Fragmente der Kritik: Kandinsky und Mondrian

Die Bilder von Kandinsky und Mondrian, beides Künstler der abstrakten Malerei, sind unter kunsttheoretischen Gesichtspunkten prinzipiell voneinander zu unterscheiden. Dennoch werden die beiden Standpunkte der Maler durch die Kunst inhaltlich vereint. Ein Blick in die Biographien der beiden Maler verrät einiges über deren Weltanschauung. 1909 trat Mondrian in Amsterdam der Theosophischen Gesellschaft bei und setzte sich mit der Theosophie auseinander. Beides wirkte auf seine künstlerische Tätigkeit maßgeblich ein.
Auch Kandinsky wurde durch die Anthroposophie und Theosophie geprägt. Er lernte 1908 sogar Rudolf Steiner, und damit dessen anthroposophische Borniertheiten kennen.

Vor diesem Hintergrund verschärfen die Gemälde den konkreten Widerspruch zwischen Mondrian und Kandinsky, zeigen aber gleichzeitig die Auflösung des Widerspruchs im Bereich des esoterischen Glaubens von Mondrian und Kandinsky auf.
Kandinskys Bilder sind zwar der ungegenständlichen Kunst zuzuordnen. Jedoch sehen einige Bildelemente der gegenständlichen Welt sehr ähnlich. So mutet dieser interpretatorische Schritt nicht sonderlich gewagt an, der eine Simultanität von Gegenständlichkeit und Ungegenständlichkeit konstatiert. Allerdings muss dieser Ansatz zurückgewiesen werden: Kandinskys Bilder haben teilweise zwar eine Ähnlichkeit mit der gegenständlichen Welt, aber es bleibt tatsächlich nur bei dieser Ähnlichkeit. Für Kandinsky war die, scheinbar dargestellte, gegenständliche Welt eine strategische Komponente seiner Werke: Er wollte das Publikum nicht abschrecken, sondern allmählich in seine Schaffenswelt einführen.

KandinskyDenn seiner Überzeugung nach, kommt es besonders auf das Publikum, auf die einzelnen Personen an, die seine Bilder betrachten. Kunst sei nichts, was mit objektiven Kategorien vollständig erfasst werden könne, sondern müsse subjektiv erfahrbar werden. Er schreibt, man solle ein Kunstwerk „nicht von außen (…) betrachten, sondern in das Bild hineingehen.“ (Wassily Kandinsky, „Über das Geistige in der Kunst. Insbesondere in der Malerei“).
Durch diese emotional-subjektive Erfahrung des Betrachters sei es dem Künstler möglich seine metaphysischen Visionen dem Publikum mitzuteilen. Jedoch legt er keinen Wert auf diese tendenziell objektivierende Wirkung an, sondern eben auf die Emotionen des Subjekts.1
Kandinsky meint so, eine „neue Zeit“ anzukündigen, denn die, wie er sagen würde, „mechanistisch-materialistische“ Welt sei am Ende.
Eine Hauptinspirationsquelle für seine Werke ist eine, im Nordural ansässige, Stammesgemeinschaft, die Syränen. Die Kunstformen, die Kandinsky dort kennerlernte, beeindruckten ihn besonders, weil sie „ursprünglich und unbeeinflusst von antrainiertem Lernverhalten“ (Helmut Friedel) waren und so lässt sich neben seiner esoterischen Überzeugung auch eine eher antimoderne Komponente seiner Ideenwelt feststellen.
Mondrian geht mit seinen Bildern einen anderen Weg, aber auch ihm geht es letztlich darum, ein immaterielles und überirdisches „Prinzip“ zu erzeugen bzw. aufzudecken und mit Hilfe des Kunstwerks zu artikulieren.
„Was will ich in meinem Werk ausdrücken? Schönheit auf der ganzen Linie und Harmonie durch das Gleichgewicht der Beziehungen zwischen Linien, Farben und Flächen zu erreichen. Aber nur auf die klarste und stärkste Weise.“ (Piet Mondrian)
Harmonie ist für Mondrian ein zentraler Begriff, ein hohes „Prinzip“, welches auch in der Anthroposophie eine exklusive Rolle einnimmt. Mondrian kennt aber auch weitere „Prinzipien“, z.B. das „weibliche Prinzip“ und das „männliche Prinzip“. Diese Prinzipien werden, neben dem „Göttlichen“ und dem „Universum“, allerdings, im Gegensatz zu Kandinsky, nicht durch leicht diffuse Werke dargestellt. Mondrian versucht sie durch absolute und starke Abstraktion, durch vollständige Objektivierung, in der das Subjektive ausgelöscht ist, zu kommunizieren und zu erleben. Alles Subjektive verunreinigt nach Mondrian den Wahrheitsgehalt von Kunst und zerstöre die magische Kraft der letzlich waltenden Prinzipien.

