Archiv für April 2006

Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie – Teil 3

Zusammenfassung von “Kritik der politischen Ökonomie” von Michael Heinrich; Fortsetzung:

2.2 Theorie und Kritik

  • Weltanschaulicher Marxismus/Volkswirtschaftslehre: Kein Unterschied zwischen den Kategorien, sondern nur zwischen den Ergebnisse der Theorie (VWL sieht die Klassik als veraltet an, somit auch Marx, den sie selbiger zuordnen)
  • Marx wollte die kategorialen Vorraussetzungen einer ganzen Wissenschaft kritisieren (weiteres siehe S. 31, unterer Absatz)

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Adorno in „Erziehung zur Mündigkeit“

Ein schöner Satz Adornos, der hier artikuliert werden will:

Man kann philosophisch sehr wohl an dem Begriff der absoluten Vernunft Kritik üben und an der Illusion, die Welt sei das Produkt des absoluten Geistes, wird aber doch nicht deshalb verleugnen dürfen, dass anders als durch Denken und zwar durch unbeirrbares und insistentes Denken, so etwas wie die Bestimmung dessen was zu tun, was richtig sei, der richtigen Praxis überhaupt nicht vollziehbar ist und das hier also die philosophische Kritik am Idealismus mit der Denunziation des Denkens einfach verquickt wird, finde ich einen abscheulichen Sophismus, den man niedriger hängen muss, um endlich einmal, wirklich also, in diesen Muff einen Funken zu bringen der ihn möglicherweise doch explodieren lässt.

Und zum Schluß:

Ich glaube chemisch ist das möglich, ob das gesellschaftlich möglich ist, weiß ich nicht.

Das gesamte Gespräch lässt sich hier herunterladen und ist sehr empfehlenswert.

Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie – Teil 2

Zusammenfassung von „Kritik der politischen Ökonomie“ von Michael Heinrich; Fortsetzung:

1.3 Marx und der „Marxismus“

  • frühe Marx: Entfremdungstheorie ( Das Wesen des Mensch leidet unter der kapitalistischen Produktionsweise; keine Kontrolle des Mensch über seine Produkte, Arbeit, Kräfte, …)
  • Kommunismus als Aufhebung der Entfremdung
  • Bruch mit Auslassungen über das Wesen des Mensch, der Entfremdungstheorie
  • „Kommunistisches Manifest“ als quasi unwissenschaftliche Arbeit
  • Marx/Engels als „think tank“
  • Arbeiterkultur
  • „Weltanschauungsmarxismus“(Verflachungen Engels ohnehin schon flachen Ideen, simpelste Welterklärungen, Ökonomismus, historischer Determinismus, Identitätsstiftend auf Arbeiter)
  • Marxismus-Leninismus verflachte diesen „Weltanschauungsmarxismus“ noch weiter („Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist. Sie ist in sich geschlossen und harmonisch, sie gibt den Menschen eine einheitliche Weltanschauung“, Lenin)
  • Spaltung in SPD („Reformisten“) u. KPD („Leninisten“)
  • Lenins Polemiken würden nach seinem Tod zu „marxistischer Wissenschaft“ geadelt à Identitätsbildung der Partei, Identitätsstiftung in der SU
  • „Wenn das Marxismus ist, dann bin ich kein Marxist“ (Marx)
  • Westlicher Marxismus (Kritik am Weltanschauungsmarxismus; Korsch, Lukács, Gramsci, Horkheimer, Adorno, Marcuse)
  • Auseinandersetzungen mit marxistischer Kritik der politischen Ökonomie (Althusser, Balibar vgl. S. 25; Backhaus 1997, Reichelt 1970 u. S. 26 Anm. 2), Differenz zwischen marxistischer politischer Ökonomie u. Kritik der politischen Ökonomie

2. Der Gegenstand der Kritik der politischen Ökonomie

  • Verhältnis von theoretischer Darstellung u. Geschichte/ Marxscher Darstellung u. bürgerlicher Wirtschaftstheorie innerhalb der Kritik der politischen Ökonomie

