Archiv für Februar 2007

Der Glaube ist was für Liberale

Glaube, Verve der Tat und der nach ihr drängende nationalistische Gedanke gepaart mit der unbelehrbaren Dummheit, würde jeder „in die Hände spucken und Anpacken“ und der anschließenden Affirmation, Deutschlands als einen Körper, wessen Organe nur durch Selbstsubsumtion funktionieren und miteinander gegen vermeintliche äußere und innere Gefahren wirken müsse, bieten keine Basis für emanzipatorische Entwicklungen.
Die stupid-bornierte und immer widerkehrende Hoffnung auf Änderung ohne Berührungspunkte mit einer radikal-emanzipatorischen Analyse des Bestehenden, führen zur Hoffnung auf immanente Veränderung, also einer Perpetuierung der Barbarei, konformistischem Nonkonformismus oder hin zu Glaubenssätzen, welche durchaus die Hoffnung auch auf eine metaphysische Existenz im Jenseits richten.
Ein, Friedrich August von Hayek zugeschriebenes, Zitat reiht sich problemlos in diese Zusammenhänge ein:

Den meisten Argumenten gegen den freien Markt liegt ein Mangel an Glaube in die Freiheit zugrunde.

Auch wenn Adorno die Schwierigkeit erkannt hat, in Relation zur omnipräsenten Macht und stetig erfahrenen eigenen Ohmacht kritisches Denken zu erhalten und eine Resistenz gegen sich klug dünkende Dummheit und Barbarei zu entwickeln, besteht darin doch die Ursache und Grundlage für Kritik. Die Resistenz muss immer überdacht werden, um nicht totalitär und einseitig die Welt gedanklich zu erschließen.
Nur so kann das Projekt der Aufklärung fortgeführt werden.
Kritik darf sich in diesem Sinne nicht in positivistischer Registriererei und erst recht nicht in Glaubenssätzen verlaufen. Wird Kritik, nach Hayeks Vorbild, mangelnder Glaube an vermeintliche „kommunistische Ideale“ vorgeworfen, wird, eine notwendigerweise ultrarealistische, linke Kritik, nicht nur der christlichen Predigt für Nächstenliebe gleichgesetzt, sondern zusätzlich ignoriert, dass die Kritik der Religion und Glaubenssätze die Voraussetzung aller Kritik ist.

In eigener Sache…

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Fragmente der Kritik: Naturzustand

Der Naturzustand ist eine fiktive Annahme und wird apriorisch gesetzt. Große Vordenker der Wissenschaft, welche in der modernen Ausformung als Politologie in Erscheinung tritt, haben auf die Konstruktion des Naturzustandes nicht verzichtet oder sogar gar nicht verzichten können.
Schon die Konzeption des Naturzustandes bei Hobbes und Locke unterscheidet sich wesentlich. Präsentiert Hobbes den Naturzustand als einen anarchisch-chaotischen Krieg aller gegen alle, so erscheint dieser bei Locke nahezu als eine in die Vergangenheit projizierte Utopie.
Welcher Konzeption zuzustimmen ist, kann nicht diskutiert werden.
Problematisch ist die theoretische Geburt eines Naturzustandes, weil dieser konstitutiv als Begründung und vor allem Legitimation für eine je spezifische Art und Weise der Organisation menschlichen Zusammenlebens ist.
Der bürgerliche Staat etwa wird nicht durch Analyse aus sich selbst heraus erklärt und gegebenenfalls kritisiert, sondern nur über den Naturzustand dargestellt.
Weil letzterer aber eine willkürliche Setzung ist, weist die, dem je erdachten Naturzustand folgende Darstellung des bürgerlichen Staats, eine eigene Immunität gegen Kritik auf, weil wirkliche Kritik die jeweiligen Konzepte des Naturzustandes angreifen müsste. Dieser Naturzustand entzieht sich aber in gewisser Hinsicht der rationalen Diskussion.
So kann das Ziel des Denkens, etwa eine Legitimation des Bestehenden, schon vor der Darstellung des Gegenstands feststehen und somit der Naturzustand adäquat konstruiert werden.
Historische Betrachtungen zeigen zudem, dass auf empirische Falsifizierungen der speziellen Idee eines konkreten Naturzustands einfach neue Ausformulierungen von dem natürlichen Zustand folgten, um künftigen Entwicklungen eine legitime Basis geben zu können.