Mondrian So wird klar, worin sich Mondrian und Kandinsky unterscheiden und gleichen.
Beiden geht es nicht um die Darstellung der gegebenen Realität, welche eine Kritik beinhaltet. Selbst die fragmentarische Darstellung des realen „falschen Ganzen“ wird logischerweise gemieden. Die Präsentation esoterischer „Prinzipien“ und ein emotionalisierendes Ressentiment gegen die Moderne sind vielmehr integraler Bestandteil der Bilder. Kandinsky betont sogar, man müsse in das Bild „hineingehen“, in dem Bild abtauchen, die Realität und explizit die Reflexion über Kunst verweigern.
Diese Konzeption korrespondiert mit dem, was Heidegger als „Aura“ bezeichnet. Nach Heidegger gibt es keine „nichtauratische“ Kunst. Das „eskatische Sicheinlassen des existierenden Menschen in die Unverborgenheit des Seins“ (Martin Heidegger, „Holzwege“) gehört für Heidegger zu genuinen Kunsterfahrung, konstituiert die Aura eines Bildes, welche es zu Kunst überhaupt erst werden lässt. Die Abwesenheit von Distanz zwischen Betrachter und Werk mache dies also erst zu einem Kunstwerk.
Demnach bilden Aufklärung und Kunst einen unauflösbaren Widerspruch.

Die gegensätzlichen Vorgehensweisen von Mondrian (unerbittliche Objektivierung) und Kandinsky (völlige Subjektiverung), bilden beide, um mit Adorno zu sprechen, „kranke Einsamkeit“. Was genau damit gemeint ist, zeigen Adorno und Horkheimer in der „Dialektik der Aufklärung“. Weder die Konstruktion eines übermächtigen und übernatürlichen „Prinzips“, an dessen Darstellung es Mondrian gelegen war, noch Kandinskys Versinken in die subjektive Wahrnehmung, die „Verhärtung im Sosein“ (vgl. Adorno, MM), können zur Überwindung der „falschen Projektion“ beitragen oder zum „Leben der Vernunft“(Adorno/Horkheimer, DDA) führen.

„Geht es [das Subjekt], positivistisch, im Registrieren von Gegebenem auf, ohne selbst zu geben, so schrumpft es zum Punkt, und wenn es, idealistisch, die Welt aus dem grundlosen Ursprung seiner selbst entwirft, erschöpft es sich in sturer Wiederholung. Beide Male gibt es den Geist auf. Nur in der Vermittlung, in der das nichtige Sinnesdatum den Gedanken zur ganzen Produktivität bringt, deren er fähig ist, und andererseits der Gedanke vorbehaltlos dem übermächtigen Eindruck sich hingibt, wird die kranke Einsamkeit überwunden, in der die ganze Natur befangen ist“

(Adorno/Horkheimer, DDA)

  1. Die Möglichkeit der Utopie, ist, sofern diese mit gutem Willen den Werken entnommen wird, so höchstens gefühlsduselig vorzustellen. [zurück]

11 Antworten auf “Fragmente der Kritik: Kandinsky und Mondrian”


  1. Gravatar Icon 1 dieter Spoo 16. Januar 2007 um 12:51 Uhr

    Lieber Georg,
    Viele interessante Überlegungen und Hinweise.
    Interessant für mich.
    Bloß zu viele Kommas im Text.
    Liebe Grüße

  2. Gravatar Icon 2 nerone 17. Januar 2007 um 0:48 Uhr

    Dieser Artikel hat mich schwer beeindruckt. Viel drin, was ich gern verstehen würde. Ich denke mal unter Haftungsausschluss darüber nach:
    Ob Kunst und Aufklärung, in Heideggers Sinne in einem unlösbaren Widerspruch stehen, kann ich nicht beurteilen.
    Es ist ja die Frage nach Wirklichkeit, bzw. die Aufhebung der Begrifflichkeiten und Bildhaftigkeiten von Wirklichkeit, die hier auf die Spitze getrieben wird, egal welche Idee den Künstler angetrieben hat das Werk zu erstellen. Während der Kubismus noch eine Bild der Wirklichkeit zeichnete, der aus dem Raum verständlich blieb und also auch gegenständlich war, spielen diese Künstler schon mit dem Begriff des >Virtuellen

  3. Gravatar Icon 3 nerone 17. Januar 2007 um 0:56 Uhr

    Mist mir ist der zweite Teil der Antwort in den ätherischen Tiefen des WWW verschollen…
    Ich krieg das nicht mehr zusammen.
    Jedenfalls stellte ich darin die Frage, warum gerade diese Kunstform Adornos Urteil einer kranken Einsamkeit herausfordert, wo sie doch eigentlich die Beziehung zwischen Betrachter, Wirklichkeit und Bild und zu denselben ganz neu thematisierte. Eigentlich ergab sich daraus doch viel eher der intellektuelle Impuls des in der „Welt sein“ als selbstbezogene Plastik sozusagen (mir fehlen da ein wenig die Worte für und der philosophische Grundstock) Wobei der Rezipient durchaus „sich gibt“.

