Fragmente der Kritik: VWL

Im Folgenden sollen einige wenige kritische Anmerkungen zur Volkswirtschaftslehre gemacht werden:

Ein Marxisten bekanntes „Problem“ der VWL besteht darin, dass diese nichtmal ansatzweise zu ergründen sucht, was der Wert der Ware ist. In dem Buch „Im Kreislauf der Wirtschaft-Einführung in die Volkswirtschaftslehre“, herausgegeben vom Bundesverband deutscher Banken e.V. heißt es in dem Kapitel „Der Wert des Geldes“:

„Da wir mit Geld Werte (z.B. ein Brot,…) erwerben können, muss es selbst Wert haben.“

Zu Beginn direkt der erste Fehler. Die Analyse bleibt auf phänomenologischer Ebene stehen und schließt aus der Tatsache, dass Geld Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Warenerwerb ist, dass es selber Wert haben muss. Der Bezug des Geldes auf die Waren wird nicht versucht zu rekonstruieren und so gilt Marx‘ Satz weiterhin: „Die vermittelnde Bewegung (des Wertes) verschwindet in ihrem eigenen Resultat (des Geldes) und läßt keine Spur zurück“.

Danach wird erklärt:

„Wir schließen uns darum jener Theorie an, die den hauptsächlichen Bestimmungsgrund des Geldwertes bzw. der Kaufkraft des Geldes aus dem Verhältnis zwischen Geldmenge und umzusetzender Gütermenge herleitet.“

Geld „hat“, so die VWL, also Wert, weil man dafür Waren kaufen kann. Worin besteht aber nun der Wert der Waren? Die sich anschließenden Erklärungen zur Verkehrsgleichung des Geldes also quantitätstheoretischen Darbietungen tragen nicht zur Klärung der Frage bei. (Schon Marx Einwände gegen die Quantitätstheorie, die hier vlt. später behandelt werden sollen.)
Warum Waren praktisch nur aufgrund des Geldes austauschbar sind, wird ebensowenig dargeboten, was aufgrund der fetischisierten Betrachtungen nicht weiter wundert. Hier soll aber angemerkt werden, dass Waren nicht durch das Geld kommensurabel werden, sondern es sich genau umgekehrt verhält. (vgl. MEW 23, S. 109)

Ein weiterer Fehler der VWL besteht darin, dass diese unterstellt, Zweck der herrschenden Wirtschaftsweise sei die Produktion von Waren für Bedürfnisse, was nachgewiesener Weise nicht der Fall ist. Mit dieser Unterstellung begründet die volkswirtschaftliche Theorie aber ihre Erklärung der kapitalistischen Wirtschaft aus den Bedürfnissen heraus und missachtet die Härte ebendieser Wirtschaftsform.

Falsch ist es auch, mit subjektiven Kategorien die Wirtschaft zu erklären, da der Konsum der Subjekte vom Budget dieser und von der ökonomischen Gesamtsituation abhängt und die subjektive Ökonomie „eigentlich eine Analyse von Marktvorgängen (ist), in denen schon die etablierten Markt (und Machtverhältnisse) vorausgesetzt werden. Das passiert ganz im Sinne von Kirchenvätern im Bezug auf vorchristliche Religionen: „Jede Religion, die nicht ihre eigene ist, ist eine Erfindung der Menschen, während ihre eigene Religion eine Offenbarung Gottes ist.“ (MEW 23, S. 96, Anm.33)

Lesehinweise:


1 Antwort auf “Fragmente der Kritik: VWL”


  1. Gravatar Icon 1 mohr 19. Juli 2006 um 20:12 Uhr

    Aus der Reihe „Kritik der bürgerlichen Wissenschaft“:
    Die Mikroökonomie
    Von der Erklärung des Werts – über die Erfindung des Grenznutzens – zum mathematischen Lob des Marktes
    I. Was jedermann geläufige Erfahrungen durchaus lehren könnten: Einige ökonomische Wahrheiten, Ware und Geld betreffend
    II. Die Entstehung der modernen VWL: Die Lehre vom subjektiven Wert
    III. Die moderne Mikroökonomie – Der Nutzen als methodisches Problem oder: Von der subjektiven Wertlehre zu einer „Theorie des Komsumverhaltens“

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