Archiv für August 2006

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1.) Einblicke in Moishe Postones Versuch einer Erklärung des Antisemitismus lassen sich gut in den Auszügen aus seinem Aufsatz „Antisemitismus und Nationalsozialismus“ und in einem Interview mit ihm gewinnen.

2.) Mit Identitätskonstruktion und Feindbildpflege setzt sich Werner Ruf in seinem Artikel „Islam, Gewalt und westliche Ängste“ auseinander. Er zeigt auf, dass das antisemitische Klischee kulturologisch gewendet, auf „den Islam“ projiziert und „der Islam“ durch falsche Denkvorgänge und Prämissen zur „Gegen-Kultur“ stilisiert wird. Es zeigt sich schlußendlich, dass der „viel beschworene „Kampf gegen den Terrorismus“ (…), wenn mit Moral verbrämte Arroganz und kriegerische Brutalität an die Stelle des Rechts gesetzt werden ein Unternehmen zur Förderung dessen (wird), was er zu bekämpfen vorgibt: des Terrorismus“

Hayek, Bloch und die „Heimat“

Sie (die Ordnung) kann nur aus der wechselseitigen Anpassung der Elemente und deren reaktionen auf die unmittelbar auf sie einwirkenden Ereignisse verhorgehen.

Friedrich A. Hayek

vs.

Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.

Ernst Bloch

Warum der letzte Teil des Bloch-Zitats inhaltlich falsch ist und warum die Kategorie der „Heimat“ nicht positiv aufgeladen werden kann, lässt sich hier nachlesen.

Gespräch mit Zuckermann

Der Abschnitt zum Faschismus ist lesenswert: Gespräch mit Zuckermann

Anmerkungen zur Zusammenfassung von Heinrich’s Einführung

Nach dem nun schon zweiten Hinweis nocheinmal ausdrücklich: Die Zusammenfassung von Michael Heinrich’s Einführung ist nicht angelegt worden, um die Lektüre des Buches zu ersetzen, sondern als praktische Hilfe für Leser/innen gedacht. Also als Ergänzung, Leitfaden für’s Lesen oder um nach Lese-Abstinenz schnell in die inhaltliche Thematik zurückzufinden.

Danke an emanzipationoderbarbarei und ascetonym für die Hinweise.

Anmerkungen gegen Burschenschaften

„Wehe den Juden“ schrie der fanatisierte Burschenschaftspöbel während ihrer Bücherverbrennung auf dem Wartburgfest.
Bereits 1818 zeigt Saul Ascher, Jude und Kosmopolit, die irrationale Verirrung der Bruschenschafter auf und fordert die Autorität zu polizeilichen Maßnahmen zur Unterdrückung deutschnationalistischen Gedankengutes ein. Vorrausschauend und intelligent schreibt er:

Man muss die Menge, um auch sie für eine Ansicht oder Lehre einzunehmen, zu begeistern suchen; um das Feuer den Begeisterung zu erhalten, muß Brennstoff gesammelt werden, und in dem Häuflein Juden wollen unsere Germanomanen das erste Bündel Reiser zur Verbreitung des Fanatismus hinlegen.

Von Saul Ascher ist Heinrich Heine nach eigenen Aussagen beeinflusst worden. Heine schreibt zu den Burschenschaften:

Auf der Wartburg hingegen herrschte jener unbeschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Hass des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wußte, als Bücher zu verbrennen!

Wer also behauptet, Burschenschaften wären „zu ihrer Zeit“ eine emanzipatorische Einrichtung, verfehlt den Kern und ignoriert historische Faktizitäten.
Die deutsche Romantik, eine widerliche Spielart des Nationalismus, von Volksgeist und ähnlichen Idiotien schwafelnd, sich selber einlullend in deutsch-nationale, regressivste und antiaufklärerische wabbernde Nebel, ist mit den Burschenschaften unmittelbar verknüpft.