    So oder ähnlich

    Gruß und Dank

  4. Gravatar Icon 4 schorsch 17. Januar 2007 um 16:48 Uhr

    Zur Frage der Wirklichkeit:
    Ich denke, hier ist es sehr wichtig, vier bzw. sechs Kategorien oder Qualitäten auseinander zuhalten: Einmal die Unterscheidung innerhalb der Kunsttheorie von gegenständlicher und ungegenständlicher Kunst und die Frage der künstlerischen Gesinnung, die Frage nach Realismus und Idealismus.
    Bei Adorno ist das etwas anders: Adorno unterscheidet zwischen positivistischem Registrieren des Gegebenen und dem Pendant, der Erklärung der Welt durch subjektive, idealistische Kategorien. Der erste Aspekt scheint (kritisches) Denken ausgeschlossen zu haben, während die letzte Denkoption das Reale zu bloßem Schein degradiert und realen Fakten keine Beachtung mehr schenkt.
    Diese Sichtweise, welche beide Extrempositionen ausschließt, schließt virtuell Anmutendes nicht aus: „Wer die Wahrheit übers unmittelbare Leben erfahren will, muß dessen entfremdeter Gestalt nachforschen, den objektiven Mächten, die die individuelle Existenz bis ins Verborgene bestimmen.“ (Adorno, Minima Moralia)
    Man könnte meinen, diese Sichtweise würde sich mit der, esoterisch geformten, von Mondrian und Kandinsky decken. Es besteht allerdings dennoch ein Unterschied zwischen Kandinsky/Mondrian und Adorno. Zufolge den beiden Esoterikern gibt es Prinzipien und Gesetze, welche das Leben bestimmen. Diese Gesetze seien überhistorisch, übermenschlich.
    Das ist bei Adorno, und dabei orientiert er sich an Marx, bzw. greift auf Marx’ Überlegungen zum „Fetischcharakter der Ware“ zurück, anders.
    Das unbewusste Wirken der Wirtschaftssubjekte, welches durch Privateigentum erst erzeugt wird, konstituiert den Wert der Ware. Der Wert bzw. Mehrwert diktiert den Wirtschaftssubjekten „marktkonformes“ Verhalten und durchzieht das gesamte gesellschaftliche Leben. Diese Wertform, diese Gesetze, die den Menschen ein bestimmtes Handeln aufzwingen, wirken objektiv, weil die Menschen praktisch unbewusst wirken. Marx schreibt dazu u.a. die wechselseitige Unabhängigkeit der Wirtschaftssubjekte erzeuge wechselseitige Abhängigkeit.
    Weil Unternehmen sich z.B. nicht in der Produktion abstimmen, sind sie gezwungen, ihre Maschinerie zu modernisieren, Arbeitnehmer freizusetzen usw. (Dies nur als Exkurs, um zu verdeutlichen, was Adorno von Mondrian, Kandinsky unterscheidet; ich hoffe ich habe nichts erzählt, was du sowieso schon weißt)

    Adorno warnt also davor, in ein reines Registrieren des Gegebenen, im Pochen auf die Empirie, zu versinken, denn die Gesetze, welche das Handeln determinieren und eine Gesellschaft bestimmen, sind so nicht zu erkunden. Allerdings ist es auch falsch, sich irgendwelche Regeln herbeizuphantasieren und in einen Subjektivismus abzugleiten.

    Ich habe das Zitat aus der Dialektik der Aufklärung angeführt, weil Kandinksy und Modrian zwar beide esoterische „Prinzipien“ aufdecken wollen, sich aber der Mittel zu diesem Zweck deutlich unterscheiden: Kandinsky meint, seine Aussage nur übermitteln, wenn sich jeder irgendwie subjektiv auf das Werk einlässt. Dadurch erkenne der Betrachter dann die „allmächtigen Prinzipien“. Dieser Prozeß bleibt aber notwendigerweise, wie das Werk selber, diffus umschrieben.
    Mondrian bildet die Gesetzt selber ab. Er hält gar nichts von der subjektiven „Spielerei“, sondern meint, die Gesetzt rein und objektiv erfassen zu können und schafft daher Abstraktionen, welche nach seiner Überzeugung objektiv gelten.

    Beides ist allerdings verkehrt. Es kann nicht richtig zu sein, Wirklichkeit zu einem subjektiven Verständnisprozess zu degradieren und zu behaupten, Wirklichkeit würde durch die Subjekte erst (für sie, von ihnen selber) geschaffen. Allerdings ist es auch gefährlich, der Illusion zu erliegen, eine „perfekte“ Wissenschaft und Sprache erzeugen zu können, die ganz und gar objektiv die Realität abzubilden in der Lage ist. Hinter wissenschaftlicher Erkenntnis steckt z.B. immer ein Interesse (z.B. ein emanzipatorisches), welches Einfluss auf die Forschung übt.

    Ich würde also schon sagen, dass auch durch ungegenständliche Kunst Realität dargestellt werden kann. Dieses Vorgehen kritisiere ich auch an Kandinsky und Mondrian nicht. (Wobei ungegenständliche Kunst ja auch auf eine andere Realität eher verweist, als diese tatsächlich „sein“ zu wollen.) Mir geht es um den Inhalt, nämlich um die esoterische Ausrichtung und um das Mittel, die esoterischen Inhalte darzustellen, nämlich Objektivierung und Subjektivierung.

