzige Kaffeebohne Verstand hast und uns hier nur dummes Zeug auftischst.“
    Weiterlesen hätte nicht geschadet. Dort behandele ich genau deinen Einwand. Ich zitiere mal aus meinem Text:
    „Häufig wird argumentiert, dass der Produktivitätssteigerung meist ein Preisverfall folge und die Produkte billiger werden. Das stimmt zwar, allerdings (und das ist überhaupt der Grund für kapitalistische Unternehmen eine Produktivitätssteigerung durchzusetzen2) werden die erzeugten Güter nicht im Umfang der Reduktion der Arbeitszeit verbilligt. Dies läuft effektiv auf eine Verarmung der Produktionsbereiche im Süden hinaus.“
    Ich freue mich immer über sachliche Diskussionsbeiträge.
    Aber nachdem du (abgesehen von einem Punkt) wieder mal argumentfrei rumgeschimpft hast und zum x-ten mal betont, wie schlecht und infantil meine Gedanken seien (ohne vernünftig zu diskutieren), weise ich dich darauf hin, dass du nicht gezwungen bist, das Geschriebene zu lesen.

  3. Gravatar Icon 3 Dieter 20. Oktober 2007 um 7:48 Uhr

    „Weiterlesen hätte nicht geschadet. Dort behandele ich genau deinen Einwand.“ – Du erzählst uns mit deinen Maschinen- und Kaffeproduzenten also erst den größten Schwachnsinn, um dich dann selber genüßlich zu widerlegen? …

    „Die Theorie der komparativen Vorteile kann hieran anschließend analytisch-logisch problematisiert und Gründe für ihre Problemblindheit benannt werden. …“ – Der einzig wirklich blinde bist du.

    „Ihr liegt ein sehr vereinfachendes Modell zweier Länder und zweier Güter, die … der Sphäre der einfachen Zirkulation entlehnt sind, in welcher die Formen der kapitalistischen Produktion noch gänzlich unentwickelt existieren.“ – Was für eine gottgefällige Weisheit! Da „kritisierst“ du eine Theorie aus den ersten Jahren des 19.Jahrhunderts, und glaubst, ihren Mangel darin erkannt zu haben, daß im Modell (!!!) der Kapitalismus „noch gänzlich unentwickelt existierte“. … Du bist ein echter Witzbold.

    „Daher ist das Modell für Erörterungen einer kapitalistischen Warenproduktion, die sich aus verschieden miteinander verflochtenen Ebenen der Zirkulation und Produktion zusammensetzt ungeeignet, da die Dimension des Produktionsprozesses ausgespart bleibt …“ – Alleine ausgesprart ist hier dein Verstand. Jeder Ökonom, auch Ricardo und Marx, hat sich bei seinen Analysen zunächst auf das Wesentliche der Warenzirkulation konzentriert, so wie ein Häuslebauer zunächst die einfache Statik von Fundament und Mauern untersucht. Du kleiner Schwätzer hast nicht einmal die „Sphäre der einfachen Zirkulation“ auch nur im Ansatz kapiert, unterstellst aber als Gipfel deiner eingebildeten „Kritik“ Ricardo glatt, er hätte die „Dimension des Produktionsprozesses ausgespart“? …

    „… und sich auf der Ebene einfacher Gleichgewichtsvorstellungen bewegt, die schon von Marx heftigst kritisiert wurden.“ – Du Kobold weißt nicht einmal, was eine Kritik ist, geschweige, was „von Marx heftigst kritisiert wurde“. Der Kapitalismus, insbesondere den Warencharakter und den Wert der Arbeitskraft, wurden von Marx nüchtern analysiert. „Kritisiert“ hat er die pseudointellektuellen Schwätzer der selbsternannten Demokraten, die sich heute den Namen „Die LINKE“ zugelegt haben – oder Schorsch heißen.