2.1 Theorie und Geschichte

  • Engels u. Kautsky verklärten Marx logische (also begrifflich/theoretische) Darstellung in eine historische
  • Marx hätte eine vergangene Phase des Kapitalismus beschrieben („Konkurrenzkapitalismus), die der aktuellen („Imperialismus“) hervorginge
  • Auch die bürgerliche Wirtschaftswissenschaft verklärt Marx Dartellung bestenfalls als eine historische Darstellung u. verkennt den „logischen Wert“ des Werks
  • Marx ging es um eine theoretische Analyse des Kapitalismus, eine abstrahierende Darstellung, die den „idealen Durchschnitt“ erfasst
  • Ereignisgeschichte einer Gesellschaft: Wissen über Geschichte erforderlich
  • Strukturgeschichte einer Gesellschaft: Wissen über Struktur erforderlich (um zu wissen, nach was man in der Geschichte zu suchen hat)
  • Jedoch müssen differente Produktionsweisen mit unterschiedlichen Kategorien dargestellt werden (Bürgerliche Ideologen setzen ihre Kategorien, die bürgerliche Gesellschaft als überhistorisch u. einzig dem Mensch entsprechendes System fest)

Demnächst: Theorie und Kritik

Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie – Eine Einführung

Ich werde hier das gleichnamige Buch von Michael Heinrich in Stichpunkten zusammenfassen, und habe, um die Übersichtlichkeit weiterhin zu gewährleisten, direkt eine neue Kategorie geschaffen, worunter ich ca. ein-zweimal pro Woche Stichpunkte zu Kapiteln oder Abschnitten des Buches veröffentliche.

Online Version des Buches, Informationen zum Buch und Downloads, Homepage von Michael Heinrich

Es geht direkt los:

Notizen zu Heinrich: „Kritik der politischen Ökonomie – Eine Einführung“

1. Kapitalismus und „Marxismus“

1.1 Was ist Kapitalismus?

  • Historische versch. Klassen u. Herrschaftsverhältnisse
  • Bürgerlich – kapitalistische Gesellschaft: formelle Freiheit und Gleichheit, kein persönliches Gewaltverhältnis (vgl. S. 13)
  • Formelle Freiheit u. Gleichheit ist die Grundlage für kapitalistische Ausbeutung (vgl. S. 14)
  • Vorkapitalistische Gesellschaften: Produktion u. Aneignung durch die herrschende Klasse dient dem individuellen Konsum der Herrscher („unmittelbare Bedarfsdeckung“)
  • Kapitalistische Gesellschaften: Produktion u. Aneignung durch Kapitalisten dient der Kapitalverwertung („unmittelbare Kapitalverwertung“) → Akkumulation ist direkter Zwang des Kapitalismus bzw. der Konkurrenz (und kein moralischer Mangel) [Salopp: „Würde der Kapitalist nicht akkumulieren, würde er Pleite gehen“] (vgl. S. 15)
  • Kapitalismus beruht auf einem systematischen Herrschaftsverhältnis, das allgemein Zwänge produziert
  • Def. Kapital: Wertsumme, die sich zweckgemäß verwertet (Handelskapital, industrieelles Kapital, Erlös für Waren über dem Wert von Kapital u. Arbeit: Gewinn, Kapital hat es praktisch in allen Gesellschaften in einer untergeordneten Rolle gegeben, Akkumulation als quasi „Selbstzweck“)
  • Genesis des Kapitals
  • „Zeitalter der Entdeckungen“: Plünderung, Versklavung, Raubmord → „Kapital floß ins Mutterland“ (Paradigma für bürgerliche Geschichtsschreibung)
  • Kapital hat keine geographischen Grenzen mehr

1.2 Die Entstehung der Arbeiterbewegung

  • Doppelt freier Arbeiter
  • Permanenter Zwang zur Lohnarbeit (Arbeitshäuser, Verfolgung, …)
  • Das 19. Jahrhundert über wurden Kämpfe um die Anerkennung von Gewerkschaften u. Streiks geführt
  • Fabrikgesetzgebung (Regulativ, Kämpfe, …)
  • Entstehung von Arbeiterparteien, Theorien, … à Hatte der damalige Marxismus nocht etwas mit den marxistischen Theorien gemein?