    Du hast recht, wenn du die neue Beziehung zwischen Bild, Betrachter und Realität welche z.B. die Bilder von Kandinsky und Mondrian erzeugen, bemerkst. Auch, wenn du schreibst, dass Kandinskys und Mondrians Bilder, mehr in der „Welt sind“, als eine selbstbezogene Plastik. Bei der Plastik kommt es natürlich darauf an, wie der Betrachter diese interpretiert. Aber wenn sie selbstbezogen, für-sich ist, dann stimmt das schon damit überein, was Adorno kritisiert. Aber die Bilder der Esoteriker sind da nicht viel anders. Sie weisen zwar über sich selber hinaus, erklären die Welt aber aus einem Ideal, welches sie wie ein Glaubenssatz erheben und alles faktisch Gegebene darauf reduzieren. Sie sind also in gewisser Weise auch für-sich, wie die Plastik.
    Hat z.B. der Rezipient begriffen, warum Mondrian z.B. die Linien malte, dann hat er sich an die Objektivität dieser zu halten.

    Ich schließe dann mit dem ganzen Absatz von Adorno und Horkheimer aus der DDA, aus dem ich auch das Zitat entnommen habe. Dann wird sicherlich völlig klar, was Adorno meint.

    Ich hoffe, meine Gedanken einigermaßen verständlich dargeboten zu haben, ich stehe etwas unter Zeitdruck und korrigiere ggf., wenn mir ein Fehler in der Sache auffällt.
    Danke für die lobenden Worte und besonders fürs Interesse!

    Gruß,
    Schorsch

    Hier das Zitat:

    „Zwischen dem wahrhaften Gegenstand und dem
    unbezweifelbaren Sinnesdatum, zwischen innen und außen,
    klafft ein Abgrund, den das Subjekt, auf eigene Gefahr,
    überbrücken muß. Um das Ding zu spiegeln, wie es ist, muß das
    Subjekt ihm mehr zurückgeben, als es von ihm erhält. Das
    Subjekt schafft die Welt außer ihm noch einmal aus den Spuren,
    die sie in seinen Sinnen zurückläßt: die Einheit des Dinges in
    seinen mannigfaltigen Eigenschaften und Zuständen; und es
    konstituiert damit rückwirkend das Ich, indem es nicht bloß den
    äußeren sondern auch den von diesen allmählich sich
    sondernden inneren Eindrücken synthetische Einheit zu
    verleihen lernt. Das identische Ich ist das späteste konstante
    Projektionsprodukt. In einem Prozeß, der geschichtlich erst mit
    den entfalteten Kräften der menschlichen physiologischen
    Konstitution sich vollziehen konnte, hat es als einheitliche und
    zugleich exzentrische Funktion sich entfaltet. Auch als
    selbständig objektiviertes freilich ist es nur, was ihm die
    Objektwelt ist. In nichts anderem als in der Zartheit und dem
    Reichtum der äußeren Wahrnehmungswelt besteht die innere
    Tiefe des Subjekts. Wenn die Verschränkung unterbrochen wird,
    erstarrt das Ich. Geht es, positivistisch, im Registrieren von
    Gegebenem auf, ohne selbst zu geben, so schrumpft es zum
    Punkt, und wenn es, idealistisch, die Welt aus dem grundlosen
    Ursprung seiner selbst entwirft, erschöpft es sich in sturer
    Wiederholung. Beide Male gibt es den Geist auf. Nur in der
    Vermittlung, in der das nichtige Sinnesdatum den Gedanken zur
    ganzen Produktivität bringt, deren er fähig ist, und andererseits
    der Gedanke vorbehaltlos dem übermächtigen Eindruck sich
    hingibt, wird die kranke Einsamkeit überwunden, in der die
    ganze Natur befangen ist. Nicht in der vom Gedanken
    unangekränkelten Gewißheit, nicht in der vorbegrifflichen
    Einheit von Wahrnehmung und Gegenstand, sondern in ihrem
    reflektierten Gegensatz zeigt die Möglichkeit von Versöhnung
    sich an. Die Unterscheidung geschieht im Subjekt, das die
    Außenwelt im eigenen Bewußtsein hat und doch als anderes
    erkennt. Daher vollzieht sich jenes Reflektieren, das Leben der
    Vernunft, als bewußte Projektion.“ Adorno, Horkheimer, DDA

  5. Gravatar Icon 5 nerone 19. Januar 2007 um 0:06 Uhr

    hallo Schorsch,

    nur ganz kurz. Ich werde etwas Zeit brauchen um den Text zu erfassen. Ich habe erst mal den Background Adornos abklopfen müssen und bin noch dabei. Ich bin tatsächlich ja nur einer der die großen Denker nicht scheut, aber kennen tue ich sie nicht alle (nur den Namen nach). Ich habe gerade erst begonnen mir gegenüber zu behaupten ich könnte philosophische Texte lesen. Ein wenig Anleitung und Auseinandersetzung kann das ja nur fördern. Dennoch werde ich in dieser Sache noch etwas zurückhaltend sein und versuchen Adornos Idee zu verstehen. Dann werde ich versuchen sie auf das Bild, das ich von den Künstlern (und von Kunstwerken generell) habe, anzuwenden. Mal sehen ob ich ihm folgen kann.
    Dir danke ich die umfangreiche Antwort. Ich werde wie gesagt noch darauf eingehen.

    Freut mich deine Seite gefunden zu haben.

    Gruß

    nerone

  6. Gravatar Icon 6 nerone 19. Januar 2007 um 9:18 Uhr

    Ach so,

    Zwei Dinge kann ich heute Morgen schon schreiben, ohne Adorno ganz durchdrungen zu haben. Zum Einen geht es um eine Verständnisfrage und zum anderen um eine Erklärung bezüglich der selbst bezogenen Plastik und wie ich das eigentlich meinte.