    „Das Modell (von Ricardo, 1772 – 1823) geht also von falschen kategorialen Vorraussetzungen aus. Der realen Verfasstheit der kapitalistischen Ökonomie wird ein simples Muster modellhafter Betrachtungen übergestülpt.“ – Gottseidank haben wir ja deinen analytischen Verstand, dem wir nun die richtigen „kategorialen Vorraussetzungen“ verdanken, und der uns so vor Ricardos Irrtümern bewahrt, die wirklich schlimme Folgen haben könnten. Vor deinen komplexen, bis ins letzte Detail geschilderten Verwicklungen zwischen der „kapitalintensiven Produktion im Norden, wo Agrarmaschinerie produziert wird“ und „ihr Pendant im Süden – Genussmittel, etwa Kaffee“, verblassen in der Tat Ricardos einfache Modelle. Und deine geniale Beweisrechnung nach „Verdoppelung der Produktivität im ersten Bereich“, mit der du Ricardo aber anständig in die Schranken gewiesen hast, lassen auch den letzten Ökonomen auf der Stelle verstummen. …

  4. Gravatar Icon 4 schorsch 20. Oktober 2007 um 16:44 Uhr

    „Was für eine gottgefällige Weisheit! Da “kritisierst” du eine Theorie aus den ersten Jahren des 19.Jahrhunderts, und glaubst, ihren Mangel darin erkannt zu haben, daß im Modell (!!!) der Kapitalismus “noch gänzlich unentwickelt existierte”.“

    Schön, wie du deine eigenes Unwissen darbietest. Als ob Ricardos‘ Theorie von niemandem mehr ernst genommen werden würde. Als ob dein Argument den Kern treffen würde: abstrakt war es ja Marx bspws. auch möglich den „idealen Durchschnitt“ ansatzweise zu analysieren und damit zu kritisieren.

    „Jeder Ökonom, auch Ricardo und Marx, hat sich bei seinen Analysen zunächst auf das Wesentliche der Warenzirkulation konzentriert, so wie ein Häuslebauer zunächst die einfache Statik von Fundament und Mauern untersucht.“

    Mal wieder nichts verstanden: Marx baut in seiner kategorialen Analyse eben nicht bloß auf der Warenzirkulation auf, sondern es geht ihm im ersten Teil seiner Reflexionen über die Ware um eine Darstellung auf abstrakt-logischem (oder dialektischem) Nieveau eben nicht um die Warenzirkulation, sondern um Kategorien, die dann weiterentwickelt werden und erst später sich zu einem Bild von Produktion und Zirkulation wandeln lassen, indem nämlich etwa der Unterschied zwischen Preis und Wert dargelegt wird. Die Fragestellungen und Probleme (etwa im Bereich der Produktion) sind bei Marx in den Überlegungen zur Ware implizit enthalten. Es ist eben nicht so, dass Marx schrittweise Zirkulation, Produktion und Konsumtion betrachtet. Dann hätte er seine Überlegungen additiv ausgeführt. So aber lässt sich z.B. bereits im ersten Abschnitts des Kapitals die krisenanfälligkeit der kapitalistischen Produktion logisch erörtern.

    Aber: dein Einwand, jeder Ökonom hätte seine Betrachtungen bei der Zirkulation begonnen, geht völlig am Thema vorbei, da dann auf der Ebene der Erscheinung Produktion und Zirkulation wieder – mehr oder minder – zusammenfallen würden, das in dem Modell aber eben nicht der Fall ist bzw. nur sehr ansatzweise.

    „Der Kapitalismus, insbesondere den Warencharakter und den Wert der Arbeitskraft, wurden von Marx nüchtern analysiert.“

    Kritik durch Dartellung sagt dir wohl nichts, oder? Bei Marx ist es eben beides.

