Die Freiheit zu verhungern

Auch wenn ihn [den Arbeitssuchenden] selbst und vielleicht seine Familie die Gefahr des Hungers bedroht und ihn ‚zwingt‘, eine ihm widerwärtige Beschäftigung für einen sehr geringen Lohn anzunehmen und er der ‚Gnade‘ des einzigen Menschen ausgeliefert ist, der bereit ist, ihn zu beschäftigen, so ist er doch weder von diesem noch von irgend jemand anderem in unserem Sinn gezwungen. Solange die Handlung, die seine Schwierigkeiten verursacht hat, nicht bezweckte, ihn zu bestimmte Handlungen oder Unterlassungen zu zwingen, solange die Absicht der Handlung, die ihn schädigt, nicht ist, ihn in den Dienst der Ziele eines anderen zu stellen, ist ihre Wirkung auf seine Freiheit keine andere als die einer Naturkatastrophe – eines Feuers oder einer Überschwemmung, die sein Heim zerstört, oder eines Unfalls, der seine Gesundheit schädigt.
Friedrich August von Hayek


3 Antworten auf “Die Freiheit zu verhungern”


  1. Gravatar Icon 1 Dieter 14. September 2007 um 9:48 Uhr

    Wenn sich ein Graf schon zur Arbeitslosigkeit äußert, was soll da wohl rauskommen, außer blaublütiger Unsinn:

    „Auch wenn ihn [den Arbeitssuchenden] selbst und vielleicht seine Familie die Gefahr des Hungers bedroht, …, so ist er doch weder von diesem noch von irgend jemand anderem in unserem Sinn gezwungen.“

    Was für ein Humbug. Selbstverständlich ist jeder „Arbeitnehmer“ gezwungen, eine Arbeit anzunehmen, oder besser: seine Arbeitskraft zu verkaufen, um leben zu können. Daß er oft doch keine Arbeit annimmt hat zwei Gründe: 1.) Es steht nicht genug Arbeit zur Verfügung. Und 2.) findet er jemanden, der ihn und seine Familie mit durchfüttert.

    „Solange die Handlung, die seine Schwierigkeiten verursacht hat (also seine Entlassung), nicht bezweckte, ihn zu bestimmten Handlungen oder Unterlassungen zu zwingen (sich beim Arbeitsamt anzustellen?), solange die Absicht der Handlung, die ihn schädigt, nicht ist, ihn in den Dienst der Ziele eines anderen zu stellen, ist ihre Wirkung auf seine Freiheit keine andere als die einer Naturkatastrophe – eines Feuers oder einer Überschwemmung, die sein Heim zerstört, oder eines Unfalls, der seine Gesundheit schädigt.“ – Die Entlassung eine Naturkatastrophe?

    Nein! Die Entlassung erfolgte aus dem exklusiven Grund, weil der Profit seines Unternehmers geringer wurde. Da eine Halbierung des Lohnes, die seinen Job vielleicht gerettet hätte, bei der gegenwärtigen Stärke der Gewerkschaften nicht möglich war, wurde unser Probant entlassen. Und der pfiffige Unternehmer ging mit seinem Geschäft – so er nicht wirklich pleite war – vermutlich nach Polen, Tschechien oder China.

    Die Entlassung ist eine persönliche Katastrophe des Betroffenen, verursacht durch die Profitgier des Kapitals. Sie ist in keinster weise mit einer Naturkatastrophe zu vergleichen. Behoben werden kann dieser Zustand der Arbeitslosigkeit als gesellschaftliche Erscheinung nur durch eine Vergesellschaftung der Produktion.

  2. Gravatar Icon 2 schorsch 14. September 2007 um 15:01 Uhr

    Ich finde dieses Zitat von Hayek dokumentiert ziemlich drastisch den Gipfel des Fetischismus der bürgerlichen Theorieproduktion.
    Deine Anmerkungen zur gesellschaftlichen und damit historischen Qualität der „Naturkatastrophe Entlassung“ stellen eine gute Ergänzung dar. Nachher wird noch angenommen, ich zitierte Hayek weil ich seine Aussagen so trefflich finde ;-)

  1. 1 Mit Deutschland gegen die Krise « Schorsch’s online Journal Pingback am 15. Dezember 2008 um 20:58 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.