    [1] Es geht Dir, wenn ich recht verstanden habe, um eine Analyse, in wie weit es Mondrian und Kandinsky gelang mit ihren Mitteln die Ideen, die ihre Werke beeinflussten und zu Grinde lagen, vermitteln konnten. Letztlich also in wie weit sie „Erfolg“ hatten.

    [2] Mit der Selbstbezogenen Plastik meine ich wahrscheinlich eher so etwas, wie du es Heidegger beschreiben lässt. Der Begriff der Aura ist hier aber nicht ganz nach meinem Geschmack. Ich Rede von einem sehr realen Bezug zwischen Betrachter und Kunstwerk. Dieser Bezug ist nach meiner Auffassung mit einem mehrdimensionalen Raum zu vergleichen. Das Bild erfährt eine Vielzahl von Aussagen, obwohl doch eigentlich nur ein Stück buntes Stoff vor dem Betrachter hängt. Aus der Architektur kommend, hat für mich die Wechselwirkung zwischen Bild und Betrachter eine tatsächlich räumliche, bzw plastische Komponente. Entferne ich mich beispielsweise von dem Bild treten ganz neue Bezüge in mein Gesichtsfeld. Die Kenntnis ihrer anthroposophischen Grundlagen (z.B.) füllt diesen Raum ja auch mit aus, etc. Selbstbezogen ist diese Plastik deswegen, da sie aus der Interaktion zwischen Betrachter und Bild stattfindet (und nur solange).
    Das Kunst in einer ähnlichen Weise auf einen gesellschaftlichen Kontext wirken kann denke ich durchaus. Am deutlichsten wird das dort, wo Kunst und Architektur instrumentalisiert wird um Staatsformen zu repräsentieren (totalitäre Architekturen und Künste oder auch die gesamte Kirchenkunst).

    So oder ähnlich

  7. Gravatar Icon 7 schorsch 19. Januar 2007 um 20:32 Uhr

    „ Es geht Dir, wenn ich recht verstanden habe, um eine Analyse, in wie weit es Mondrian und Kandinsky gelang mit ihren Mitteln die Ideen, die ihre Werke beeinflussten und zu Grunde lagen, vermitteln konnten. Letztlich also in wie weit sie “Erfolg” hatten.“
    Ja, zumindest versuche ich ansatzweise diese Mittel und Ideen darzustellen, ohne den Anspruch wirklich jede Facette beleuchtet zu haben, das wäre ziemlich anmaßend glaube ich. ;-)
    Ansonsten besteht die Motivation auch in der Kritik ihrer Mittel und Inhalte.

    „[2] Die Kenntnis ihrer anthroposophischen Grundlagen (z.B.) füllt diesen Raum ja auch mit aus, etc. Selbstbezogen ist diese Plastik deswegen, da sie aus der Interaktion zwischen Betrachter und Bild stattfindet (und nur solange).“

    Das stimmt, aber die Art und Weise der Interaktion, oder auch ihr Inhalt, ist ja dadurch nicht näher bestimmt. Ob also das Verhältnis zwischen Betrachter und Bild (in diesem Falle durch das Bild), von „kranker Einsamkeit“ geprägt ist, also das Bild in die eine oder andere Richtung („Subjektivistisch“, Objektivistisch“) strebt, wird durch das Vorhandensein des Verhältnisses noch nicht bestimmt. (Wenn das überhaupt deine Aussageintention war).
    Ich denke, dass die Feststellungen von Adorno (siehe Zitat) nur auf den Betrachter oder das Werk „angewendet“ werden können um folgende Frage zu beantworten: Stellt das Bild die Realität/den Gegenstand total positivistisch oder rein idealistisch dar? (mal von Ausnahmen abgesehen) Oder: Rutscht der Betrachter in eine rein deskriptive Ebene ab bzw. presst er das Bild z.B. in ein vorhandenes Deutungsschema?
    Daher denke ich nicht, dass die „kranke Einsamkeit“ per se durch ein selbstbezogene Plastik aufgehoben wird, das aber durchaus möglich ist, bzw. ein reflektiertes Verhältnis zu der Plastik gegeben sein kann.

  8. Gravatar Icon 8 nerone 20. Januar 2007 um 1:39 Uhr

    Zitat:
    Nicht in der vom Gedanken unangekränkelten Gewißheit,
    nicht in der vorbegrifflichen Einheit von Wahrnehmung und
    Gegenstand, sondern in ihrem reflektierten Gegensatz zeigt
    die Möglichkeit von Versöhnung sich an.

    A) Zwischenfrage:
    Adorno sucht , gezeichnet durch die verherende
    gesellschaftliche Wirklichkeit des Naziregimes, nach einer
    Utopie der Versöhnung und der Vernunft. Gleichzeitig ist sein
    Denken getrieben von der Kritik an der Gesellschaft, die
    Hitler, die Nazi und den Holocaust zulassen, begünstigen und
    fordern konnte. Ist das ungefähr richtig?