    „Vor deinen komplexen, bis ins letzte Detail geschilderten Verwicklungen zwischen der “kapitalintensiven Produktion im Norden, wo Agrarmaschinerie produziert wird” und “ihr Pendant im Süden – Genussmittel, etwa Kaffee”, verblassen in der Tat Ricardos einfache Modelle. Und deine geniale Beweisrechnung nach “Verdoppelung der Produktivität im ersten Bereich”, mit der du Ricardo aber anständig in die Schranken gewiesen hast, lassen auch den letzten Ökonomen auf der Stelle verstummen.“

    Mein Beispiel (!) diente – und das ist ein Unterschied – nicht zur Klärung der per se positiven Folgen des Freihandels (dafür müssen ämtliche Nuancen überdacht und Verwicklungen analysiert werden)sondern dessen Widerlegung (da kann (!) durchaus das Aufzeigen einer Bewegung, einer Gesetzäßigkeit in der Warenproduktion ausreichend sein). Außerdem waren in dem Beispiel durchaus mehr Elemente enhalten (z.B. ungleiche Entwicklung).

    Wenn von dir nochmal ein Beitrag kommen sollte, der absolut unredlich dsikutiert, also die Beleidigung als Hauptziel sich setzt und nicht zur Sache diskutiert, behalte ich mir vor diesen dann zu löschen. Dein aktueller Beitrag hätte auf die Anmerkung der Historizität Ricardos Überlegungen reduziert werden können. Der Rest war nur naive Selbstdarstellung.

  5. Gravatar Icon 5 Dieter 21. Oktober 2007 um 7:29 Uhr

    Ein Beispiel für Schorschs „kategorialen Analyse“:

    „Mal wieder nichts verstanden: Marx baut in seiner kategorialen Analyse eben nicht bloß auf der Warenzirkulation auf, …“ – Marx geht – wie jeder andere Ökonom auch – von der gegebenen Warenzirkulation aus und analysiert als erstes den „Wert der Ware“. Oder wovon geht Marx sonst aus?

    „… sondern es geht ihm im ersten Teil seiner Reflexionen über die Ware …“ – nicht um den Wert der Ware?

    „… um eine Darstellung auf abstrakt-logischem (oder dialektischem) Nieveau …“ – nicht über den Wert der Ware?

    „… eben nicht um die Warenzirkulation, …“ – das sagtest du schon.

    „… sondern …“ – um den Wert der Ware?

    „… um Kategorien, …“ – den Wert der Ware betreffend?

    „… die dann weiterentwickelt werden und erst später …“ – den Wert der Ware erklären?

    „… sich zu einem Bild von Produktion und Zirkulation wandeln lassen, indem nämlich etwa der Unterschied zwischen Preis und Wert dargelegt wird.“ …

    Alles klar! Habe verstanden! Viel Spaß beim Löschen dieses Beitrages und weiterhin viele intelligente Leser deines geistreichen Journals.

  6. Gravatar Icon 6 schorsch 21. Oktober 2007 um 19:01 Uhr

    Wow, ein Beitrag von dir ohne mich zu beschimpfen!

    „Marx geht – wie jeder andere Ökonom auch – von der gegebenen Warenzirkulation aus und analysiert als erstes den “Wert der Ware”. Oder wovon geht Marx sonst aus?“

    Marx behandelt nicht die Warenzirkulation. Das wäre auch sinnlos, weil er die basalen Formen und Begriffe im ersten Abschnitt entwickelt, die ihn zur entfalteten Warenzirkulation hinführen. Z.B. Marx Wertformanalyse ist keine Betrachtung der Zirkulation.

    „nicht um den Wert der Ware?“

    Auch, aber der Wert macht die Reflexion über die Warenform eben nicht vollständig aus. Er beschreibt neben dem Tauschwert, den Gebrauchswert, er behandelt neben dem Wert einer Ware direkt den Zusammenhang zwischen diesem und gesellschaftlicher Verhältnisse. Er bestimmt nicht, dass eine Ware ein bestimmtes Quantum Arbeit vergegenständlicht, sondern untersucht die Wirkungen privater Warenproduktion und die gesellschaftlichen Verhältnisse, die aus dieser entspringen (Fetischkapitel!)

