Unkritisches Lob: „Departed – Unter Feinden“

„Departed – Unter Feinden“ ist, und da scheint mir selbst diese Bezeichnung noch nicht ganz adäquat zu sein, endlich noch mal ein guter Action- oder Kriminalfilm.

Die Hauptstory ist simpel, aber nur um immer verflixter zu werden und die Spannung des Zuschauers in jeder Szene zu potenzieren: Ein frischgebackener Elite-Cop wird zum Undercover-Cop. Er wird eingesetzt, um sich in die Dienste des Untergrundbosses Costello zu stellen, um so notwendige Beweise zu dessen Festnahme zu liefern. Was der Cop vorerst nicht weiß: Costello hat seinerseits eine „Ratte“ in die Reihen der Polizei gesetzt. Das Gegenspiel kann also beginnen.
Was sich wie ein allzu gradliniger Film anhört entpuppt sich als absolutes Gegenteil. Stets wird das Hauptthema mit vielerlei Nebengeschichten versehen, die wiederum Einfluß auf das Hauptthema üben, also nicht einfach zu diesem addiert wurden, sondern eben ein Verhältnis mit dem Haupthema eingehen. Ein Grund, warum die Erwartungen des Zuschauers häufig durchbrochen werden und der Film von Anfang bis Ende spannend bleibt. Auch die Charaktere sind wunderbar erarbeitet und ergänzen sich wechselseitig zu einer beeindruckenden Beziehung von Widersprüchlichkeit und Harmonie. Auch hier sehe ich eine besondere Qualität des Streifens repräsentiert.
In anderen Filmen werden Einzelszenen oft vom Gesamtfilm überdeckt. Nicht so in diesem Film. Ob eine kurze Autofahrt, untermalt vom passenden Sound der „Dropkick Murphys“, oder Fachsimpeleien zweier grandios gespielter Handlanger Costellos‘, woran ein Cop zu erkennen sei: Jede Szene ist für sich den Eintrittspreis wert und ergänzt den Film um humoristische oder intellektuelle Beigaben, ohne aber völlig losgelöst vom Film zu erscheinen. Ich wußte beispielsweise nicht, dass Freud in den Iren eine Gruppe repräsentiert sah, die gegen die Psychoanalyse völlig immun sei.
So herrscht immer eine einzigartige Atmosphäre, geprägt von vielen Facetten aber auch Grundstimmungen, besonders von Geschwindigkeit, die aber nie aufdringlich oder störend wirkt.
Ich könnte mich hier nun lange über all die wunderbaren Einzelszenen, die Leistung der Schauspieler (Jack Nicholson ist mal wieder genial) und Wendungen auslassen, will aber dem Leser die Möglichkeit erhalten, sich vom Film selber über dessen besondere Qualitäten überzeugen zu lassen.
Auch in anderer Hinsicht möchte ich den Film loben: Er schafft es stets spannend zu sein, den Zuschauer zu packen, ohne ihn aber völlig einzulullen. Natürlich will der Film unterhalten und ist weniger gedreht worden, um einen grübelnden Zuschauer im Kinosaal zu hinterlassen. Auch wenn die drei Hauptpersonen getötet werden und der Mord an Costellos‘ „Ratte“ suggerieren könnte, alles sei nun gut, bleibt wenigstens eine ambivalente Situation: Die Identifizierung mit den Charakteren wird emotional nicht soweit getrieben, als dass zum Schluß des Filmes eine aristotelische Katharsis konstatiert werden könnte, die sonst als Ersatzbefriedigung fungiert und den Zustand des Sollenden fälschlicherweise ins Seiende schiebt. Die Leistung liegt nun darin, dass diese „mangelhafte“ Identifizierung mit den Charaktern sich nicht als Nachteil des Films durchsetzt.

Fazit: Genialer Unterhaltungsfilm. Ansehen!