„Du bist ein hübsches Mädchen, du kannst doch auch was anderes machen.“

Der vulgäre und vor allem ideologische Inhalt einiger Aussprüche von Bohlen soll mich hier nicht weiter interessieren (zur Dokumentation einiger Zitate folgt unten ein Link). Auch über den Zustand einer Gesellschaft, welche Spaß und Lust an Bohlens’ Kommentaren hat, will ich hier nichts weiteres sagen, sondern fragmentarisch und kurz über den Umgang mit Bohlens’ Gesabbere reflektieren.
Bohlens verbale Ausfälle erregten die Gemüter.
Allerdings ist die Kritik an diesen Äußerungen idealistisch und präsentiert die herrschenden Zustände als welche, in denen es möglich wäre human miteinander umzugehen. Besonders wird die Ideologie reproduziert, nach deren Postulat ein humanes Verhalten in Verhältnissen, welche durch die Zwangsgesetzte der Konkurrenz determiniert und geprägt sind, irgend möglich sei.
Allerdings geht in „der abstrakten Vorstellung des universalen Unrechts jede konkrete Verantwortung unter.“ (Adorno, MM). Daher darf die Kritik an staatlich-idealistischen Interventionen keinesfalls in blinde Affirmation menschenverachtenden und sexistischen Inhalten umschlagen.
Grade die stillschweigende Akzeptanz reaktionärer Äußerungen und der Hinweis auf die Immanenz solcher, würde die passende Ideologie für die Verantwortlichen solcher Verlautbarungen liefern.
Erst wenn derartige Äußerungen der bestehenden Normalität zugerechnet werden und der Aufschrei ausbleibt, herrschen diese tatsächlich. Erst wenn die Möglichkeit des Anderen als Unmöglichkeit erklärt wird, und ausschließlich die Analyse als einzige Aufgabe und Possibilität präsentiert, ist es endgültig so.


6 Antworten auf “„Du bist ein hübsches Mädchen, du kannst doch auch was anderes machen.“”


  1. Gravatar Icon 1 Moneymaker 31. Januar 2007 um 16:16 Uhr

    da e skritik gibt existiert, wie dus elber schreibst, noch ein gewisses aufbegehren gegen solche dreistigkeiten.
    das ein mensch wie bohlen aber nur in zugespitzter form das ausdrückt was realität ist, wird hier anhand einer kritik der aussage die kritik an den zuständne überspielt. sexismus sei also nur dann vorhanden wenn einer offen sexistisch spricht nicht wenn die struktur sexistisch ist.
    Es darf ruhig bleiben wie es ist nur sagen solle es doch bitte keiner.
    allerdigns darf da nicht vergessen werden das der ausdruck selber leid zufügen kann und somit nichts besser macht.

    Die Frage der schuld ist in der tat eine sehr schwere. für mich ist der „Mensch“ schuldig der die zustände offen verteidigt und sich der erkenntnis sperrt das missstände herrschen oder versucht diese zu legitimieren. An der Gesellschaftlichen konstitution sind alle in ihrer Ohnmacht schuld, der einzelne trägt also nur schuld wenn er die Kritik bekämpft und sich als Apologet des Bestehenden verhält.

    so sehe und handhabe ich das zumindest.

  2. Gravatar Icon 2 schorsch 31. Januar 2007 um 17:54 Uhr

    „das ein mensch wie bohlen aber nur in zugespitzter form das ausdrückt was realität ist, wird hier anhand einer kritik der aussage die kritik an den zuständne überspielt.“

    Sprichst du damit gegen die demokratisch-bürgerliche Kritik oder gegen meine? Letzteres würde ich dann nicht verstehen, weil ich ja den „Zustand einer Gesellschaft, welche Spaß und Lust an Bohlens’ Kommentaren hat“ erwähne, aber du meinst sicherlich eh die erste Option.

    Im Bezug zur Schuld würde ich deine Anmerkungen unterstützen. Allerdings ging es mir neben der Schuld auch um die Frage, inwiefern Kritik wirklich möglich ist, oder vielleicht sogar aufgrund der herrschenden Strukturen stets problematisch ist. Denn der Hinweis auf Immanenz ist ja durchaus richtig.

  3. Gravatar Icon 3 Moneymaker 31. Januar 2007 um 21:57 Uhr

    Ja ich meine die erste Option.

    ich denke kritik ist möglich, aber nur dann wenn sie radikal genug ist, also bohlen als symptom und nicht als ursache begreift.

    ansonsten versucht die das sexismus zu personalisieren und dient der verteidigung des falschen bestehenden.

  4. Gravatar Icon 4 winfried aus chemnitz 08. Februar 2007 um 12:54 Uhr

    jede Sprache die sich nicht an die Regeln hält – hält den Inhalt der Sprache frisch!

    Sollen die Leute doch endlich Normal sprechen und wenn ein Mann, der immer in Sucht und Ärger zu seinen Frauen gelebt hat – Sexistisch ist – na und?

    Mir macht die genormte Sprachstanzerei mehr Angst denn Selbstzensur ist der eigentliche Feind und nicht die staatliche Zensur!

  5. Gravatar Icon 5 schorsch 08. Februar 2007 um 21:36 Uhr

    „und wenn ein Mann, der immer in Sucht und Ärger zu seinen Frauen gelebt hat – Sexistisch ist – na und?“

    BITTE?!

    „Mir macht die genormte Sprachstanzerei mehr Angst denn Selbstzensur ist der eigentliche Feind und nicht die staatliche Zensur!“

    Es geht hier doch nicht um Sprachhygene, sondern besonders um den Inhalt (!) der Dinge, welche Bohlen von sich gab, welche kritikabel sind und natürlich stets vor dem gesellschaftlichen Hintergrund zu reflektieren sind.

  1. 1 Über Wertkritik und Klassenkampf, das Allgemeine und Besondere « Schorsch’s online Journal Pingback am 30. Oktober 2008 um 1:18 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.