    B) Frage 1: Dieser eine Satz gegen Ende des Zitates bezieht
    sich doch auf eine Person, weniger auf einen Gegenstand?
    Und in ihm bietet er doch der „kranken Einsamkeit“, die sich
    ja auf ein Individuum, eine Person bezieht, eine Lösung an
    (eine Utopie, wenn man so will): „in ihrem reflektierten
    Gegensatz zeigt die Möglichkeit von Versöhnung
    sich an.“ Ist das ungefähr richtig?

    C) Frage 2: Weiter oben spricht Adorno von der Gefahr, die
    das Subjekt beschreiten muss, wenn es sich einem
    Gegenstand nähert. Den Abgrund beschrieben zu jener Zeit
    außer ihm ja auch Bloch ( wenn ich nicht Irre) und Jaspers
    auch, wobei mir klar ist, dass alle wieder andere Modelle
    entwickelten. Bleiben wir beim Abgrund Adornos. Mir gefällt
    das Bild. Die Leere die Adorno beschreibt, die sich vor einem
    ausbreitet, will man (irgendeinen) Weg der Erkenntnis, des
    Verstehens, etc. gehen ist mir bekannt und zu bestimmten
    Anlässen auch körperlich wahrnehmbar. Bedeutet dieser
    Abgrund und das Subjekt als allein Gebendes, dass das
    Subjekt (ich verstehe das immer noch als Person) letztlich
    einer Welt der Gegenständlichkeit ausgesetzt ist? Das „Ich“
    ist nicht frei im Willen, sondern nur sozusagen der Spiegel der
    Projektion einer auf es einwirkenden Wirklichkeit?

    Wenn ich das so nach vollziehe stelle ich natürlich fest, dass
    innerhalb dieser Denkweise die Bilder tatsächlich in der
    Aussage verharren, die ihre Schöpfer ihnen zugedacht haben
    Ich wollte zwar versuchen den Objekten, also den Bilder
    Argumentativ eine eigene Wirklichkeit zurück zu geben,
    unabhängig von dem Geist in dem Sie geschaffen wurden
    (auch weil ich überzeugt bin, dass das so sein kann). Aber
    gegen Adorno komme ich nicht an. :)

    Jetzt aber komme ich dennoch auf das obige Zitat zurück.
    Steckt da nicht ein richtungsweisender Gedanke hinter, der
    die Objekte (Bilder/Kunst) denn doch aus dem Gefängnis
    befreit, welches auch die Projektionsfläche (Esoterik,
    Anthroposophie, Monismus, Materialismuskritik) überblenden
    kann?
    Der „reflektierte Gegensatz zeigt die Möglichkeit von
    Versöhnung [sich] an.“ Kann das nicht das Angebot der
    (hervorragender/bleibender – weisnichtwieichessagensoll)
    Kunst sein? (Ich halte das sogar für die Forderung/Aufgabe
    der Kunst,. Also: Provokation/Refelektion) Nähmlich in diesen
    reflektierten Gegensatz hinein zu gehen? (Wow, das klingt
    jetzt fast nach dem Wort zum Sonntag…)

    Wie dem auch sei. Ich sehe in dem einen, wie dem anderen
    leltzlich nichts idealistisches oder positivistisches erkennen.
    Wenn ich Bilder betrachte nehme ich meist Bezüge wahr die
    unmittelbar mit meinem Erlebensraum zu tun haben. Die
    Gesetzmäßigkeiten Mondrians Bilder, die mit subtilem
    Gleichgewicht zu tun haben oder die rythmischen Striche und
    Farben bei Kandinsky sind jeweils sehr vielfätige Elemente
    meiner Erlebenswelt. Im Studium beschrieb ein Prof von uns
    einen unbestimmten Bereich des erweiterten Bewusstseins
    als „Leibraum“. Dieser Raum war keine esoterische Größe. Er beschrieb den Bereich um den du deine Wahrnehmung erweiterst, wenn du z.B. Auto fährst, auf einem Pferd reitest und und und. Es ist eine „Raumbeschreibung“, die natürlich hilfreich sein kann um Raum zu verstehen. Dennoch denke ich nicht dass Kunst Realität abbildet, sondern Wirklichkeiten.
    Ich kenne keine Realitäten. Sowenig sich Individuen oder
    Gruppen auf eine Realität einigen können, wird die Kunst auch
    keine Realität abbilden. Letztlich ist es so wie du andeutest:
    Der Betrachter presst das Bild in ein (sein) vorhandenes
    Deutungsschema. Aber so möchte ich das natürlich nicht
    lesen. Ich will schon auf die Erweiterung des Schemas
    hindeuten, die durch den Einfluss der Kunst entsteht.

    Allein dieser Diskurs bietet mir auf vielen Ebenen Auswege aus der kranken Einsamkeit und die Möglichkeit Mondrian und Kandinsky neu zu bewerten, Adorno erstmals berührt, die eigene Kunstrezeption überdacht und den Wermutstropfen das ganze nicht bei einem Glas Rotwein besprochen zu haben.