Demächst: „Marx und der Marxismus“

Einige Anmerkungen zur Kritik der Toleranz

1.) Wahrheitsfindung im Diskurs setzt sich durch indem andere Meinungen, Aussagen gerade nicht toleriert werden und somit die Sache diskutiert wird. Am Anfang einer Diskussion steht als die Intoleranz.

2.) Toleranz im Diskurs degradiert eine Meinung. („Das ist bloß deine/meine/unsere/… Meinung“) und verhindert somit einen Austausch, denn das Ergebnis einer Diskussion fordert stets die Anerkennung einer Meinung als bloße Meinung. Wahrheitsfindung spielt also keine Rolle. Wer toleranz predigt soll sich in die Ecke stellen und nichts mehr sagen.

3.) Es gilt das Recht auf eine persönliche Meinung, welches das bürgerliche Subjekt unbedingt einfordert. Argumente und falsche/richtige Annahmen bleiben also bestehen und werden so zu Meinungen. Der Verstand wird als Mittel benutzt, die Welt zu interpretieren, und sich gemütlich mit der Realität abzufinden. Es besteht also das „Recht auf Einbildung“ und die Leute gewinnen ihre (falschen) Gedanken lieb.

4.) Eine Meinung darf Jede/r haben. Über die praktische Umsetzung entscheidet in einer Nation der „Freien“ und „Gleichen“ entscheidet die Macht, besser gesagt der Staat. Eine praktische Konsequenz aus einer Meinung darf nicht gezogen werden, womit Meinungsfreiheit faktisch nutzlos wird, denn was nutzt die schönste Theorie, wenn die Praxis ausgelassen wird?

5.) Tatsache ist, dass das theoretische Dogma der Toleranz ungeeignet für praktische Konsequenzen schon deshalb ist, da praktische Umsetzung Streit einfordert, denn irgendwetwas wird immer durchgesetzt. (Bsp: Todesstrafe: A favourisiert diese, B eher das Zuchthaus. Was nun mit „Straffälligen“ geschehen mag, ist völlig ungewiss, wenn Toleranz weiterhin eingefordert wird.)

6.) Das Toleranzgebot ist somit der Imperativ, sich der herrschenden Macht auszuliefern, und allein dieser Macht praktische Durchsetzung zuzugestehen.

7.) Alles außer der „Meinung des Staates“ ist von Praxis gefeit. Nur wer für den Staat denkt, darf auf Umsetzung seiner Ideen hoffen. Daraus resultiert:

- Konstruktive Kritik: Kritisiert wird nur der Maßstab des herrschenden Systems, nie zugrundeliegende Strukturen, also das System selber. (Alles andere ist „radikal“, „umstürzlerisch“ und wird mit dem Verfassungsschutz bedacht.)

- Apelle an den Staat: Da selber nicht gehandelt werden darf, stellen einige ganz Mutige, die ihre Kritik, ihre Meinung trotz des Toleranzgebotes durchgesetzt sehen wollen ihre Forderungen dem Staat, was bedeutet, dass diese Forderungen für des Staates Fortkommen sinnvoll sein müssen, womit wieder konstruktive Kritk eingefordert wird. („Lieber Vater Saat, Umweltzerstörung nervt nicht nur uns, sondern schadet möglicherweise auch der Wirtschaft und dir selber!“) Es wird also der Maßstab, den der Staat auf sein Handeln anlegt, auf die eigenen Gedanken angewand, und somit eine Selbstkontrolle durchgeführt, ob sich die eigenen Gedanken/Kritiken bewähren könnten. Nur diese werden dann auch wircklich hervorgebracht.

8.) Jeder hat den Dank den Instanzen (den Mächtigen) abzuliefern, die ihm seine Meinung erlauben und deshalb sind diese Instanzen schon kategorisch von grundsätzlicher Kritik befreit.

9.) Die bürgerliche Presse hat dieses Toleranzgebot mit allen Folgen völlig internalisiert. Die Presse ist also so frei, dass sie lediglich konstruktives Miteifern an der bürgerlich-kapitalistischen Realität als „vernünftige“ Meinung akkzeptiert. Kritik wird außerdem kanalisiert.

Siehe auch: MSZ Text zur Toleranz, argudiss Vortrag „Die Kritik der Toleranz“ und den Text auf contradictio.de