    Den Sinn deiner komischen Zitierweise mag verstehen wer will, aber du tätigst mal wieder Einwände, die ich a) widerlegt habe und die b) auch völlig fehl am Platz sind, weil ich überhaupt gar nicht abgestritten habe, dass es Marx (auch) um den Wert der Ware ging, sondern zu erklären versucht habe, dass Marx sich eben erstmal nicht um die Warenzirkulation schert, sondern eine dialektische bzw. logische Entwicklung von Kategorien beschreibt.

  7. Gravatar Icon 7 Dieter 22. Oktober 2007 um 15:22 Uhr

    „Marx behandelt nicht die Warenzirkulation.“ – Wollen wir meinen Satz noch mal Wort für Wort durchgehen? Ich schrieb: „Marx geht von der gegebenen Warenzirkulation aus …“. Da steht nicht: „Marx behandelt die Warenzirkulation“. Um die Warenzirkulation nämlich behandeln zu können (Das Kapital; Bd.II: „Der Zirkulationsprozeß (!!) des Kapitals“), untersuchte und definierte Marx zunächst die erforderlichen Kategorien – mit dem Wert beginnend. Ich schrieb also: „…und analysiert als erstes den Wert der Ware.” Schlage bitte die erste Seite des Kapitals Band I auf und lies es laut vor!

    „Das (die Behandlung der Warenzirkulation?) wäre auch sinnlos, weil er die basalen Formen und Begriffe im ersten Abschnitt entwickelt (den Wert?), die ihn zur entfalteten Warenzirkulation hinführen.“ – Nach der Analyse von Wert, Mehrwert, Profit usw. widmet sich Marx dem gegenseitigen Austausch dieser Werte – im Rahmen der „einfachen Reproduktion“. Die „entfaltete Warenzirkulation“ ist eines deiner selbstkreierten, nebelhaften und niemals definierten Kunstwörter, ähnlich deiner „basalen Formen und Begriffe“.

    „Z.B. Marx Wertformanalyse ist keine Betrachtung der Zirkulation.“ – Warum sollte sie auch? Erst werden die „Wertformen“ analysiert, danach deren „Zirkulation“. Nur jemand, der keine Ahnung von den „basalen Formen und Begriffe“ hat, könnte Wertform und Zirkulation gleichsetzen. Glaubst du deinen Lesern allen Ernstes erklären zu müssen, daß Rindviecher keine Vögel sind?

    „… , aber der Wert macht die Reflexion über die Warenform eben nicht vollständig aus.“ – Mein Guter, du hast aber anständige Probleme mit den Begriffen. Den „Wert“ mit der „Warenform“ gleichsetzen zu wollen – und das auch noch „vollständig“, – setzt eher ein vollständiges Unverständnis der Ökonomie voraus. Hast du Marx wirklich gelesen? Er abstrahiert bereits auf den ersten Seiten von jeder Warenform („Quarter Weizen, Quantum Eisen, Liter Stiefelwichse usw.“), um die eigentliche Substanz des Tauschwertes – und damit des Wertes – zu erkennen. Wert und Warenform sind somit völlig verschiedene Dinge, die auch separat untersucht werden müssen. Rinder und Vögel sind zwar beides Tiere, die sogar manchmal auf der selben Weide leben, und doch kann ein Rind nicht fliegen und ein Vogel keine Milch geben.

    „Er (Marx) beschreibt neben dem Tauschwert, …“ (das Komma ist doch sicherlich ein Versehen) „… den Gebrauchswert, er behandelt neben dem Wert einer Ware direkt den Zusammenhang zwischen diesem und gesellschaftlicher Verhältnisse.“ – Um auf den eigentlichen Wert einer Ware zu kommen, behandelt Marx zunächst kurz die beiden Erscheinungsformen des Wertes: Tausch- und Gebrauchswert einer Ware. Auch von diesen kann letztlich bei der Wertdefinition abstrahiert werden. Der Wert ist schließlich die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, die eine Ware zur Reproduktion erfordert. Welches „gesellschaftliche Verhältnis“ schwebte dir denn hier vor?