Eine andere Forschungs- und Darstellungsweise wäre Folgende:

Marx versucht die

…Gesetze der Phänomene zu finden, mit deren Untersuchung er sich beschäftigt. […] Sobald er einmal dies Gesetz entdeckt hat, untersucht er im Detail die Folgen, worin es sich im gesellschaftlichen Leben kundgibt […] Demzufolge bemüht sich Marx nur um eins: durch genaue wissenschaftliche Untersuchung die Notwendigkeit bestimmter Ordnungen der gesellschaftlichen Verhältnisse nachzuweisen und soviel als möglich untadelhaft die Tatsachen zu konstatieren, die ihm zu Ausgangs- und Stützpunkten dienen. […] eine und dieselbe Erscheinung unterliegt ganz und gar verschiednen Gesetzen infolge des verschiednen Gesamtbaus jener Organismen, der Abweichung ihrer einzelnen Organe, des Unterschieds der Bedingungen, worin sie funktionieren usw.

Marx zitiert hier zustimmend einen Ausschnitt aus einer Petersburger Zeitung im Nachwort zur zweiten Ausgabe des Kapitals und ergänzt:

Allerdings muß sich die Darstellungsweise formell von der Forschungsweise unterscheiden. Die Forschung hat den Stoff sich im Detail anzueignen, seine verschiednen Entwicklungsformen zu analysieren und deren innres Band aufzuspüren. Erst nachdem diese Arbeit vollbracht, kann die wirkliche Bewegung entsprechend dargestellt werden.

Adorno bemerkt:

Wer die Wahrheit übers unmittelbare Leben erfahren will, muß dessen entfremdeter Gestalt nachforschen, den objektiven Mächten, die die individuelle Existenz bis ins Verborgenste bestimmen.

Softwarepiraterie als „Wachstumsmotor“

Ein häufiges Argument Liberaler besteht darin, dem Eigentum oder der Konkurrenz diverse sinnvolle Fähigkeiten anzudichten oder, indem eine anthropologische Konstante gesetzt wird, diese zu einen für den Menschen notwendigen Zwang oder Anreiz zu deklarieren.
Weil Eigentum existiert, würden überhaupt erst „Innovationen“ erfolgen und Forschung und Wissenschaft betrieben werden, so die liberale Überzeugung.
Auf phänomenologischer Ebene wird also ein Zwangsverhältnis einfach als Ursache und Notwendigkeit für „Forscherdrang“ und „Erfindergeist“ verklärt.
Marx zeigt die Fehler und den Zynismus einer solchen Argumentation auf. Er weist auf die notwendigen Schädigungen der Menschen hin, welche notwendig der Akkumulation entspringen und in liberaler Argumentation ausgeblendet werden.
Zudem zeigt er dann auch auf, dass sich verschiedene Investitionen gegen den Menschen richten, weil das Ziel dieser nicht durch Bedürfnisbefriedigung bestimmt wird und der Nutzen der Innovationen für den Mensch bestenfalls ein Abfallprodukt der kapitalistischen Akkumulation darstellt.
Außerdem lässt sich mit Marx dann auch zeigen, dass obiges liberales eine falsche, oder mindestens völlig diffuse und willkürliche Verbindung zwischen Ursache und Wirkung entstehen lässt.
Solche Artikel präsentieren bestenfalls die beschränkende Natur des Privateigentums und das Ziel kapitalistischer Produktion, Mehrwertakkumulation, auf. Im Kapitalismus schädigt die freie Nutzbarmachung von Produkten nämlich die Produktion. Es ist kaum möglich deutlicher auf die wirklichen Zwecke kapitalistischen Wirtschaftens hinzuweisen. So ist es ideologisch zu behaupten, Eigentum müsse gestärkt werden, damit die Produktion für alle ihre Früchte trägt, denn Produktion findet nämlich nur dann statt, wenn Profite erzeugt, Menschen ausgebeutet werden.
Die „Software Piraterie“ hemmt also nicht, wie im Artikel behauptet, das Wachstum im Allgemeinen, sondern das kapitalistische Wachstum und zeigt so die menschenfeindliche Qualität von diesem auf.

Ein Gegenargument zu dem zum Dogma gewordenen Argument, Eigentum sei die Ursache für Entwicklung und für das Wirtschaften überhaupt und müsse daher geschützt werden, besteht auch in dem Hinweis auf die Möglichkeiten kooperativer Produktion.
Eine empirische Untermauerung dieser These und gleichzeitig eine Demonstration der Widersinnigkeit kapitalistischer Rationalität stellt diese Nachricht dar.

MPunkt war mal wieder schneller

MPunkt war schneller und hat Anmerkungen meinerseits zur Handball WM überflüssig gemacht.
MPunkt verweist korrekterweise in den wesentlichen Fragen auf Texte und Anmerkungen zur Fußballweltmeisterschaft 2006, da den zur Zeit der Fußballweltmeisterschaft gemachten Feststellungen z.B. bzgl. des Nationalismus eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist.
Allerdings werden auch aktuellere Aspekte beleuchtet: Handball – der bessere Nationalsport