  9. Gravatar Icon 9 schorsch 04. Februar 2007 um 19:06 Uhr

    Hallo Nerone,

    Zu A: Ja, es stimmt ungefähr, man könnte es vielleicht noch etwas präzisieren und z.B. auf den genaueren Zusammenhang des Nationalsozialismus, der kapitalistischen Produktionsweise und des Individuum usw. hinweisen, dazu sehe ich mich aber selber nicht in der Lage. Adorno möchte, wenn ich ihn richtig verstehe, in dem zitierten Absatz auf den Erkenntnisprozess des Subjekts hinweisen. Dabei wendet er sich gegen subjektivistisch-idealistische und positivistische Tendenzen. Das Zitierte wendet sich also u.a. gegen den Positivismus und wird im Zusammenhang mit dem Antisemitismus geschrieben. Soweit ich das noch Überblicke ist die „kranke Einsamkeit“ nicht unbeteiligt an antisemitischen Denkprozessen. Aber mehr kann ich dazu auch nicht sagen.

    Zu B: Ja, du hast völlig recht. Allerdings ist in dem Bild ja auch die geistige Gesinnung des Künstlers repräsentiert (ich nehme das der Einfachheit halber mal so „apodiktisch“ an) und daher ist es auch möglich, diese Begrifflichkeiten in Bezug zu einem Kunstwerk zu benutzen, auch wenn der Bezug schlussendlich natürlich auf den Betrachter oder den Künstler weisen muss.

    Zu C: Ja und nein. So wie ich Adorno verstanden habe kann das Subjekt nur durch die bewusste Projektion, durch die Spieglung empirischer Gegebenheiten, durch die Erschaffung der Welt anhand der Spuren, die diese in den Sinnen des Subjekts hinterlassen hat, wirkliche Erkenntnis und Vernunft erlangen. Wenn das geschieht, wird das Ich konstituiert, aber nicht determiniert. Es kann also darüber hinaus noch denken. Außerdem besteht die Möglichkeit der Ignoranz gegenüber empirischen Gegebenheiten. Die Entscheidung, „in kranker Einsamkeit“ zu verharren erfordert die Entscheidung des Subjekts. Ich glaube was du skizzierst wäre die „positivistische“ Variante des Subjekts, nämlich ein pures Registrieren der Realität, ohne zusätzlich sein eigenes Intellekt zu bemühen.

    “Ich wollte zwar versuchen den Objekten, also den Bilder
    Argumentativ eine eigene Wirklichkeit zurück zu geben,
    unabhängig von dem Geist in dem Sie geschaffen wurden“

    Ich denke hier unterscheidet sich einfach unser Ansatz. Ich bin einfach von einer relativ Eindeutigen Interpretationsmöglichkeit und Aussageabsicht der Bilder ausgegangen. (siehe auch meine Anmerkungen unten)

    „Kann das nicht das Angebot der (…) Kunst sein? (…) Nämlich in diesen
    reflektierten Gegensatz hinein zu gehen?“

    Hier tue ich mich mit einer Antwort schwer und muss erst kurz einige Rückfrage zur Kunst stellen: Eignet sich diese praktisch, um den Gegensatz zwischen Wahrnehmung und Gegenstand zu reflektieren? Besteht da nicht wieder die Möglichkeit einer Pluralität der Interpretationen, die den Zweck der Kunst sogar umzukehren in der Lage ist? Eignet sich ein Text oder die eigene Reflexion nicht viel besser um den Gegensatz zu reflektieren?
    Aber theoretisch könnte darin durchaus eine Aufgabe der Kunst bestehen. Übrigens, aber das braucht uns hier nicht weiter zu interessieren, würde das absolut Adornos Gedanken zur Ästhetik widersprechen.

    „Wie dem auch sei. Ich sehe in dem einen, wie dem anderen
    leltzlich nichts idealistisches oder positivistisches erkennen.
    Wenn ich Bilder betrachte nehme ich meist Bezüge wahr die
    unmittelbar mit meinem Erlebensraum zu tun haben. Die
    Gesetzmäßigkeiten Mondrians Bilder, die mit subtilem
    Gleichgewicht zu tun haben oder die rythmischen Striche und
    Farben bei Kandinsky sind jeweils sehr vielfätige Elemente
    meiner Erlebenswelt. Im Studium beschrieb ein Prof von uns
    einen unbestimmten Bereich des erweiterten Bewusstseins
    als “Leibraum”. Dieser Raum war keine esoterische Größe. Er beschrieb den Bereich um den du deine Wahrnehmung erweiterst, wenn du z.B. Auto fährst, auf einem Pferd reitest und und und. Es ist eine “Raumbeschreibung”, die natürlich hilfreich sein kann um Raum zu verstehen. Dennoch denke ich nicht dass Kunst Realität abbildet, sondern Wirklichkeiten.
    Ich kenne keine Realitäten. Sowenig sich Individuen oder
    Gruppen auf eine Realität einigen können, wird die Kunst auch
    keine Realität abbilden. Letztlich ist es so wie du andeutest:
    Der Betrachter presst das Bild in ein (sein) vorhandenes
    Deutungsschema. Aber so möchte ich das natürlich nicht
    lesen. Ich will schon auf die Erweiterung des Schemas
    hindeuten, die durch den Einfluss der Kunst entsteht.“