    „Er bestimmt nicht, dass eine Ware ein bestimmtes Quantum Arbeit vergegenständlicht, …“ (Wirklich nicht? Dann muß es noch einen anderen Karl Marx geben. In meinem „Kapital“ steht nämlich genau dieses drin. Siehe unten) „… sondern untersucht die Wirkungen privater Warenproduktion und die gesellschaftlichen Verhältnisse, die aus dieser“ (den „Wirkungen privater Warenproduktion“?) „entspringen (Fetischkapitel!)“ – … Du und deine „gesellschaftlichen Verhältnisse“. Glaubst du wirklich, daß wir es nicht merken, wie du dein unübersehbares Unverständnis nur hinter deinen angeblichen „gesellschaftlichen Verhältnissen“ versteckst?

    „… weil ich überhaupt gar nicht abgestritten habe, dass es Marx (auch) um den Wert der Ware ging, sondern zu erklären versucht habe, dass Marx sich eben erstmal nicht um die Warenzirkulation schert, sondern eine dialektische bzw. logische Entwicklung von Kategorien (den Wert vielleicht?) beschreibt.“ – Auf deutsch also: Du hast nicht abgestritten, daß es Marx auch (!) um den Wert ging, sondern erstmal um den Wert. – Alles klar! …

    Marx analysierte zunächst den Wert ansich, bewies danach den Warencharakter der Arbeitskraft, analysiert dann den Wert der Arbeitskraft und die Notwendigkeit des Verkaufes dieser Ware durch den Arbeiter. So wie bei jeder Ware osziliert der Preis auch bei der Arbeitskraft um den Wert (Preis und Wert sind also verschiedene Dinge!). Dieses führt aber notwendig zu einer absoluten Verelendung der arbeitenden Klasse, was wiederum die Notwendigkeit der sozialistischen Revolution begründet. – Mein lieber Freund, deine geschwollen Phrasen über irgendwelche „gesellschaftlichen Verhältnisse“ und dein Unsinn angeblicher „Wirkungen privater Warenproduktion“ sind nichts als heiße Luft und eine fahrlässige Verschwendung der Zeit deiner Leser. Du hast NICHTS von Marx verstanden – GAR NICHTS. ----

    K.Marx; Das Kapital, Bd.I; Die Ware: „Die Arbeit jedoch, welche die Substanz des Wertes bildet, ist gleiche menschliche Arbeit, … Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit, oder die zur Herstellung eines Gebrauchswertes gesellschaftliche Arbeitszeit, welches seine Wertgröße bestimmt.“

  8. Gravatar Icon 8 schorsch 22. Oktober 2007 um 23:35 Uhr

    Ganz kurz: Marx geht eben nicht von der Warenzirkulation aus, sondern entwickelt diese erst. Weiterhin geht es nicht nur um Wert, sondern um Tausch- und Gebrauchswert, Arbeit, Ware, Geld …. Dann ist das Kapital über die Warenverkäufer auch wichtig.

    „Die Arbeit jedoch, welche die Substanz des Wertes bildet, ist gleiche menschliche Arbeit, … Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit, oder die zur Herstellung eines Gebrauchswertes gesellschaftliche Arbeitszeit, welches seine Wertgröße bestimmt.“

    Aha…und wie soll das jetzt beweisen, dass in jeder Ware ein bestimmtes Quantum Arbeit drinstecken muss? Du widerlegst mich mit dem Zitat gar nicht.

    Anstatt meine Wortwahl („gesellschafltiche Verhältnisse“) zu diffamieren, weil du schlich nicht verstehst, worum es geht, solltest du wirklich mal das essentielle Kapitel zum Warenfetisch lesen.

    Deine anderen Einwände sind absolut perfide Versuche, meinen Aussagen einen Sinn zu geben, der nicht dahintersteckt und dann darauf basierend eine Kritik zu leisten. Das ist wirklich langweilig und ich habe da auch keine Lust groß drauf einzugehen, weil jeder nachvollziehen kann, wie instabil deine Argumentation ist.

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