    Du kannst die Bilder natürlich als Versuch erkennen, den „Leibraum“ zu erweitern, Nichtkommunizierbares kommunizierbar zu machen und schließlich in deinen Erfahrungs- und Wissenshorizont reflektiert integrieren und somit gegebenenfalls kritisieren. Letzteres habe ich versucht. Vielleicht habe ich den Worten der Künstler zuviel Beachtung geschenkt, aber bei denen ging es ja grade nicht darum, den Gegensatz zu reflektieren, sondern beide Entschieden sich für ein Extrem. Sie fassen die Wirklichkeit auf und geben ihre Auffassung mit bestimmten Mitteln weiter. Beides halte ich für kritikabel. Es ist möglich, den Bildern völlig neue Bedeutungen zuzusprechen und somit dann auch die Kritik an diesen nicht mehr zu teilen, da die basalen Gedanken dieser (in dem Fall meiner) Kritik nicht mehr deine sind, bzw. du von diesen nicht mehr ausgehst.

    Adornos Überlegungen betreffen nicht ausschließlich, aber auch, das Verhältnis von Bildern und Betrachtern. Die von dir skizzierte Vorhergehensweise tangiert aber weniger die Bilder selber, als dich als Subjekt. Allerdings wäre hier zu diskutieren, ob die Bilder aus sich heraus „sind“, oder ob sie erst durch den Betrachter, fast schon „im Betrachter“, „werden“ und immer wieder aufs Neue, für jedes Subjekt, „werden“. Ich glaube das ist der Knackpunkt des Diskurs in Bezug zur Kunst.

    P.S.: Du hast einmal kurz angemerkt, dass du Subjekt einfach gleich dem Mensch setzt. Ich bin mir selber nicht völlig sicher, wie das bei Adorno zu verstehen ist. In der „Minima Moralia“ schreibt er, wenn ich mich jetzt exakt erinneren, das Subjekt wäre zwar dem Untergang geweiht, aber die Individuuen würden sich ans Subjekt klammern. Ansonsten wird der Begriff des Individuums glaube ich benutzt, wenn es sich um einen „freien Mensch“ handelt und die Kategorie des Subjekts dann verwendet, wenn es darum geht einen Mensch zu charakterisieren, welcher den Zumutungen der kapitalistischen Produktionsweise ausgesetzt ist und durch diese gezeichnet wird. Aber da bin ich mir nicht ganz sicher, aber das ist ja auch für den Diskurs nicht sooo wichtig.

    Viele Grüße,

    Schorsch

  10. Gravatar Icon 10 nerone 05. Februar 2007 um 8:51 Uhr

    Erst einmal herzlichen Dank für die ausführliche Fortführung des Diskurses. Hier möchte ich nur kurz auf einen Punkt deines Schreibens eingehen, später aber nochmal über die „Rückfragen zur Kunst“ gesondert nachdenken:

    Es ist tatsächlich der Ansatz deiner Kritik, der überhaupt erst in eine Diskussion über diese zwei Künstler führt und wie sich zeigt zu einer Reflexion über die Kunst im allgemeinen. Das ist die Qualität von Kritik. Was ich besonders spannend finde, sind die Differenzen in Bezug auf unsere Standpunkte, die du oben herausgearbeitet hast, bis hin zum möglichen „Knackpunkt“ der Diskussion.

    Tatsächlich fällt es mir, da ich Adorno kaum kenne, schwerer deiner Kritik soweit zu folgen. Ich muss den Subjektbegriff Adornos nochmal durchdenken. Interessant zudem, dass ich offensichtlich Adornos Theorien zur Ästhetik widerspreche. Da muss ich erst mal um Nachsicht bitten, dass ich nicht auf ihn eingehen kann. Ich werde ja noch auf deine Fragen zur Kunst, wie ich sie sehe, antworten. Das ist ein relativ unbefleckte und unschuldige Sicht, die wenige theoretische Einflüsse kennt. Danach werde ich mir aber mal den Adorno hinsichtlich Kunst und Ästhetik vorknüpfen.

  11. Gravatar Icon 11 schorsch 05. Februar 2007 um 16:46 Uhr

    Hallo nerone,

    auf deine Antwort zu Kunst und Ästhetik im Allgemeinen bin ich sehr gespannt.

    Zum Subjektbegriff von Adorno: Es wäre völlig übertrieben, wenn ich behaupten würde, da wirklich bescheid zu wissen. Falls du also einen guten Einführungstext findest, welcher den Subjektbegriff bei Adorno näher beschreibt, melde ich schonmal mein Interesse an!

    Wenn es dich interessiert:

    http://www.copyriot.com/sinistra/reading/agnado/minima.html

    Die Minima Moralia online. Da gibt es auch den Abschnitt, den ich in meinem letzten Kommentar kurz erwähnt habe. Was Adorno da zum Subjekt schreibt, steht ganz am Anfang, in der nicht ganz einfachen „Zueignung“.

    Sich in Adornos Ästhetiktheorie einzuarbeiten dauert glaube ich, relativ lange, da er dazu ziemlich dicke Schinken geschrieben hat.
    Wenn du willst, referiere ich kurz mein (auch nicht so riesiges Wissen) zur Ästhetiktheorie Adornos, um einen Überblick zu verschaffen.
    Das könnte dann auch ganz interessant sein, um die Fragen zur Kunst im Allgemeinen zu behandeln.

    Viele Grüße,

    Schorsch

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